Freitag, 26. April 2019

Einigung bei Ökostrom-Reform Milliarden-Nachzahlungen für Industrie vom Tisch

Streit um Ökostrom-Reform mit Brüssel beigelegt: Das Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) kann wie geplant zum 1. August in Kraft treten

Die EU-Kommission gibt ihren Widerstand gegen die Reform der deutschen Ökostrom-Förderung auf. Drohende Milliarden-Nachzahlungen für die Industrie sind vom Tisch. Auch der Streit um Strom-Selbstversorger wurde gelöst.

Brüssel/Berlin - "Wir haben jetzt eine definitive, endgültige Einigung erreicht", EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia sagte am Mittwoch in Brüssel. Die Bundesregierung bestätigte das. "Wir haben uns in sehr konstruktiven Gesprächen in allen Punkten verständigt", sagte Wirtschaftsstaatssekretär Rainer Baake.

Damit dürfte die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) wie geplant zum 1. August in Kraft treten. Sie sieht Förderkürzungen und Beschränkungen für den Ausbau der Windkraft und bei Biogasanlagen vor. Eine Blockade des Bundesrates, der sich an diesem Freitag mit dem Gesetzespaket befasst, gilt als unwahrscheinlich.

Der Bundestag hatte bereits mit großer schwarz-roter Mehrheit zugestimmt. Mit der Reform sollen die Kosten für die Ökostromförderung, die Bürger und Wirtschaft über den Strompreis mitbezahlen, bis 2017 zumindest stabil gehalten werden.

Firmen müssen nur 30 Millionen Euro nachzahlen

Wie aus Regierungskreisen verlautete, führt der Kompromiss mit Brüssel für Unternehmen, die besonders viel Strom verbrauchen, zu Nachzahlungen von insgesamt nur 30 Millionen Euro für die Jahre 2013 und 2014. Davon sind 350 der über 2000 Firmen betroffen, die bisher bei der Ökostrom-Umlage begünstigt waren.

Die Nachzahlung von 30 Millionen soll in den Topf zur Finanzierung der Ökostrom-Umlage fließen. Im schlimmsten Fall hätte Brüssel bis zu zehn Milliarden Euro zurückfordern können. Das hätte zu "Masseninsolvenzen und Massenarbeitslosigkeit" geführt, hieß es in Regierungskreisen. Die Industrie erhält auch künftig pro Jahr Rabatte bei der EEG-Umlage von rund fünf Milliarden Euro.

Teil des Kompromisses mit der Kommission - den Brüssel am 23. Juli absegnen will - ist auch, dass importierter Strom nicht von der Ökostrom-Umlage befreit werden muss. Ab 2017 sollen jedoch 200 Megawatt an neuen Ökostrom-Projekten per Ausschreibung an ausländische Anbieter vergeben werden. Der Streit um das sogenannte Grünstromprivileg wurde gelöst, indem Deutschland 50 Millionen für ein EU-Infrastrukturprojekt beisteuert.

rei/dpa

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