Mittwoch, 19. Juni 2019

Krach im Kartell US-Schieferölschwemme spaltet Opec-Staaten

Ölförderung in Oklahoma: Teile der Opec fürchten neue Konkurrenz aus den USA

Treibt das Fracking-Öl aus den USA den Preis unter die Marke von 100 Dollar? Diese Frage stellt das mächtigste Kartell der Welt vor eine Zerreißprobe. Dabei könnte sich das Problem von ganz allein lösen. Die Zweifel am US-Ölboom werden lauter.

Hamburg - Friede, Freude, Eierkuchen: "Das Umfeld am Markt könnte besser nicht sein", sagte der saudische Ölminister Ali al-Naimi. Sein Amtskollege Abdelbari al-Arusi aus Libyen diktierte den Reportern: "Alles wird so sein wie zuvor. Wir werden die Förderquoten beibehalten." Auf dem heutigen heutigen Treffen der Organisation erdölexportierender Länder, kurz Opec, strahlten die Mitglieder eine seltene Einigkeit aus.

Doch hinter den Türen der unscheinbaren quadratischen Zentrale im ersten Bezirk Wiens dürfte es zwischen den zwölf Mitgliedsstaaten des mächtigen Kartells, das rund ein Viertel der weltweiten Ölproduktion kontrolliert, heftige Diskussionen gegeben haben. Der Grund: neue Konkurrenz. Ausgerechnet die USA, der wichtigste Kunde der Opec, fördert mit der von Umweltschützern kritisierten Fracking-Technologie so viel Öl wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr.

Ende vergangenen Jahres verzeichneten die Vereinigten Staaten mit 850.000 Fass pro Tag den höchsten Produktionsanstieg seit sie in den 1860er Jahren zum ersten Mal nach Öl bohrten. Zum Vergleich: Die beiden kleinsten Opec-Staaten Katar und Ecuador fördern zusammen insgesamt 850.000 Fass pro Tag. Insgesamt fördern die USA täglich mehr als sieben Millionen Fass.

Der US-Ölboom hat erheblichen Einfluss auf die weltweite Förderung des Rohstoffs, trifft jedoch die Opec-Staaten sehr unterschiedlich. "Für die westafrikanischen Länder ist das Fracking-Öl eine ernsthafte Gefahr", sagt Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst bei der Commerzbank.

Nigeria fürchtet US-Öl

So verkauften Nigeria, Algerien und Angola deutlich weniger Öl an die USA. Im vergangenen Jahr knickten die Exporte um 41 Prozent ein. Top-Produzent Saudi-Arabien konnte dagegen die Öl-Ausfuhren 2012 um 14 Prozent steigern. In Riad reagiert die saudische Regierung deswegen entspannt auf die Förder-Offensive der USA.

Besonders Staaten wie Nigeria, die leichtes und schwefelarmes Rohöl produzieren und damit in direkter Konkurrenz zum US-Schieferöl stehen, befürchten dagegen, aus dem wichtigen amerikanischen Markt herausgedrängt zu werden.

Schieferöl sei eine der "schwersten Bedrohungen für afrikanische Produzenten", sagte der nigerianische Ölminister Diezani Alison-Madueke. Schwere, schwefelhaltige Ölsorten, wie sie vor allem in den Raffinerien Asiens verarbeitet werden, sind weiterhin gefragt. "Die Schere innerhalb der Opec geht weiter auseinander", sagt Commerzbank-Analyst Weinberg.

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