Mittwoch, 26. Juni 2019

Geld gegen harte Schnitte in Griechenland Weitere Milliarden für ein ausgebranntes Land

Gute Miene trotz Abfuhr: Auf einen Schuldenschnitt sollte Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras (2. v. rechts) nicht hoffen. Das machte nicht zuletzt Angela Merkel beim EU-Gipfel-Treffen am vergangenen Freitag im Kreis von Ungarns Regierungschef Viktor Orban (links) und Italiens Regierungschef Matteo Renzi (r.) klar.

Griechenlands Geldgeber machen für das ausgebrannte Land 2,8 Milliarden Euro frei. Dafür lässt Regierungschef Tsipras die Bevölkerung erneut zur Ader. Dabei haben Hunderttausende das Land bereits verlassen. Auf den erleichternden Schuldenschnitt kann Tsipras aber auch nicht zählen.

"Wir werden es schaffen", hatte am Sonntag Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras erklärt. Mit diesen Worten versprach der frisch wiedergewählte Chef der Regierungspartei Syriza, sein Land bis 2021 aus der Krise zu führen.

Wie Tsipras das anstellen will, bleibt wohl sein Geheimnis. Selbst wenn die Geldgeber dem Linkspolitiker als Zeichen des guten Willens für sein Ja zu neuen Sparrunden beim Schuldenabbau weiter entgegenkommen sollten - ein wirklich befreiender Schuldenschnitt ist mit der Bundesregierung und anderen Gläubigern nicht zu machen.

Die Situation für den Staatshaushalt und die Menschen in Griechenland bleibt dramatisch. Nach sieben Jahren wirtschaftlicher Schwindsucht ist die Krise mehr Dauerzustand als Übergangsphänomen in dem ausgebrannten Land. Die Staatsverschuldung hat sich in den vergangenen Jahren sogar noch erhöht, von 175,1 Prozent der Wirtschaftsleistung in 2013 auf zuletzt 179,2 Prozent im zweiten Quartal.

Arbeitslosigkeit sinkt kaum, Verschuldung steigt trotz Sparkurs

Die Arbeitslosigkeit ist mit durchschnittlich 25 Prozent in diesem Jahr gegenüber 2013 (27,5) nur marginal gesunken und immer noch die höchste in Europa. Knapp die Hälfte der jungen Menschen unter 25 Jahren ist arbeitslos und damit ohne Perspektive.

Wer als junger Grieche sein Land nicht verlässt, um im Ausland eine Arbeit zu finden, rückt mit der Familie zwangsläufig enger zusammen, um Kosten zu sparen. Doch der Beitrag, den die in Lohn und Brot stehenden Menschen und die Rentner in diesem Familienverbund leisten können, wird immer geringer: Löhne und auch Renten wurden in den vergangenen Jahren drastisch beschnitten.

Würde der Staat nicht fortwährend die Rentenkasse mit Finanzspritzen unterstützen, sie wäre längst zahlungsunfähig. Wie bedrohlich die Lage in Griechenland ist, zeigt unter anderem die Tatsache, dass Freischaffende und Unternehmen immer seltener Beiträge an die Rentenkasse abführen. Sie schulden ihr mittlerweile 17 Milliarden Euro, teilte die größte griechische Rentenkasse IKA laut griechischen Presseberichten vom Dienstag mit.

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