Von Albrecht bis Würth Wie die zehn reichsten Deutschen ihr Vermögen mehren

Auf der Liste der reichsten Deutschen, die manager magazin seit 2001 jedes Jahr erstellt, haben die Reimanns, Deutschlands unbekannteste Milliardärsfamilie, den BMW-Großaktionären Stefan Quandt und Susanne Klatten den ersten Rang abgelaufen. Auf Platz 3 rückt einer vor, dessen Firma jeder kennt, der sich aber ebenso wie die Reimanns am liebsten vor der Öffentlichkeit verbirgt. Lesen Sie in den folgenden Porträts, wie die Reichsten in Deutschland ihr Vermögen vermehren.
Platz 10: Familie Würth (im Bild Reinhold Würth), Würth-Gruppe, Künzelsau, Befestigungstechnik, Werkzeughandel, 9,2 Mrd. Euro (+ 0,2 Mrd.)

Platz 10: Familie Würth (im Bild Reinhold Würth), Würth-Gruppe, Künzelsau, Befestigungstechnik, Werkzeughandel, 9,2 Mrd. Euro (+ 0,2 Mrd.)

Foto: Matthias Balk/ picture alliance / dpa

Den Begriff "Schraubenkönig", möge er auch noch so zutreffend sein, mag Reinhold Würth gar nicht. Dabei hat er doch in fünf Jahrzehnten aus dem beschaulichen Künzelsau ein Handelsimperium rund um die kleinen (und natürlich auch großen) Festmacher zusammengenietet, das seinesgleichen sucht. Rund 12 Milliarden Euro Umsatz wurden zuletzt registriert. Nun gut, ernennen wir den 82-Jährigen eben zum Schraubenkaiser.

In einem so vorgerückten Alter weitet sich natürlich der Horizont, das Geschäft läuft ja auch so aufs Vortrefflichste (obwohl Würth das natürlich auch immer wieder anders sieht und seinen mehr als 71000 Mitarbeitern dann auch unüberhörbar kundtut). Man kann sich also, echten Monarchen gleich, mehr um die schönen Dinge im Leben kümmern. Er hat sich mehrere Flugzeuge gekauft. Fertig. Dann hat Würth Kunst gesammelt - über 17000 Werke sollen es sein. Fertig. Als ihm der Keller überquoll, hat er dafür ein Museum gebaut. Auch fertig. Einen festen Platz im manager magazin Sonderheft "Die 1001 reichsten Deutschen" hat Würth ohnehin.

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Top 10: Die reichsten Deutschen

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Und dann? Mal überlegen: Musik ist ja auch sehr, sehr schön. Also hat er seiner Gattin Carmen ein Konzerthaus errichtet (gleich neben der Firma, versteht sich) und zum 80. Geburtstag vor einigen Monaten präsentiert. Gebaut hat es Stararchitekt David Chipperfield. Das Eröffnungskonzert seiner Philharmoniker dirigierte Stardirigent Kent Nagano. Und damit auch der Massengeschmack auf seine Kosten kam, trat auch noch Superstar Sting auf. Richtig rocken kann er also auch noch, der Kaiser: A-one, a-two...

Heinz Hermann Thiele: Blick nach vorn und Vollgas

Platz 9: Heinz Hermann Thiele (Bild) , Knorr-Bremse, München; Vossloh, Werdohl, Autozulieferer, Bahntechnik; 9,6 Mrd. Euro (+0,1 Mrd.)

Platz 9: Heinz Hermann Thiele (Bild) , Knorr-Bremse, München; Vossloh, Werdohl, Autozulieferer, Bahntechnik; 9,6 Mrd. Euro (+0,1 Mrd.)

Foto: Knorr-Bremse

Unverzagt macht Heinz Hermann Thiele (76) damit weiter, was er immer gemacht hat: Blick nach vorn und Vollgas. Über Hindernisse, die weniger robuste Geister verzagen ließen, braust er ungebremst hinweg. So kommt man schneller ans Ziel, jedenfalls dann, wenn man sich um Kollateralschäden nicht schert. Aber zuletzt kam Thiele mit seiner Methode nicht immer durch. Erst lieferte er sich einen erbitterten Bieterkampf mit dem Autozulieferer ZF Friedrichshafen um den schwedischen Konkurrenten Haldex - und ging am Ende doch leer aus. Auch die Sanierung des Bahntechnikkonzerns Vossloh, bei dem Thiele eingestiegen ist, erweist sich als mühsam.

