Donnerstag, 27. Februar 2020

Hall of Fame der deutschen Forschung "Wann wollen Sie jemals einen Zentner davon verkaufen?"

Foto: manager magazin

Zu Anfang seiner Karriere musste Ludwig Pohl im eigenen Haus um Anerkennung kämpfen. Heute ist Merck dank seiner Forschungen Weltmarktführer eines Milliardenmarkts. Ein Video-Porträt des Pioniers der Flüssigkristalle.

Hamburg - Als Ludwig Pohl 1966 als Spezialist für Flüssigkristalle bei Merck Börsen-Chart zeigen in Darmstadt anheuert, weiß niemand so ganz genau, was aus seinen Forschungen werden soll. "Der Vertrieb erfand das Wort "überflüssige Kristalle"", erinnert sich der 82-Jährige heute, die Verkäufer hätten nicht gewusst, was sie mit seinen Entwicklungen anfangen sollten. Auch erste Produkte hätten nicht überzeugen können - in Armbanduhren habe man nur ein bis zwei Milligramm Flüssigkristalle verbauen können. Die Antwort war niederschmetternd: "Wann wollen Sie jemals einen Zentner davon verkaufen?"

Gut drei Jahrzehnte später stellte Pohls Errungenschaften niemand mehr infrage: Anfang der 2000er Jahre schwingt sich Merck beim Durchbruch von Bildschirmen mit Flüssigkristallen (LCDs) zum Weltmarktführer auf, heute setzt das Unternehmen jährlich mehr als eine Milliarde Euro mit den Substanzen um. Das manager magazin hat Pohl deshalb jüngst in die Hall of Fame der deutschen Forschung berufen - und widmet dem Pionier der Bildschirmtechnologien nun ein Video-Porträt. Er zieht gemeinsam mit einem der prominentesten Wissenschaftler des Jahres in die Ruhmeshalle ein - mit Chemie-Nobelpreisträger Stefan Hell.

Stefan Hell ist der zehnte Nobelpreisträger in der Hall of Fame. Neben ihm und Pohl gehören 14 herausragende Forscher und Entwickler der Ruhmeshalle an, darunter Manfred Eigen, der Nestor der deutschen Biotechnologie, Harald zur Hausen, der Entdecker eines Impfstoffes gegen Krebs, und Karlheinz Brandenburg, der Entwickler des Datenkompressionsverfahrens mp3.

Die Jury der Hall of Fame der Deutschen Forschung:

  • Andreas Barner (Sprecher der Geschäftsführung, Boehringer Ingelheim und Präsident des Stifterverbands für die deutsche Wissenschaft)
  • Klaus Engel (Vorstandsvorsitzender Evonik Industries)
  • Henning Kagermann (Präsident Acatech und ehemaliger Vorstandssprecher SAP)
  • Jürgen Kluge (Senior Advisor Merrill Lynch)
  • Peter Leibinger (Stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung, Trumpf GmbH)
  • Hermann Requardt (Vorstand Siemens AG)
  • Thomas Weber (Vorstand Daimler AG, Konzernforschung und Leitung Mercedes Benz Cars Entwicklung)

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