Freitag, 19. April 2019

Frauenquote für Aufsichtsräte "Ernsthafte Frauenförderung beginnt nicht im Aufsichtsrat"

Managerin: "Aufsichtsratsposten für Frauen zu fordern und davon auszugehen, dass die Damen dann schon irgendwie, irgendwo Vorstand werden, zeugt von Unkenntnis der Verhältnisse in deutschen Konzernen"

Mehr Frauen in die Aufsichtsräte, fordert Monika Schulz-Strelow. Eine naive Forderung, kontert Heiner Thorborg in seinem Disput mit der Fidar-Präsidentin. Ernsthafte Frauenförderung beginne nicht im Aufsichtsrat, sondern in der operativen Führung der Konzerne.

Man kann alles missverstehen, wenn man nur will und ausreichend emotional veranlagt ist. So lässt sich sogar ein symbolisches Bild von Frauen, die gerade die Glasdecke durchstoßen haben, als eines von "kopflosen Damen" interpretieren, so wie Frau Monika Schulz-Strelow es in ihrem Beitrag "Nicht so kopflos, Thorborg!" getan hat. So reagiert sie auf einen Kommentar von mir zur neuen Frauenquote für den Aufsichtsrat börsennotierter Gesellschaften.

Frau Schulz-Strelow ist offenbar so von ihrem Auftrag erfüllt, als Präsidentin der Organisation "Frauen in die Aufsichtsräte" (FidAR) möglichst viele Damen in höhere Ämter zu bugsieren, dass sie ein rationales Erklären der Fakten, die das neue Gesetz schafft, nur als "Nervosität alter Männer" wahrnehmen kann.

In Frau Schulz-Strelows Vorstellungwelt kann der Hinweis, dass das neue Gesetz nicht automatisch zu mehr Frauen mit operativer Führungsverantwortung führen wird, nur von einem Dinosaurier kommen, der Frauen bestenfalls im Umfeld von "Kinder, Küche, Kirche" sehen will, aber nicht in einem Kontrollorgan eines Unternehmens.

Mir Frauenfeindlichkeit zu unterstellen, statt mit Argumenten zu kontern, ist erstens inhaltlich wenig zielführend und zweitens nachweislich falsch. Ich beschäftige mich seit Jahren mit der Frage, wie die deutschen Führungsetagen weiblicher werden könnten. Mit dem Buch "Oben Ohne" (Econ, 2006), stelle ich im Interview mit rund 20 Führungsfrauen aus aller Welt dar, wie viel selbstverständlicher große Frauenkarrieren im Ausland gehandhabt werden, nicht zuletzt, um deutsche Frauen zu ermutigen, ähnliches zu wagen.

Viele Frauen auf dem Weg ins Top-Management unterstützt

Mit der Gründung von "Generation CEO" habe ich inzwischen 141 Frauen gezielt auf dem Weg ins Top-Management unterstützt. Ziel dieser Initiative ist, die Zahl der Top-Managerinnen in den Unternehmen zu erhöhen und das Bewusstsein in den Unternehmen für das ungenutzte Führungspotenzial der Frauen zu schärfen. Daher auch meine jüngste Initiative: Die Gründung von "The Female Factor", eine Beratung, die Unternehmen, die es ernst meinen mit weiblichen Führungskräften, mit weiblichem Talent aus aller Welt in Kontakt bringt. Meine Partnerin dabei ist übrigens eine junge Frau.

Ausgerechnet mir zu unterstellen, ich würde Frauen nicht mehr zutrauen als das Steuern ihrer eigenen Autos, ist daher entweder bewusste Ignoranz aller Fakten oder fehlgeleiteter Profilierungswunsch. Mit einer sachlichen Auseinandersetzung um die Frage, wie wir in Deutschland mehr Frauen in Entscheiderfunktionen bekommen, haben die Ausführungen von Frau Schulz-Strelow jedenfalls wenig zu tun. Argumente wären eleganter gewesen, aber auf die warten wir noch.

Inhaltlich bleibe ich dabei: je größer das Unternehmen, desto größer die Verantwortung seiner Aufsichtsräte. Da, wo das neue Gesetz greifen soll, im Dax Börsen-Chart zeigen und MDax Börsen-Chart zeigen , kann daher im Regelfall nur jemand Aufsichtsrat werden, der zuvor selber Vorstand oder Geschäftsführer eines großen Unternehmens war.

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