Mit seiner Methode, das sei eingestanden, hat Thiele Großes geschaffen. Seit er die marode Bremsenfirma Knorr 1985 übernahm (fast komplett auf Pump, übrigens), trieb er den Umsatz von 254 Millionen Euro auf 5,5 Milliarden Euro. Seine Technik sorgt dafür, gewaltige Massen wie Lkw oder Züge verlässlich zu stoppen.

Stoppen musste Thiele allerdings seinen Plan, sein Lebenswerk in die Hände seines Sohnes Henrik (49) zu legen. Erst verließ der Kronprinz im Sommer 2015 Knall auf Fall den Knorr-Konzern, weil er mit dem Vater, der pro forma nur noch den Aufsichtsrat ehrenhalber führt, aneinandergeraten war. Nun folgte die Scheidung: Der Filius hat seine 36,6 Prozent an Knorr-Bremse an den Vater zurückgegeben.

Um die Kasse zu füllen und auch in Zukunft auf der Überholspur brettern zu können, will Thiele nun Teile seines Konzerns an die Börse bringen. Auch das dürfte, wie eigentlich immer bei Thiele, spannend werden.

Klaus-Michael Kühne: Investments auch in irrationale Branchen

Platz 8: Klaus-Michael Kühne; Kühne + Nagel, Schweiz; Hapag-Lloyd, Hamburg; Logistik, Schifffahrt; 11 Mrd. Euro (+ 1,6 Mrd.)

Platz 8: Klaus-Michael Kühne; Kühne + Nagel, Schweiz; Hapag-Lloyd, Hamburg; Logistik, Schifffahrt; 11 Mrd. Euro (+ 1,6 Mrd.)

Foto: DPA

Eine Leckage dürfte Klaus-Michael Kühne (80) kürzlich sehr geärgert haben. Weil irgendwo irgendwie Wasser auslief in seinem brandneuen Luxushotel "The Fontenay" am Alsterufer zu Hamburg und rund 1000 Quadratmeter Fliesen und Estrich ruinierte, musste Kühne die Eröffnung seines Traums erneut verschieben: Mitte Dezember soll es nun endlich so weit sein.

Zukünftige Gäste der gläsernen Edelherberge dürfen sich an jeder Ecke der persönlichen Aufmerksamkeit des Bauherrn sicher sein. Denn der Milliardär, so hat er selbst eingestanden, hat auch zu kleinsten Details - Stichwort: Geschirr - seine Meinung klar und deutlich kundgetan, was seine Angestellten zweifelsohne nicht immer erfreut haben dürfte. Aber: Wer bezahlt das hier alles? Genau.

Ansonsten gehört der Logistiker Kühne zu den wenigen Milliardären, die auch in irrationale Branchen investieren - anders ist sein Engagement beim siechen Fußballclub Hamburger SV nicht zu erklären. Seit Jahren pumpt er Millionen in den Verein. Aber außer drei haarscharf abgewendeten Abstiegen ist wenig dabei herausgesprungen. Als er kürzlich sagte, nun sei aber Schluss, brach beim HSV-Management der Angstschweiß aus. Ob er es auch so gemeint hat? Man wird sehen. Denn im Fußballgeschäft zählt auch die emotionale Rendite, und die kann nach einem einzigen Sieg schon wieder ganz anders aussehen.

Leisten kann sich Kühne seine Hobbies allemal. Sein Konzern Kühne + Nagel läuft so gut, dass sich der knorrige Patriarch sorgenfrei auch noch diversen anderen Unternehmungen widmen kann. Der Marktwert hat 19 Milliarden Euro erklommen, das ist gut 20 Prozent mehr als vor einem Jahr. Kühne nennt etwas mehr als die Hälfte der Aktien sein Eigen.

