Mittwoch, 13. November 2019

Studie errechnet 700 Milliarden Euro "Schaden" weltweit "US-Zollpolitik schädigt deutsche Autobauer erheblich"

Die deutschen Autobauer und nicht zuletzt die Zulieferer haben eine Menge zu verlieren durch den von US-Präsident Trump angezettelten Zollkrieg und die Sanktionen, heißt es in einer Studie
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Die deutschen Autobauer und nicht zuletzt die Zulieferer haben eine Menge zu verlieren durch den von US-Präsident Trump angezettelten Zollkrieg und die Sanktionen, heißt es in einer Studie

Die deutschen Autobauer und Autozulieferer sind massiven Anforderungen ausgesetzt, sie drohen in eine veritable Krise zu rutschen. Zum einen treibt die Politik durch schärfere Emissionsvorgaben die Hersteller vor sich her, zum anderen sinkt parallel weltweit die Nachfrage - insbesondere auf dem größten Automarkt China.

Als treibende Kraft und damit hauptverantwortlich für diese Negativentwicklung macht eine Studie keinen geringeren als den US-Präsidenten aus. "Donald Trump ist mit seinen Drohungen, Zollkriegen und Sanktionen gegen China, Iran, Russland einer der Hauptauslöser für den Einbruch im weltweiten Automarkt", heißt es in einer Studie des Center Automotive Research (CAR) der Uni Duisburg-Essen, die manager magazin vorliegt.

Studienautor und Experte Ferdinand Dudenhöffer hat hoch- und nachgerechnet: Der volkswirtschaftliche Schaden würde sich durch mehr als 35 Millionen weniger verkaufte Autos zwischen 2018 und 2024 bis zu 700 Milliarden Euro belaufen.

Gut vier Fünftel dieser "Verluste" würden in China anfallen, jener Markt, auf dem insbesondere die deutschen Autobauer stark engagiert und daher von Zöllen besonders betroffen sind: Entweder weil sie in China produzieren und Vorprodukte teurer importieren müssen oder weil sie den chinesischen Markt mit den vornehmlich in den USA produzierten und auch in China beliebten SUV beliefern.

Der weltweite Automarkt wuchs der Studie zufolge zwischen 2010 und 2017 im Jahresschnitt um 4,5 Prozent - gut zwei Drittel dieses Wachstums ging dabei auf China zurück. 2017 wurden weltweit 84,4 Millionen Autos verkauft. Mit dem einsetzenden Zollstreit und Sanktionen rutschten die Verkäufe kontinuierlich ab und dürften Ende 2019/Anfang 2020 mit 77,3 Millionen verkaufen Autos ihren Tiefpunkt erreichen. Danach sollten die Verkäufe laut Hochrechnung wieder ansteigen - auf bis zu 87,8 Millionen Autos im Jahr 2025.

Wachstum würde ohne Zollkrieg erheblich höher ausfallen

Um den Effekt der Trump-Politik herauszuarbeiten, hat das CAR-Institut hochgerechnet, wieviel Autos ohne Sanktionen und Zollkrieg vermutlich verkauft worden wären. Dudenhöffer unterstellt dabei konservativ ein weltweites Wachstum von lediglich 0,5 Prozentpunkten seit dem Peak der Verkäufe in 2017. Dabei räumt der Experte durchaus ein, dass sich auch ohne die Zollkriege das Wirtschaftswachstum verlangsamt und damit die Autoverkäufe in China verringert hätten. In früheren Prognosen seien Volkswirte aber von "einem deutlich höheren Wachstum wie hier unterstellt ausgegangen".


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Bei einem durchschnittlichen Neuwagen-Preis von 20.000 Euro und nicht verkauften 35 Millionen Fahrzeugen würde der hochgerechnete "Schaden" von rund 700 Milliarden Euro entstehen. Angesichts des hohen Wertschöpfungsanteils der Autozulieferer von etwa 60 Prozent würde allein die Zulieferindustrie davon 400 Milliarden Euro tragen.

Die enormen Sparanstrengungen der großen Zulieferer wie Continental, Bosch oder auch Schaeffler reflektieren diese Entwicklung bereits - zum Bespiel durch Stellenabbau und weltweite Fabrikschließungen.

Für Dudenhöffer steht fest: "Die USA schädigen daher indirekt die deutsche Autoindustrie in erheblichem Maße". Zusätzlich lägen Märkte wie Iran, die sich vielversprechend entwickelten, durch die "irrationale Sanktionspolitik" des US-Präsidenten am Boden.

Wie die deutschen Hersteller in China dastehen, erfahren Sie in unserem Podcast:

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