Milliardengeschäft Geldmarktfonds im Getriebe der Regulierer

Europas Banken sollen besser geregelt werden, findet die EU-Kommission. Und wirft dabei Geldmarktfonds mit Hedgefonds in einen Topf. Nicht nur das ist ein etwas eigenwilliges Vorgehen, findet Marc Saluzzi vom Luxemburger Fondsverband Alfi.
Von Arne Gottschalck
Zentrale der EU-Kommission in Brüssel: Die Regulierer knöpfen sich auch die Geldmarktfonds vor

Zentrale der EU-Kommission in Brüssel: Die Regulierer knöpfen sich auch die Geldmarktfonds vor

Foto: Olivier Hoslet/ dpa

mm: Herr Saluzzi, die EU-Kommission will Geldmarktfonds regulieren - eine gute Idee?

Saluzzi: Ich fürchte die Politiker und die Kommission in Brüssel haben vergessen, dass die Geldmarktfonds bereits reguliert sind, zum Beispiel durch die Ucits-Regulierungen. Sollte das Ziel sein, diese Regulierung zu verbessern - kein Problem. Aber Brüssel scheint Geldmarktfonds mit Bankkonten gleich zu setzen und beide gleich zu behandeln. Das ist tatsächlich nicht angemessen. Ein Fonds ist, im Gegensatz zu einem Bankkonto, ein spezielles Anlagevehikel, das sich über verschiedene Instrumente, Emittenten und Laufzeiten erstreckt und extrem liquide ist. Zusätzliche Liquiditätsanforderungen oder ein Kapitalpuffer von 3 Prozent der CNAV-Fonds sind da wirtschaftlich nicht machbar, weil es die derzeit die derzeit niedrigen Erträge der Fonds senken wird, ohne das Risiko eines Bankruns - sollte es denn einen geben - zu reduzieren.

mm: Woran liegt das - sind Politiker derzeit einfach auf Regulierungen fixiert?

Saluzzi: Ich glaube nicht, dass sie verstehen, was wir - die Fondsindustrie - macht. Ja, es gab einige Runs auf Geldmarktfonds während der Krise, aber das waren seltene Fälle und in den meisten Fällen von inkonsequenten Erklärungen der Politiker ausgelöst, die alle Bankguthaben garantierten.

mm: Und die Tatsache, dass die Finanzindustrie einen schlechten Ruf bei der Bevölkerung genießt? Immerhin sollen ja Schattenbanken reguliert warden - und das dürfte den Beifall der meisten Wähler finden.

Saluzzi: Das ist auch ein Aspekt, sicherlich. Aber noch einmal - die Fondsindustrie hat die Krise nicht versursacht noch hat sie sie verschärft. Sie begann ganz klar als Bankenkrise. Außerdem auferlegen die Ucits-Direktive und AIMFD unserer Industrie bereits signifikante und strikte regulatorische Anforderungen. In diesem Kontext finde ich es schwierig zu akzeptieren, dass ein regulierter europäischer Fonds in den Rahmen von Schattenbanken fallen soll. Aber es könnte in der Tat sein, dass die Finanzindustrie derzeit ein bevorzugtes Ziel von Regulierungen ist.

Wo Rauch ist - ist auch Feuer?

mm: Betroffen von dieser Regelung sollen nur Fonds sein, die einen steten Nettoinventarwert aufweisen, eine Luxemburger Spezialität. Kann sich Deutschland zurücklehnen - oder sehen Sie die Gefahr der "Infektion" dergestalt, dass Anleger das Reizwort "Regulierung" hören und sich zurückziehen? Frei nach dem Sprichwort, wo Rauch ist ist auch Feuer.

Saluzzi: Um ganz präzise zu sein, stehen sogar die zusätzlichen Liquiditäts- und Diversifikationsanforderungen für VNAV, Fonds mit variablem Wert, in der Kritik der französischen Assetmanagerindustrie. Aber Sie haben Recht, wenn Sie sagen, dass der Kapitalpuffer für CNAV der meistdebattierte Punkt ist. Klar, Frankreich, wo der Vertrieb dieses Produkts verboten ist, sieht eine Gelegenheit, diese Fonds (CNAV) loszuwerden. Aber von einem technischen Standpunkt gesehen haben CNAV eine Rolle zu spielen und kreieren kein zusätzliches Risiko für den Investor. Warum sonst würden kluge Anleger dieses Produkt dies- und jenseits des Atlantiks bevorzugen. Ich vertraue Deutschland, dass es diesen Aspekt behutsam prüfen und eine objektive Antwort finden wird.

mm: Und das sehen die Politiker nicht?

Saluzzi: Sie erkennen es langsam, doch ich vermute, es wird ein sehr langwieriger Prozess.

mm: Bei der Flut an Regulierungen - ist es nicht möglich, das ganze in ein einziges Buch zu pressen, das für Fonds, für Versicherungem, Pensionsfonds und so weiter gleichermaßen gilt?

Saluzzi: Das wäre wohl ein ziemlich dickes Buch. Allerdings würden wir als Fondsindustrie es lieben, wenn so ein Buch ein einheitliches Regelwerk für alle schaffen würde, für alle Finanzprodukte. So etwas gibt es derzeit nicht und als Ergebnis haben die europäisch regulierten Fonds einen klaren Wettbewerbsnachteil

mm: Viele davon warden derzeit nur an institutionelle Anleger verkauft; der Endkunde steht abseits.

Saluzzi: Ja, das Geschäft mit dem Privatanleger ist ziemlich schwierig. Immerhin, in einigen Ländern sehen wir eine behutsame Erholung, zum Beispiel in Italien. Das ist allerdings derzeit nur ein Punkt auf dem Radarschirm der Fondsmanagementindustrie.

Lernen von den Anderen

mm: Wie groß ist eigentlich die Wahrscheinlichkeit, dass die Telekom- und die Finanzkrise eine ganze Generation vom Anlagegedanken abgeschreckt hat?

Saluzzi: Nun, es ist klar, dass die aktuellen Finanzmärkte nicht gerade inspirierend für ein hohes Maß an Vertrauen des Endanlegers sind. Doch das ist insofern eine einzigartige Gelegenheit für Fondsmanager mit den richtigen Lösungen die Investoren davon zu überzeugen, wieder Geld anzulegen. Ich bin zuversichtlich, dass unsere Industrie das kann und denke deswegen nicht, dass wir auf eine "verlorene Generation" blicken.

mm: Was muss die Industrie dazu tun?

Saluzzi: Das ist eine komplexe Frage, aber es ist klar, dass sie mit einem neuen Wertvorschlag auftreten muss. Weniger, einfachere und kostengünstigere Fonds wären ein guter Beginn!

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