Familie Otto: Ob's am Ende zum Überleben reicht?

Platz 7: Familie Otto (im Bild Michael Otto); Otto Versand, ECE, Hamburg; Paramount, USA; Park Property, Kanada; Versandhandel, Logistik, Immobilien; 13 Mrd. Euro (+ 1 Mrd.)

Platz 7: Familie Otto (im Bild Michael Otto); Otto Versand, ECE, Hamburg; Paramount, USA; Park Property, Kanada; Versandhandel, Logistik, Immobilien; 13 Mrd. Euro (+ 1 Mrd.)

Foto: Otto

Bei den Ottos aus Hamburg dürfte sich die Stimmung zuletzt aufgehellt haben - aus zwei Gründen. Nach zwei Horror-Geschäftsjahren mit knackigen Verlusten schreibt man endlich wieder schwarze Zahlen. Kleine zwar, aber das ist allemal besser als Verluste im dreistelligen Millionenbereich. Und, Grund Nummer zwei, die entscheidenden Personen scheinen nach einigem Hin-und-Her in ihre neuen Rollen gefunden zu haben.

Der Plan von Familienoberhaupt Michael Otto (74), seinen Sohn Benjamin (42) als Nachfolger zu installieren, war bekanntlich nicht aufgegangen. Der Junior tat kund, den Chefjob der Otto Group nicht übernehmen zu wollen. Also ward mehr oder weniger hektisch umgedacht, was in einer neuen Familienaufstellung mündete: Michael brachte seine Mehrheit an der Otto Group in eine Stiftung ein. So was dämmt Familienzank ein, der den Laden lahmlegen könnte. Sohn Benjamin hingegen will fortan als gestaltender Gesellschafter vom Aufsichtsrat aus das Familienerbe weiterentwickeln. Das besteht aus mehr als 120 Unternehmen, darunter neben dem traditionellen Versandhandel den Paketdienst Hermes, die Filialisten SportScheck, MyToys oder Crate & Barrel in den USA sowie dem Einkaufszentren-Betreiber ECE.

Und Weiterentwicklung tut not angesichts der Macht des Onlinehändlers Amazon, der alles hinwegfegt, was sich ihm in den Weg stellt. Man wähnt sich in Hamburg aber auch gutem Weg: Mehr als die Hälfte des Umsatzes von 12,5 Milliarden Euro kommt bereits online herein, und dort wächst man weiterhin kräftig. Ob's am Ende zum Überleben reicht? Man wird sehen.

Familien Theo Albrecht Jr. und Babette Albrecht: Alte Ordnung aufgelöst

Platz 6: Familien Theo Albrecht Jr. und Babette Albrecht (Bild); Aldi Nord, Essen; Einzelhandel, Immobilien; 18 Mrd. Euro (+ 0,8 Mrd.)

Platz 6: Familien Theo Albrecht Jr. und Babette Albrecht (Bild); Aldi Nord, Essen; Einzelhandel, Immobilien; 18 Mrd. Euro (+ 0,8 Mrd.)

Foto: Rolf Vennenbernd/ picture alliance / dpa

Jahrzehntelang war das Discountimperium der Albrechts ähnlich abgeschottet wie Nordkorea. Über Eigner, Umsätze und Gewinne ließ sich trefflich orakeln, denn nichts Genaues wusste man nicht. Nur dass die Brüder Theo und Karl Albrecht die Gründer von Aldi waren und sie sehr, sehr vermögend sein mussten, das war einigermaßen klar. Aber wie, zum Beispiel, sahen die Herren aus? Niemand wusste es. Die Handelsherrscher, die ihr Reich früh in Aldi Nord und Aldi Süd aufgeteilt hatten, zogen es vor, Phantome zu bleiben. Das gelang ihnen und ihren Familien bis zu ihrem Lebensende vortrefflich: Theo verschied 2010, Karl 2014.

