Dienstag, 16. Juli 2019

Trump-Freund "National Enquirer" Zerstört Jeff Bezos den "Todesstern des Boulevards"?


Die US-Website "Daily Beast" nennt das Konstrukt den "Todesstern des Boulevards" - und bescheinigt ihm beachtliche Macht. Spätestens mit der Übernahme von "In Touch", "Life & Style" oder "Closer" im vergangenen Jahr beherrsche der Medienkonzern American Media Inc. (AMI) den US-Markt für Boulevard-Kitsch. AMI-Chef David Pecker steuere damit eine "Popkultur-Maschine", die seinen Freund Donald Trump "zuerst ins Weiße Haus katapultiert hat und nun durchaus helfen könnte, ihn dort zu halten."

David Pecker (Archivaufnahme, 2014)

Grundlage dieser These: Einerseits haben Pecker-Magazine wie der "National Enquirer" schon früh Stimmung für den Präsidentschaftskandidaten gemacht. Andererseits hat Pecker mitgeholfen, für Trump potenziell gefährliche Geschichten wie die Behauptungen eines einstigen Playboy-Models, eine Affäre mit dem heutigen Präsidenten gehabt zu haben, vor der Öffentlichkeit verborgen zu halten. "Catch and kill" heißt das Vorgehen in Boulevard-Kreisen, bei dem Verleger die Rechte an Geschichten aufkaufen, um sie dann bewusst nicht zu veröffentlichen.

Bezos' Vorwürfe, vom Pecker-Magazin "National Enquirer" erpresst worden zu sein, sind auch deshalb brandgefährlich für den Konzern, weil er sich aktuell eigentlich nichts zu Schulden kommen lassen darf: Seit einem Immunitäts-Deal mit dem US-Justizministerium, bei dem es unter anderem um die Zahlung von Schweigegeld an Pornodarstellerin Stormy Daniels geht, sind Pecker und AMI gewissermaßen auf Bewährung, Peckers Immunität ist gefährdet, sollten AMI und er einer Straftat überführt werden.

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Marketing-Professor Scott Galloway sieht AMI denn auch schon als lebenden Toten: Die ganze Situation erinnere an das Medienhaus "Gawker", das 2016 vom Wrestler Hulk Hogan gemeinsam mit dem Milliardär Peter Thiel in den Bankrott getrieben wurde.

Ohnehin befindet sich der "Todesstern" seit längerem im Sinkflug: Wie die Grafik von Statista zeigt, hat Peckers Flaggschiff "National Enquirer" in den vergangenen 20 Jahren etwa 90 Prozent seiner Auflage verloren. Insgesamt vermeldet AMI für alle seine Printprodukte zwar eine Auflage von 2,3 Millionen; das Haus sitzt aber auf einem Schuldenberg von 882 Millionen Dollar. Die Nachrichtenagentur AP berichtete bereits von Problemen, die dafür fälligen Zinsen zu begleichen, AMI selbst verkündete zuletzt, 460 Millionen davon mithilfe neuer Anleihen refinanziert zu haben.

luk

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