Donnerstag, 17. Oktober 2019

Militärparade am 4. Juli Trump lässt Panzer am Nationalfeiertag auffahren

US-Nationalfeiertag: Trump lässt Panzer in Washington auffahren
Thierry Chesnot/ Getty Images

Seit Jahren sehnt sich Donald Trump nach einer Militärparade. Jetzt erfüllt er sich diesen Traum selbst - ausgerechnet zum friedlichen, unpolitischen 4. Juli. Doch auch die Gegner sind in Stellung.

Es ist 28 Jahre her, dass zum letzten Mal Panzer durch Washington rollten. Am 8. Juni 1991 marschierten dazu Tausende Soldaten durch die US-Hauptstadt. Die Siegesparade zum Ende des Golfkriegs kostete damals zwölf Millionen Dollar und wurde als das kritisiert, was sie war: eine Wahlkampfshow für Präsident George Bush.

Donald Trump - der den Kriegsdienst vermied, doch Militärsymbolik liebt - sehnt sich nach einem ähnlichen Spektakel, seit er vor zwei Jahren der Parade zum französischen Nationalfeiertag beiwohnte. "Eine der großartigsten Paraden, die ich je gesehen habe", schwärmte er damals und kündigte an: "Das müssen wir übertreffen."

An diesem Donnerstag, dem US-Unabhängigkeitstag, erfüllt sich sein Traum endlich, zumindest im Ansatz: Erstmals stehen dann wieder Panzer an der National Mall, der Prachtmeile Washingtons, und erstmals wird ein US-Präsident zu diesem Feiertag eine Open-Air-Rede halten, während Kampfjets über die VIP-Gäste jagen.

"Es wird 'Ein Salut an Amerika' heißen", twitterte Trump schon im Februar ganz aufgeregt. "Großes Feuerwerk, Unterhaltung und eine Ansprache von eurem Lieblingspräsidenten, mir!" Da lachten viele noch über so viel Hybris. Längst aber ist ihnen das Lachen vergangen.

Denn eigentlich ist der Fourth of July ja ein Volksfest, unpolitisch und unmilitärisch sowieso: Amerika feiert seine Unabhängigkeit von der britischen Monarchie traditionell mit Hot Dogs, Picknicks und Feuerwerken. Doch Trump ist Trump: Er instrumentalisiert auch diese letzte Bastion friedfertiger Einheit für seinen Egotrip.

Washingtons Bürgermeisterin Muriel Bowser nennt seine Pläne eine "Verherrlichung von Militärmacht", der Stadtrat twitterte "nein danke", die Demokraten empören sich über die "Politisierung des Feiertags", und selbst das Pentagon äußerte hinter vorgehaltener Hand Bedenken, sich so für seine Agenda missbrauchen zu lassen.

Trotzdem gehorchten die Militärs den Befehlen des Weißen Hauses und gaben den armen Soldaten, die sie zu der Show abordneten, Merkzettel mit Tipps, was sie neugierigen Besuchern sagen sollten. Zum Beispiel: "Ich bin stolz auf meinen Job und meinen Panzer."

"Es wird unvergleichlich werden", kündigte Trump diese Woche an. "Wir stellen unglaubliche Ausrüstung aus." Als Beispiel nannte er "brandneue 'Sherman'-Panzer" - ein Panzertyp, der zuletzt im Koreakrieg im Einsatz war und seit 1957 außer Dienst ist. Doch das war Trump - der oft den "guten, alten Zeiten" hinterhertrauert - wohl nicht klar.

Seltener Anblick in Washington: Ein Panzer wird für die Feier gewaschen
Mark Wilson/ AFP
Seltener Anblick in Washington: Ein Panzer wird für die Feier gewaschen

Stattdessen warten nun zwei moderne "Abrams"-Panzer auf die Touristen an der National Mall. Die 62-Tonnen-Stahlmonster trafen am Dienstagabend aus einem Armeestützpunkt in Georgia ein, auf enormen Sattelschleppern, weil sie sonst womöglich den Asphalt zermalmt und die Arlington Memorial Bridge über den Potoimac River zerstört hätten. Allein der Transport soll fast 900.000 Dollar kosten, von möglichen Reparaturen der Straßen ganz zu schweigen.

Auch der Rest der Sause ist nicht billig: Marschmusik, eine abendliche Rede Trumps auf den Stufen des Lincoln Memorials, flankiert vom US-Generalstab, ein "flyover" des Marineschwadrons "Blue Angels" und einer der zwei Jumbojets, die als "Air Force One" dienen, wenn Trump an Bord ist. Dazu und für das Feuerwerk wird am Reagan National Airport für eineinhalb Stunden der Flugverkehr eingestellt.

Der National Park Service hat nach Informationen der "Washington Post" fast 2,5 Millionen Dollar abgezweigt, um das alles zu bezahlen - Gelder, die für die Instandhaltung der US-Nationalparks gedacht waren. Dies sei aber nur "ein Bruchteil" der Gesamtkosten, schreibt die "Post". Ein erster Versuch Trumps, Washington eine Militärparade aufzudrücken, scheiterte 2018 an der befürchteten Rechnung von 92 Millionen Dollar.

Rot, weiß und blau: Vorbereitungen für Trumps Rede am Lincoln Memorial
Jacquelyn Martin/ AP
Rot, weiß und blau: Vorbereitungen für Trumps Rede am Lincoln Memorial

Der finanzielle Aufwand, so Trump, "wird sehr gering sein im Vergleich dazu, was es wert ist". Damit meint er wohl auch die patriotische Erbauung, die er gerne mit der Erbauung an seiner Person gleichsetzt.

Denn längst ist klar, dass Trump den Anlass nutzen wird, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen und seine Basis und Mäzene für den Wahlkampf einzuschwören. Die Tribünen am Lincoln Memorial sind für Ehrengäste reserviert, handverlesen vom Weißen Haus und der Wahlkampfleitung. Die besten Plätze gehen an die großzügigsten Parteispender - mit Volksfest hat das wenig zu tun.

Damit stellt Trump zugleich sicher, dass er, wie auch bei seinen streng bewachten Wahlauftritten, weit entfernt bleibt von allen Andersdenkenden. Etwa von den Veteranengruppen, die während seiner Rede Protest-T-Shirts mit dem Konterfei des verstorbenen Kriegshelds John McCain verteilen wollen, den Trump hasst. Oder von den Aktivisten, die auf der Mall den "Trump-Baby-Ballon" aufblasen wollen, bekannt von den Demonstrationen in London.

Trump wird sie ignorieren oder wegdementieren, so wie er es auch mit seinen miesen Popularitätswerten tut. Stattdessen macht er den US-Nationalfeiertag so zu einem weiteren Beispiel seiner wachsenen Neigung, sich wie ein Sonnenkönig zelebrieren zu lassen - und damit Patriotismus und Nationalismus gefährlich zu vermischen.

Wobei ungewiss bleibt, ob der ganze Aufwand Trump wirklich hilft. George Bush, der 1991 von der Militärparade zu profitieren hoffte, verlor die Wiederwahl im Jahr darauf.

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