Die Nordseite, Theos Lebenswerk, hatte also eigentlich reichlich Zeit bisher, ihre Angelegenheiten neu zu ordnen. Eine Weile lang blieb alles 2012 auch noch Theos Sohn Berthold starb, gab's ein Halten mehr. Wie das beim Erben eben oft ist: Kaum ist der Alte tot, löst sich auch die alte Ordnung auf. Nun poppen die Indiskretionen aus dem Nord-Reich heraus wie das Popcorn aus der heißen Pfanne.

Als die, die den Deckel angehoben hat, verdächtigen diejenigen Albrechts, die lieber alles so verschwiegen gelassen hätten wie gehabt, Babette Albrecht (57), Bertholds Witwe. Die Eingeheiratete kämpft in Namen ihrer fünf Kinder um Einfluss in den Stiftungen, die die wahre Macht bei Aldi haben, das Sagen hat. Zwecks Verteidigung gegen die wildgewordene Witwe brach Theo Albrecht junior gar mit einem Tabu und gab tatsächlich ein Interview - um seine Schwägerin zu beschimpfen.

All das lenkt bei Aldi Nord davon ab, dass man in den vergangenen Jahren immer weiter hinter die Konkurrenz von Lidl zurückgefallen ist und dringend aufholen muss, wenn man im Reichen-Ranking nicht noch weiter nach hinten durchgereicht werden möchte. Immerhin hat sich die Nordsippe kürzlich mal zusammengerauft: Damit der Rückstand zu Süd-Stamm und zum Großkonkurrent Lidl nicht noch größer wird, werden nun 5,2 Milliarden Euro in die Modernisierung der Filialen investiert. Das ist doch auch mal ein Wort.

Familien Albrecht und Heister: Gelassener Blick auf die Nord-Familie

Platz 5: Familien Albrecht und Heister; Aldi Süd, Mülheim/Ruhr; Einzelhandel, Immobilien; 21,5 Mrd. Euro (+ 1,5 Mrd.)

Platz 5: Familien Albrecht und Heister; Aldi Süd, Mülheim/Ruhr; Einzelhandel, Immobilien; 21,5 Mrd. Euro (+ 1,5 Mrd.)

Foto: Christopher Furlong/ Getty Images

Der Aldi-Stamm, der in Mülheim an der Ruhr zuhause ist und den südlichen Teil des Handelsimperiums betreibt, kann sich das wilde Treiben der Nord-Familie gelassen anschauen. Man war schon immer etwas fixer und moderner als die Nordler, und das hat sich auch nach dem Tod von Patriarch Karl Albrecht 2014 nicht geändert

Mit dem Erledigen der strategischen Hausaufgaben hat die Sippe unter Führung von Karl Albrechts Schwiegersohn Peter Heister (70) frühzeitig begonnen - oft in Reaktion auf den so äußerst findigen Wettbewerber Lidl, aber meist ruckzuck. Markenprodukte in die Regale, raus mit Billigheimer-Image und Palettencharme, und dank der Backstationen riecht es in vielen Filialen (fast) so lecker wie in einer Bäckerei. Letzteres führte zwar zu einem jahrelangen Kampf mit dem stolzen Bäckerhandwerk. Aber unterdessen liefen die Brotbräunungskisten ja weiter heiß, lockten Kunden an und brachten Umsatz.

Und wenn auch noch das Auslandsgeschäft in den USA (wo Lidl gerade erst gestartet ist), Großbritannien oder Australien läuft wie geschnitten Brot, können sich die Albrechts und Heisters einstweilen recht entspannt zurücklehnen. Ein Platz unter Deutschlands fünf reichsten Familien ist ihnen auf Jahre hinaus sicher.

Georg und Maria-Elisabeth Schaeffler: Noch keine überzeugenden Antworten

Platz 3: Georg und Maria-Elisabeth Schaeffler; INA-Holding Schaeffler, Herzogenaurach; Continental, Hannover; Maschinenbau, Autozulieferer; 22 Mrd. Euro (+ 0,5 Mrd.)

Platz 3: Georg und Maria-Elisabeth Schaeffler; INA-Holding Schaeffler, Herzogenaurach; Continental, Hannover; Maschinenbau, Autozulieferer; 22 Mrd. Euro (+ 0,5 Mrd.)

