Mittwoch, 24. April 2019

Ex-Starbucks-Chef mit eigener Political Correctness Milliardär Howard Schultz will das Wort "Milliardär" ächten

Howard Schultz

Es könnte besser laufen für Howard Schultz' Plan, Präsident der Vereinigten Staaten zu werden. Die Medienresonanz ist zwar gewaltig, kommende Woche organisiert der Fernsehsender CNN sogar ein großes Townhall Meeting für den Milliardär.

Doch halt! Milliardär ist nicht die beste Referenz, um in der aktuellen Debatte um Ungleichheit zu punkten und den amtierenden Milliardär Donald Trump herauszufordern. Als "egoistisches Milliardärsarschloch" wurde Schultz während eines CNBC-Fernsehinterview aus dem Publikum beschimpft. Noch näher ging ihm aber anscheinend die Frage des Moderators, ob Milliardäre wie er nicht schon zu viel Einfluss in Amerika hätten.

"Der Rufname 'Milliardär' ist ein Schlagwort geworden", beklagte Howard Schultz (65). "Ich würde das umbenennen." Seine Vorschläge: "people of means", frei übersetzt also "begüterte Leute", oder "people of wealth", vermögende Leute.

Die Wortstruktur erinnert aber auch an die in den USA geläufige Formulierung "people of color" (farbige Leute) für Nicht-Weiße, das auch als "Volk" übersetzbare Wort "people" suggeriert, es handle sich bei den Superreichen um eine unterdrückte Minderheit. Brauchen wir politisch korrekte Sprache, um Menschen wie Schultz gegen Vorurteile zu schützen, eine Art Gender-Sternchen?

In den sozialen Medien ergießt sich nun eine wahre Spottwelle über Schultz. Der Schauspieler und Aktivist George Takei antwortete mit einem Wortspiel: aus "person of means" (begüterte Person) machte er schlicht "mean person" (fiese Person).

Der Ökonom Paul Krugman nahm ebenfalls einen doppelten Wortsinn auf. Reiche könnten sich vielleicht als "person of means" betrachten, mit "mean" im Sinn des statistischen Durchschnitts(-einkommens oder -vermögens), die typischen Amerikaner hingegen seien nur "persons of medians", also des deutlich niedrigeren Mittelwerts.

Kollege Dean Baker versuchte es mit brachialem Sarkasmus: Wenn ein neues Wort für Milliardäre gesucht sei, könne man sich vielleicht auf "Abschaum der Erde" einigen.

Zahllose neue Umschreibungen, freundliche wie gehässige, für Milliardäre sammeln sich im Netz. Die "Washington Post" hat 23 eigene Synonyme entworfen. Andere Journalisten treiben den Spott weiter, indem sie in Berichten über Milliardäre Selbstzensur spielen und das Wort Milliardär durch den Schultzismus "person of means" ersetzen.

Was dabei untergeht: Schultz hatte die Frage nach dem zu großen Einfluss von Milliardären sogar bejaht. "Begüterte Leute konnten ihren Wohlstand und ihre Interessen in unfairer Weise einsetzen, und ich denke, das sagt etwas aus über Ungleichheit, aber auch über die besondere Aufmerksamkeit, die Einfluss suchenden vermögenden Leuten und Konzernen gewährt wird."

Welche Ironie, dass seine PR-Tour genau dies nun unter Beweis stellt. Offiziell vermarktet er zunächst nur sein Buch mit dem Titel "From the Ground Up". Die Botschaft: Howard Schultz hat sich aus armen Verhältnissen hochgearbeitet und den American Dream verwirklicht, und er kann als Mann der Mitte das gespaltene Amerika wieder vereinen.

Nach drei Monaten will Schultz entscheiden, ob er tatsächlich antritt - unter der Voraussetzung, dass er eine realistische Chance hat. Derzeit sieht es nicht danach aus:

In Umfragen erreicht er Beliebtheitswerte von 4 Prozent bei einer Ablehnung von 40 Prozent (der Rest kennt ihn nicht oder hat keine Meinung). Selbst wenn die Frage mit einem überschwänglichen Lob von Schultz als "amerikanische Erfolgsstory" und "unabhängiger Problemlöser" eingeleitet wird, verbessert sich das Ergebnis kaum. Eine von ihm selbst bezahlte Umfrage attestiert ihm immerhin ein Wählerpotenzial von 17 Prozent - das wäre nicht genug, um eigene Wahlmännerstimmen zu gewinnen, würde aber wohl reichen, um den Demokraten genug Konkurrenz zu machen, damit Trump 2020 wiedergewählt wird.

Howard Schultz bekennt sich jedoch als lebenslanger Anhänger der Demokratischen Partei. Trump aus dem Amt zu jagen, nennt er als seine Hauptmotivation. Erst in zweiter Linie will er seinen Demokraten vermitteln, dass sie mit Forderungen wie einem Spitzensteuersatz von 75 Prozent zu weit nach links rückten. Doch auch diese Mission scheint nach hinten loszugehen.

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