Sonntag, 21. Juli 2019

Angriff auf Domain-Kontrolleur Paris fürchtet um gute Wein-Adressen im Netz

Leben wie Gott in Frankreich: Wein, hier abgebildet mit Präsident François Hollande, gehört zum Lebensgefühl der Franzosen.

Zum Schutz der heimischen Wirtschaft hat die französische Regierung gerade erst erfolgreich in den Siemens-GE-Alstom-Poker eingegriffen. Nun sieht Paris das nächste Wirtschaftsjuwel in Gefahr und attackiert den Internet-Domain-Verwalter Icann. Es geht um Frankreichs Weine.

Hamburg - Weil sie ihre Weinindustrie gefährdet sieht, fordert die französische Regierung eine grundlegenden Reform der Verwaltung von Internetadressen. Die Vergabepraxis von Icann, der kalifornischen Non-Profit-Organisation, die Internet-Adresssuffixe ausgibt, sei "total undurchsichtig", sagte Axelle Lemaire der Financial Times (FT). Frankreichs Ministerin für digitale Angelegenheiten fordert eine komplette Neuorganisation des Unternehmens.

Im Kern des Konflikts steht Frankreichs Weinindustrie. Icann möchte im Laufe des Jahres unter anderem die Top-Level-Domains ".wine" und ".vin" anbieten - Paris lehnt dies jedoch strikt ab. Die Franzosen befürchten, dass ausländische Unternehmen so in der EU geltende Gesetze zur Kontrolle von Herkunftsnamen umgehen könnten. Deutscher Schaumwein darf nicht als Champagner oder Cava verkauft werden - Internetadressen wie "champagner.wine" hebelten derartige Regelungen aus Pariser Sicht aber aus.

Um das zu verhindern, macht Frankreich nun mobil. In einem Brief an EU-Kommissionspräsident Manuel Barroso schreiben Lemaire und zwei weitere Minister, die Diskussionen um ".wine" gefährdeten die derzeit laufenden Gespräche zum TTIP-Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA. Auch innerhalb dieser Verhandlungen hatte sich Frankreich bereits für regionale Schutzmarken stark gemacht.

Gleichzeitig fordert Paris nun, Icann stärker zu kontrollieren. Lemaire sagte, die Organisation müsse unter internationales Recht gestellt und von einem internationalen Gremium kontrolliert werden. Erst im März dieses Jahres hatte die US-Regierung den Kaliforniern mehr Freiheiten eingeräumt - zuvor hatte die US-Handelskammer Icann kontrolliert.

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