Montag, 22. Juli 2019

Umverteilung von Risiken EZB will Anleihekäufe nationalen Notenbanken überlassen

EZB-Zentrale in Frankfurt am Main: Haftungsrisiken für Deutschland ausschließen

Die EZB will die gegenseitige Haftung in der Eurozone bei dem erwarteten Aufkaufprogramm begrenzen. Einem Bericht zufolge sollen nationale Notenbanken die Käufe übernehmen - zudem ist eine Obergrenze geplant.

Hamburg - Das Aufkaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) für Staatsanleihen nimmt nach "Spiegel"-Informationen Gestalt an. Jüngsten Planungen zufolge sollen die nationalen Notenbanken nur Papiere des eigenen Landes kaufen und halten. EZB-Präsident Mario Draghi stellte Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) seine Überlegungen vergangenen Mittwoch in Berlin vor. Die Maßnahme soll verhindern, dass etwa Deutschland die Haftungsrisiken für andere Länder übernimmt.

Zusätzlich wollen die Frankfurter Währungshüter eine Obergrenze für die Aufkäufe einführen. Jede Notenbank darf dann nur eine Quote von maximal 20 Prozent oder 25 Prozent der ausstehenden Staatsschuld eines Landes vom Markt nehmen. Griechenland soll sich an dem Programm nicht beteiligen dürfen, weil seine Staatsanleihen die Qualitätsstandards für die Maßnahme nicht erfüllen.

Der Chef der niederländischen Notenbank, Klaas Knot, sprach sich im "Spiegel" dafür aus, die Durchführung des Programms den nationalen Währungsbehörden zu übertragen. "Würde jede Notenbank nur die Papiere des eigenen Staates erwerben, wäre die Gefahr geringer, dass es zu einer unerwünschten Umverteilung von Finanzrisiken kommt", sagte Knot.

"Wir müssen vermeiden, dass über die Hintertür der EZB-Bilanz Entscheidungen getroffen werden, die den demokratisch gewählten Politikern der Euroländer vorbehalten bleiben müssen." Würde das von Draghi vorgeschlagene Programm von den nationalen Notenbanken durchgeführt und für das Risiko der neu angekauften Papiere das jeweilige Land geradestehen, würde die EZB deutlich machen, dass es "ihr ausschließlich um Geldpolitik und nicht um Finanzpolitik geht", sagte Knot.

ts/Spiegel

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung