Samstag, 19. Oktober 2019

US-Notenbank in der Zwickmühle Fed hält sich Zinswende im September offen

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Eine Zinserhöhung in den USA im September ist auch nach den jüngsten Börsenturbulenzen noch nicht vom Tisch. "Wir beobachten immer noch, wie sich das entwickelt", sagte der Vize-Präsident der US-Notenbank Fed, Stanley Fischer, am Freitag dem Fernsehsender "CNBC". Er würde daher nicht vorpreschen und jetzt entscheiden, ob eine Anhebung im September nun mehr zwingend oder weniger zwingend sei. "Es ist zu früh, das zu sagen", erläuterte der Notenbanker.

An den Finanzmärkten wurde nach den Aussagen wieder stärker auf einen raschen Zinsschritt spekuliert. Der Euro Börsen-Chart zeigen fiel am Freitag zeitweise unter die Marke von 1,12 Dollar, der Dow Jones Börsen-Chart zeigen schloss mit einem Minus von 0,1 Prozent bei 16.643 Punkten, nachdem er am Vortag steil nach oben gegangen war.

Die jüngsten Ausschläge an den Finanzmärkten würden den Zeitpunkt der Zinserhöhung aber beeinflussen, sagte Fischer dem Sender. Nach den Worten des Präsidenten der Fed-Filiale von St. Louis, James Bullard, könnten die Marktturbulenzen zu einer Verschiebung des Schritts nach September führen - auch wenn die US-Wirtschaft weiter in einer guten Verfassung sei. Der Nachrichtenagentur Reuters sagte er, er favorisiere immer noch eine Erhöhung im September. "Meine Präferenz wäre, und die Strategie gibt es, eher schneller vorzugehen aber dann schrittweise", er. Die Fed würde aber zögern, wenn die Märkte bis dahin schwankungsanfällig blieben. Sie könnte die Sätze zunächst einmal anheben und dann auf dem Zinsniveau abwarten, falls die Teuerungsrate zu niedrig bleibe, sagte Bullard.

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Die Fed berät am 16. und 17. September über die Leitzinsen in den USA, die schon seit Ende 2008 auf dem Rekordtief nahe null liegen. Notenbank-Chefin Janet Yellen hatte angekündigt, die Zinswende in diesem Jahr zu starten. Der genaue Zeitpunkt ist aber noch offen. Nach den Finanzmarktturbulenzen hatte der einflussreiche Fed-Präsident von New York, William Dudley, der als enger Verbündeter von Yellen gilt, eine Erhöhung im nächsten Monat als "weniger zwingend" bezeichnet.

Nach Einschätzung der Chefin der Fed-Filiale von Cleveland, Loretta Mester, könnte die US-Wirtschaft einen moderaten Zinsanstieg verkraften, wie sie dem "Wall Street Journal" sagte. Auf einen Schritt im September legte sie sich allerdings ebenfalls nicht fest. Sie wolle jetzt die Zeit bis zur Sitzung nutzen, um alle hereinkommenden Wirtschaftsdaten zu prüfen. Sie wolle zudem die Gründe für das jüngste Börsenbeben bewerten, sagte sie. Ihre grundlegende Erwartung sei weiterhin, "dass die US-Wirtschaft in solider Verfassung ist und das könnte einen Anstieg der Zinssätze unterstützen."

Der Fed-Chef von Atlanta, Dennis Lockhart, sagte dem Sender Fox Business News, dass die Notenbank jede der drei verbleibenden Sitzungen in diesem Jahr als möglichen Zeitpunkt für eine Zinserhöhung in Betracht ziehen sollte. Die Fed sollte sich alle Optionen offen lassen.

Es gibt aber auch Stimmen, die den richtigen Zeitpunkt längst noch für nicht gekommen sehen. Der Präsident der Fed von Minneapolis, Narayana Kocherlakota, bekräftigte am Freitag gegenüber dem Sender "CNBC" seine vorsichtige Haltung. Er sehe nicht, dass eine Zinsanhebung in nächster Zeit angemessen sei, wenn sich der Ausblick für die Wirtschaft nicht noch erheblich ändere, sagte er. "Und mit 'nächster Zeit' meine ich wirklich im Verlauf von 2015", fügte er hinzu. Kocherlakota hatte sich schon früher gegen einen raschen Zinsschritt ausgesprochen. Dem Sender Fox Business sagte er, seine Überlegungen gingen eher in Richtung zweite Jahreshälfte 2016.

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ts/Reuters

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