Foto: picture alliance / Sven Simon

Über den Schaefflers aus Herzogenaurach hängt, seit die ganze Autowelt nur noch vom Ende des Verbrennungsmotors fabuliert, eine dunkle Gewitterwolke. Denn die Hälfte des Umsatzes ihrer Familienfirma hängt von den brummenden und röhrenden Feuermaschinen ab, die auf vier oder mehr Rädern durch die Welt knattern, leider dabei aber recht unangenehme Abgase auspusten. Wie man beim Elektrifizieren geschäftlich vorn dabei sein kann, darüber brüten sie in Franken nun heftigst - ohne allerdings bislang überzeugende Antworten gefunden zu haben.

Dass sich Georg (52) und Maria-Elisabeth Schaeffler (76) trotzdem auch in diesem Jahr auf dem Papier über einen Vermögenszuwachs freuen dürfen, liegt ausgerechnet an Continental. Die versuchte Übernahme des Reifen- und Autoteilekonzerns unmittelbar vor der Finanzkrise anno 2008 hätte Mutter und Sohn schließlich beinahe bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag ruiniert. Aber nun ist das Schlimmste ausgestanden und die Schulden sind auf ein erträgliches Maß reduziert (auch dank eines Teil-Börsengangs ihrer Schaeffler AG). Und wenn die Conti-Aktie auch noch so schön steigt wie zuletzt (+17 Prozent im Jahresvergleich), ist es eine wahre Freude, wenn man 46 Prozent an einem solchen Konzern besitzt. Denn Reifen brauchen ja auch all die Elektroautos, die den Visionären zufolge die Verbrenner in Bälde ablösen werden.

Besonders schön ist das für den Filius. Der Jurist, der sich jahrelang in Texas verborgen hielt, ehe ihn die Mutter heim nach Herzogenaurach kommandierte, hält 80 Prozent an der gemeinsamen Holding, Maria-Elisabeth den Rest. Korrekt heißt Georg übrigens Georg Friedrich Wilhelm Schaeffler, trägt also immer die Namen mehrerer deutscher Kaiser mit sich herum. Manche dieser Herrscher wirkten recht glorreich, manche bekanntlich weniger.

Dieter Schwarz: Nicht so leicht zu verschrecken

Platz 3: Dieter Schwarz: Lidl, Kaufland, Neckarsulm; Einzelhandel, Immobilien; 22 Mrd. Euro (+ 3 Mrd.)

Platz 3: Dieter Schwarz: Lidl, Kaufland, Neckarsulm; Einzelhandel, Immobilien; 22 Mrd. Euro (+ 3 Mrd.)

Foto: Jeff J Mitchell/ Getty Images

100.000.000.000 Euro: Auf diesen Gipfel soll spätestens nächstes Jahr der Umsatz des Discountimperiums Lidl/Kaufland steigen. 100 Milliarden! Ziemlich atemberaubend für eine Unternehmung, die Dieter Schwarz (78) anno 1973 mit einem einzigen Laden im beschaulichen Ludwigshafen begann.

Andere hatten bekanntlich dieselbe Idee, die Kunden in kargen, mit Paletten statt Regalen bestückten Läden ihre Ware selbst zusammenraffen zu lassen und dafür beim Preis anderthalb Augen zuzudrücken. So richtig messen konnte sich Schwarz dann irgendwann nur noch mit den Aldi-Albrechts. Die hatten sich, um den innerfamiliären Frieden zu wahren, in zwei Imperien aufgespalten, was sicherlich mit ein Grund dafür ist, dass Dynamiker Schwarz die Krämerkollegen aus dem Ruhrgebiet zuletzt mehr und mehr abhängen konnte.

