Montag, 17. Juni 2019

Gefährlicher Insel-Urlaub 5 neue Ibiza-Videos - schockierend und preisverdächtig

Heißer Anwärter auf die "Goldene Nichte": Ibiza-Urlauber Heinz-Christian Strache
Spiegel/Süddeutsche Zeitung/dpa
Heißer Anwärter auf die "Goldene Nichte": Ibiza-Urlauber Heinz-Christian Strache

Oh wundersame Welt des Bewegtbildes! Dass in Nigeria ("Nollywood") global die zweitmeisten Filme gedreht werden, ist schon verstörend genug. Und jetzt auch noch Ibiza. Seit Ösi-Gate ist die Partyinsel als Video-Standort unverzichtbar. Nicht umsonst haben sich Filmkreative wie Wim Wenders oder Doris Dörrie längst Beobachtungs-Fincas auf dem Eiland gesichert. Schon wird der Großangriff auf die Filmfestung Cannes geführt: Die "Goldene Palme" wirkt bald wie eine Bonsai-Ehrung im Vergleich zur Auszeichnung "Russische Nichte". Hier einige, natürlich heimlich gefilmte Bewerber-Streifen aus "Ibizawood":

Nur der HSV: Präsidiumsmitglieder des Nach-wie-vor-Zweitligaclubs arrangieren ein konspiratives Treffen mit dem Cousin von Reinhard Rauball. Der Verwandte des Ligapräsidenten lockt mit der Aussicht, die 1. Bundesliga auf 22 Vereine aufzustocken. Dann wäre der HSV dabei. Der bietet als Gegenleistung eine lebenslange Mitgliedschaft an. Was der Cousin allerdings als Drohung empfindet. Wieso überhaupt Cousin? Die Hamburger haben wieder einmal alles gründlich missverstanden. So hat das Video jedenfalls keine Chance im Wettbewerb. Jetzt soll ein neues Drehbuch her, diesmal mit einer Nichte.

Bayer ohne Feier: Abgesandte des Konzerns treffen sich unauffällig mit fünftausend Nichten von Klägeranwälten. Die Advokaten-Angehörigen avisieren, auf sämtliche Klagen gegen das Pflanzenschutzmittel Roundup verzichten zu wollen. Als Gegenleistung offeriert Bayer über ein Offshore-Konto großzügige Kanzleispenden. Die Nichten wollen lieber Karten für die Champions-League-Spiele von Bayer Leverkusen. Das ist den Deutschen zu heiß. Eine Ticketaffäre ist schließlich schon so manchem Topmanager zum Verhängnis geworden. Der Chefjurist, immer noch unter Schock ob der aufgetauchten schwarzen Monsanto-Listen, verweist auf schmutzige Zehennägel, die mitnichten ins Gesamtbild passten. Die Großlieferung von Champagner, Seebarsch-Carpaccio und Thunfischtartar wird schnell noch storniert. Kruder Plot des Bsoffene-Gschicht-Genres, aber künstlerisch wertvoll.

Artroprotesi: Madonna wird dabei gefilmt, wie sie nach ihrem missglückten ESC-Auftritt diskret eine Hüft-Operation in die Wege leitet. Die Nichte eines Moskauer Topchirurgen empfiehlt Titan, verspricht zudem eine Lösung für die mit einer Augenklappe offenkundig kaschierte Sehschwäche. Madonna will erst mit der AOK Rücksprache nehmen. Als sie darauf besteht, dass der Doktor nach dem Eingriff in eine Art Mafia-Zeugenschutzprogramm aufgenommen wird, damit ja nichts an die Öffentlichkeit dringe, verschwindet die Nichte behänd über die Terrasse. Promi, AOK, Mafia - alles drin, besser geht's kaum. Allerdings: etwas schwergängiger Titel.

Zwölf Punkte: Noch ein Beitrag zum Thema ESC geht ins Rennen um die "Russische Nichte". Damit Deutschland endlich aus seinem chronischen Punktetief herausfindet, treffen sich teutonische Sanges-Brother und -Sister mit der Nichte eines russischen Schummeloligarchen. Die will eine Software verkaufen ("Vote Device"), mit deren Hilfe Abstimmungen manipuliert werden können. Zeitgleich bietet ein tatarisches Nichten-Double die Vorrichtung allerdings auch Österreich, Moldau und Armenien an. Die Deutschen zögern, wollen ohne Ralph Siegel nichts entscheiden. Österreich bekommt derweil den Zuschlag. Skandale ums Liedgut ziehen eigentlich immer, nur der Schluss (Bitt' Sie: Österreich!!!) wirkt unglaubwürdig.

Wahl-O-Matkow: Europas Spitzenkandidat Manfred Weber, mit besten Aussichten, nächster EU-Kommissionschef zu werden, vereinbart ein Meeting mit der Nichte eines russischen Großhackers. Falls Weber zusage, im Falle seines Aufstiegs in Brüssel fünf Putinfreundliche Kommissare durchzusetzen, sei eine Wahlbeeinflussung ("Zack, zack, zack") kein Problem. Aktuelles Sujet, aber viel zu realistisch. Ginge vielleicht als Doku, auf Phoenix oder Arte.

Who's next? Einige Politprominente entziehen sich geschickt der Ibiza-Videotie. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier urlaubt bekanntermaßen mehrmals im Jahr in Südtirol, Kanzlerin Angela Merkel - ganz perfide - zieht den Langweiler La Gomera vor. Nichtengefährdet scheint einzig FDP-Chef Christian Lindner - seit seinem Urlaub mit neuer Freundin, über den das Boulevard gewohnt dezent ("Liebesgrüße von Ibiza") berichtete.

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