Samstag, 20. Juli 2019

EEG-Umlage Jammern auf hohem Niveau

Kompliziertes System: Die Ökostrom-Zulage steigt, der Strompreis in vielen Fällen nicht

Zum Jahreswechsel steigt die Ökostrom-Umlage erneut - um einen knappen Cent. Doch die Chancen stehen gut, dass Unternehmen und Haushalte kaum etwas davon spüren werden. In den kommenden Jahren könnte es sogar Entlastung an der Stromfront geben.

Hamburg - Auf die Energiewende ist in der deutschen Wirtschaft kaum noch jemand gut zu sprechen. Hatten zunächst noch viele Manager und Unternehmer Verständnis, als Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei der Atomkraft den Stecker zog, dominiert inzwischen die Wut über hohe Preise, die vor allem aus dem teuren Boom der Solarenergie resultieren.

Nun steigt die Umlage für Ökostrom erneut, und es ist wenig überraschend, dass der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) das zum Anlass nimmt, erneut nach einer "radikalen" Reform zu rufen. "Bereits jetzt kostet die EEG-Umlage jeden Tag 56 Millionen Euro, davon trägt die Wirtschaft fast 30 Millionen Euro", sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Markus Kerber.

Trotz aller Aufregung wird die nun gestiegene Umlage die Stromverbraucher allerdings weit weniger kosten, als es auf den ersten Blick erscheint. Denn die Ökostromschwemme verteuert nicht nur die Umlage, sondern senkt gleichzeitig den Strompreis an der Börse.

Einige Anbieter könnten Preise sogar senken

In Zahlen: Die Ökostromumlage steigt 2014 um 0,96 Cent pro Kilowattstunde. Derweil sinken die Strom-Beschaffungskosten um 0,57 bis 1,97 Cent, wie das unter anderem für die vier Übertragungsnetzbetreiber tätige Beratungsunternehmen Energy Brainpool ermittelt hat. Die Beschaffungspreise für 2014 lassen sich relativ sicher eingrenzen, weil die Verträge in der Regel weit im Voraus geschlossen werden. Wie viel sich genau sparen lasse, hänge von der Einkaufstrategie ab. Als typischen Wert nennt das Beratungsunternehmen 0,63 Cent.

Aus diesem Grund dürfte die EEG-Umlage bei weitem nicht in voller Höhe an die Kunden weitergereicht werden. "Im Schnitt entstehen den Stromanbietern unterm Strich Zusatzbelastungen von gut 0,3 Cent pro Kilowattstunde", heißt es bei Energy Brainpool. Reichen sie diese an die Stromkunden weiter, steigt der Strompreis für Haushaltskunden von derzeit etwa 27,5 auf 27,8 Cent pro Kilowattstunde, also um 1,2 Prozent, das ist weniger als die Inflation.

Doch damit nicht genug. "Durch einen Wechsel in eine risikofreudigere Beschaffungsstrategie ließe sich der Anstieg der EEG-Umlage vollständig kompensieren. Dem Energieversorger könnte sich sogar Spielraum für Preisnachlässe eröffnen", heißt es bei Energy Brainpool. Versorger, die den Strom kurzfristig an der Börse kaufen, sparen besonders viel.

So weit die Theorie. In der Praxis zeichnet sich bereits ab, dass zumindest einige Anbieter den Strompreis trotz steigender EEG-Umlage im kommenden Jahr nicht erhöhen wollen.

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