Auch die 100 Umsatz-Milliarden sollen übrigens nur eine Etappe sein. Seit wenigen Monaten hat Lidl begonnen, sich auch in den USA breit zu machen, dem größten, aber auch umkämpftesten Markt für Einzelhändler. Kämpfen können Schwarz und sein Stattalter Klaus Gehrig (69), sie sind nicht so leicht zu verschrecken und haben frohgemut in die ersten zehn Lidl-Filialen in Virginia, North Carolin und South Carolina aufgesperrt. Binnen Jahresfrist sollen es entlang der Ostküste schon 100 sein. Aldi Süd ist seit 1976 in den USA, wird sich aber trotz mehr als 1500 Filialen warm anziehen müssen, ebenso wie die Lokalgrößen Walmart oder Kroger.

Zuhause in Heilbronn sorgt der extrem öffentlichkeitsscheue Schwarz derweil dafür, dass sein Heimatort endlich Universitätsstadt wird. Das ist nicht nur löblich, denn es gibt ja nichts wichtigeres als Bildung, Bildung, Bildung. Es nährt auch die Hoffnung, dass er sich zur Eröffnung vielleicht mal fotografieren lässt, so dass die Öffentlichkeit endlich mal ein Bild von dem Mann bekommt, der als einer der größten deutschen Unternehmer der Nachkriegszeit gelten darf.

Stefan Quandt und Susanne Klatten: Extrem vielfältig aufgestellt

Platz 2 : Stefan Quandt und Susanne Klatten (Bild); BMW, München; Altana, Wesel; Delton, Bad Homburg; SGL Carbon, Wiesbaden; Auto, Beteiligungen; 31,5 Mrd. Euro (+ 1,5 Mrd.)

Platz 2 : Stefan Quandt und Susanne Klatten (Bild); BMW, München; Altana, Wesel; Delton, Bad Homburg; SGL Carbon, Wiesbaden; Auto, Beteiligungen; 31,5 Mrd. Euro (+ 1,5 Mrd.)

Foto: Kay Nietfeld/ picture alliance / dpa

Karbon, Chips, Chemie, Logistik, Windkraft und noch so manches andere: Die Branchen, in denen die Geschwister Stefan Quandt (51) und Susanne Klatten (55) ihr Vermögen arbeiten lassen und ließen, ist so vielfältig wie bei kaum einer anderen Milliardärsfamilie hierzulande. Das erzeugt natürlich neben Gewinnen auch immer mal wieder Sorgen, bei Susanne Klatten waren die zuletzt besonders bei SGL Carbon besonders groß. Aber man trennt sich eben auch, wenn es aussichtslos erscheint oder man einen guten Preis bekommt, so wie Klatten beim Windanlagenbauer Nordex oder Quandt bei der Privatbank BHF.

Alles in den Schatten stellt im geschwisterlichen Portfolio ohnehin die 47%-Beteiligung an BMW. Der verdankt man auch vor allem den Vermögenszuwachs von 1,5 Milliarden Euro über die vergangenen zwölf Monaten. Denn trotz Dieselkrise, Kartellverdacht und Bedrohung durch die Elektromobilität liegt die BMW-Aktie im Jahresvergleich fast 17% im Plus. Und es gibt ja auch noch eine Dividende für treue Aktionäre: An die Geschwister schüttete der bayerische Autokonzern für 2016 sage und schreibe 1.076.000.000 Euro aus. Brutto, natürlich. Trotzdem lässt sich damit sicher was anfangen.

Den Grundstock des quandt'schen Milliardenvermögens erwirtschafteten ihre einst aus den Niederlanden nach Brandenburg eingewanderten Vorfahren als Tuchweber. Nach Episoden unappetitlicher Paktiererei mit den Nationalsozialisten mehrten die Brüder Herbert (1910 bis 1982) und Harald (1921 bis 1967) in der aufstrebenden Bundesrepublik das Familienvermögen auf schwindelerregende Weise. Herbert Quandts vielleicht riskanteste Investition war 1960 der Einstieg beim damals todgeweihten Autobauer BMW. Der hat sich für seine Nachfahren wahrhaft gelohnt.

Familie Reimann: Ein Deal-Flow wie ein reißender Strom

Platz 1: Familie Reimann; JAB Holding (im Bild Holdingchef Peter Harf), Luxemburg; Coty, USA; Reckitt Benckiser, Großbritannien; Jacobs Douwe Egberts, Niederlande; Reinigungsmittel, Kosmetik, Kaffee; 33 Mrd. Euro (+ 4 Mrd.)

