Industrie 4.0 Die digitalen Dämmerer

Angela Merkel sieht Deutschland weit zurückliegen bei der Verschmelzung von Industrie und Digitalisierung. Deshalb rüffelt die Kanzlerin deutsche Top-Manager vor der versammelten internationalen Gemeinde. Hoffentlich hilft es.
Merkel fordert eine schnellere Verschmelzung von Industrie und Digitalisierung: "Sonst werden uns diejenigen, die führend im digitalen Bereich sind, uns die industrielle Produktion wegnehmen"

Merkel fordert eine schnellere Verschmelzung von Industrie und Digitalisierung: "Sonst werden uns diejenigen, die führend im digitalen Bereich sind, uns die industrielle Produktion wegnehmen"

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Angela Merkel hat nach fast zehn Jahren im Kanzleramt ein Stadium erreicht, in dem sie im Zweifel eher nicht mehr diplomatisch ist. Zu spüren bekam das am Donnerstag die in Davos versammelte deutsche Wirtschaftselite. Bei der Digitalisierung, so Merkel, liege Deutschland gefährlich weit zurück. Die USA und einige asiatische Länder seien enteilt. Industrie und Digitalisierung, im Jargon "Industrie 4.0", müssten rasch verschmelzen. "Das müssen wir schnell bewerkstelligen, sonst werden uns diejenigen, die führend im digitalen Bereich sind, uns die industrielle Produktion wegnehmen."

So ähnlich hatte Merkel das schon bei einigen Gelegenheiten in Deutschland gesagt. In Davos, wo sich ein großer Teil der internationalen Wirtschaftselite ihrer eigenen Herrlichkeit versichert, hat das eine besondere Qualität: Merkel hat die deutschen Top-Manager vor einem Forum heruntergeputzt, das ihnen besonders wichtig ist: die versammelte internationale Mannschaft. Das war ein Rüffel zur rechten Zeit.

Deutsche Industrieunternehmen haben an beherzter digitaler Aktivität zugelegt, aber noch zu selten hat das Thema Top-Priorität. Das zeigt sich auch in Davos, selbst wenn das Indiz zugegebenermaßen einigermaßen weich ist: Die Podiums-Diskussionen auf dem Weltwirtschaftsforum sind auch immer eine Werbefläche für das Unternehmen des Diskussionsteilnehmerns, und für den Standort, von dem er kommt. Siemens (Kurswerte anzeigen)-Chef Joe Kaeser ist in Davos, BASF -Vormann Kurt Bock, ThyssenKrupp (Kurswerte anzeigen)-Lenker Heinrich Hiesinger, Audi-Chef Rupert Stadler, Commerzbank (Kurswerte anzeigen)-CEO Martin Blessing.

Fünfzehn Diskussionen gibt es zur Digitalisierung. Auf das Podium, um Werbung für die eigene Sache zu betreiben, die Diskussion mitzuprägen, den eigenen Standort anzupreisen, traute sich aber keiner. Einzig Anshu Jain, Co-Chef der Deutschen Bank (Kurswerte anzeigen), debattierte beherzt mit über das richtige Geschäftsmodell für globale Banken. Und der hat es nun gerade wirklich nicht besonders leicht.

Die deutschen Unternehmenslenker sollten also zweierlei tun: durchdringender digitalisieren und das dann auch kundtun, damit gar nicht erst der Verdacht aufkommt, Deutschland werde zu einer Dinosaurier-Volkswirtschaft. Wenn Angela Merkel sich schon zu einem solchen Weckruf genötigt sieht, ist es höchste Zeit.

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