Samstag, 21. September 2019

Krisenwährung Fünf Fakten, die Sie noch nicht über Gold wussten

Barren der Bundesbank: Der Goldpreis taumelt

2. Teil: Fakt 5: Aus Müll Gold machen

Aus Unrat Gold zu machen: Ein erhabenes Verfahren
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Aus Unrat Gold zu machen: Ein erhabenes Verfahren

Es klingt nach der mittelalterlichen Tradition der Goldmacher. Windige Scharlatane zogen von Fürstenhof zu Fürstenhof - oder Königshof zu Königshof, je nach der eigenen Redegewandheit. Sie erklärten, mit dem Stein der Weisen unedle Metalle, Kupfer zum Beispiel, zu Gold machen zu können.

Bekanntlich hat das nie geklappt. Manchmal hatte das fatale Folgen für die selbsternannten Goldmacher, manchmal indes überraschende Nebenwirkungen. Immerhin hatte Johann Friedrich Böttger bei solchen Experimenten vor rund 300 Jahren erstmalig Porzellan - zumindest die europäische Variante des Porzellans - hergestellt. Nun will eine Schweizer Firma aus Müll Gold machen. Die Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) in Hinwil hat sich dieses Ziel gesetzt und nutzt dazu ein neues Verfahren.

Im Techniker-Sprech heißt es Trockenschlackungsaustrag. Normalerweise wird dem verbrannten Müll, der Schlacke, Wasser zugemischt. Bei dem neuen Verfahren bleibt die Schlacke trocken. Deswegen verklumpen die Reste nicht - und das Gold kann einfacher gewonnen werden. Die Schweizer wollen so aus 200.000 Tonnen Müll tatsächlich 80 Kilo Gold gewinnen.

Zwar gehört "Scrap-Gold", also das Müll-Edelmetall, ebenso zu den Treiber den Goldpreises wie die Minenausbeute. Aber eben nur in Phasen der hohen Preise. Denn erst dann lohnt sich der hohe Aufwand, das Gold beispielsweise aus technischen Geräten zu extrahieren. Entsprechend sinkt der Anteil, den diese Goldquelle für das Gesamtangebot ausmacht, derzeit in der Tendenz stetig, stellt das World Gold Council (WGC) in einer Erhebung fest. Es sei denn, ein neues und vor allem billigeres Verfahren ändert das.

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