Platz 1: Familie Reimann; JAB Holding (im Bild Holdingchef Peter Harf), Luxemburg; Coty, USA; Reckitt Benckiser, Großbritannien; Jacobs Douwe Egberts, Niederlande; Reinigungsmittel, Kosmetik, Kaffee; 33 Mrd. Euro (+ 4 Mrd.)

Foto: © Thierry Roge / Reuters/ REUTERS

Die Reimanns, die neuen Spitzenreiter unter den reichsten Deutschen, liefern regelmäßig Zahlen ab, bei denen selbst ganz normale Milliardäre Schnappatmung kriegen. Die größte zuerst: Mehr als 70 Milliarden Euro verwaltet ihre Familienholding mittlerweile. Davon gehört zwar nicht alles den Reimanns, und manche Deals bei ihrer aggressiven Expansion sind auch auf Pump finanziert. Aber Banken und andere Kreditgeber geben ja gern, wenn Bonität und Track-Record stimmen. Beides ist bei den Reimanns unbedingt der Fall.

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Top 10: Die reichsten Deutschen

Foto: Matthias Balk/ picture alliance / dpa

Zum Beweis ein paar weitere Zahlen: 7,5 Milliarden Euro berappten die Reimanns 2013 für den niederländischen Kaffeekonzern D.E. Master Blenders. 11,1 Milliarden Euro waren 2015 fällig für ein Produktbündel namens Wella, das der Konsumgüterkonzern Procter & Gamble losschlug. 12,8 Milliarden Euro legten sie 2016 für den US-Kaffeekonzern Keurig Green Mountain hin. Die US-Bäckereikette Panera kostete 7,5 Milliarden Dollar. Eine Übernahme wie die der Hamburger Balzac Coffee Company für ein paar Millionen wie in diesem Sommer fällt da kaum noch ins Gewicht.

Die Ziele der Reimanns sind global und scharf umrandet

Der Deal-Flow der Reimanns ist wie ein reißender Strom. Aber seine Ziele sind global und scharf umrandet: Ins Kaffeebusiness etwa stieg die Familie erst 2012 ein; fünf Jahre später gebietet sie über etwa 20 Prozent des globalen Kaffeeabsatzes, ob als Pulver oder Bohne, ob in Alu-Kapseln oder im Keramikbecher diverser Kaffeeketten.

Der ungemein erfolgreiche Kurs unter Holdingchef Peter Harf (71) hat das Vermögen der Familie in den vergangenen Jahren so rasch emporschnellen lassen, dass man sich ungläubig die Augen reiben muss. Aber das hilft nichts: Es stimmt wirklich.

Die Vorväter des kleinen Clans sind übrigens Karl Ludwig Reimann und Johann Adam Benckiser. Die hatten Mitte des 19. Jahrhunderts in Ludwigshafen eine Chemiefabrik gegründet. Die ging irgendwann im Konsumgüteriesen Reckitt Benckiser (Calgon, Kukident, Clearasil) auf. Die Dividenden auf jene acht Prozent - aktueller Wert: 7,4 Milliarden Euro -, die die Reimanns behielten, bildeten die Basis für ihren beispiellosen Vermögenszuwachs.

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Und wer sind diese Reimanns eigentlich? Es sind die Geschwister Wolfgang Reimann (65), Renate Reimann-Haas (65), deren Halbbrüder Stefan (54) und Matthias (52) Reimann-Andersen sowie deren insgesamt zehn Sprösslinge. Teile der Familie wurden vor Jahren ausbezahlt, so dass die Zahl der Mitredenden überschaubar blieb. Einige haben aber mittlerweile wieder reinvestiert, läuft ja blendend bei den Verwandten. Ein strenger Kodex verbietet das Einmischen ins Operative. Und die Reimanns haben sich extremste Zurückhaltung auferlegt, was den Umgang mit der Öffentlichkeit angeht. Kurzum: Den reichsten Deutschen wäre es am liebsten, sie würden einfach vergessen.

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