Dienstag, 7. April 2020

Gabriel als Deutsche-Bank-Aufseher Von Katars Gnaden

Sigmar Gabriel am 04. Juli 2017 in Doha (Katar) mit dem Emir des Staates Katar, Scheich Tamim bin Hamad bin Khalifa Al Thani Dohar: Der mächtigste Aktionär der Bank kommt aus Katar.
Michael Gottschalk/DPA
Sigmar Gabriel am 04. Juli 2017 in Doha (Katar) mit dem Emir des Staates Katar, Scheich Tamim bin Hamad bin Khalifa Al Thani Dohar: Der mächtigste Aktionär der Bank kommt aus Katar.

Man kann nur hoffen, dass die Deutsche Bank dieses Mal rechtzeitig die Aufsichtsbehörden darüber informiert hat, wen sie da in ihren Aufsichtsrat holt. Der Finanzkonzern hat Sigmar Gabriel, den früheren SPD-Chef und Wirtschafts- sowie Außenminister, gerichtlich als Mitglied des Kontrollgremiums bestellt. Auf der nächsten Hauptversammlung soll er sich den Aktionären zur Wahl stellen.

Er rückt nach für den Schweizer Banker Jürg Zeltner, der krachend an den Aufsichtsbehörden gescheitert war, weil er parallel Chef der Luxemburger Bankengruppe KBL ist und die Deutsche Bank diesen Interessenkonflikt nicht sorgfältig genug beachtet hatte. Das dürfte ihr mit Gabriel nicht passieren, Interessenkonflikte durch andere Mandate sind nicht erkennbar.

Vor einigen Monaten hatte Gabriel noch den Präsidenten-Posten beim Verband der Automobilindustrie (VDA) abgelehnt, "nach reiflicher Überlegung und aufgrund anderer Aufgaben", wie es damals hieß. Ob er schon damals mit der Deutschen Bank und deren mächtigstem Aktionär aus Katar verhandelt hat, ist unklar.

Wundern würde es nicht, kennt Gabriel die Araber doch aus seiner Zeit als Ministerpräsident von Niedersachsen. Dort fungierte er qua Amt als Vorsitzender des VW-Aufsichtsrats. Die Kataris sind an VW ebenso substantiell beteiligt wie an der Deutschen Bank, wo sie 8 Prozent der Aktien halten und damit mehr als jeder andere Investor. Gegen ihren Willen läuft nichts bei den Frankfurtern.

Nun schließt sich der Kreis: Am Dienstagabend saßen nach SPIEGEL-Informationen VW-Chef Herbert Diess und Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing mit etwa 50 Investoren, vornehmlich aus dem arabischen Raum, bei einem exklusiven Abendessen im Schweizer Bergdorf Davos am Rande des Weltwirtschaftsforums zusammen.

Gabriel hat nur wenig Erfahrung im Bankgeschäft

Da mussten die beiden Top-Manager referieren, wie sie ihre mit unterschiedlichen Problemen kämpfenden Konzerne flottmachen wollen. Dabei hat Diess deutliche Vorteile gegenüber Sewing, dessen weitreichender Umbau der Deutschen Bank noch nicht wirklich Früchte trägt. Mit Sigmar Gabriel schicken die Kataris nach Zeltner nun erneut einen Vertreter in den Aufsichtsrat, um Sewing auf die Finger zu schauen. Auch die Bundesregierung war eingeweiht: nach SPIEGEL-Informationen traf Finanzstaatssekretär Jörg Kukies in Davos mit Aufsichtsratschef Paul Achleitner und Sewing zusammen.

Erfahrung im Bankgeschäft bringt der Vollblut- Politiker aus Goslar nur bedingt mit. Er gehörte von 2005 bis 2009 dem Verwaltungsrat der staatlichen Förderbank KfW an und hat das Gremium zeitweise auch geleitet. Daher ist es praktisch ausgeschlossen, dass er einmal Aufsichtsratschef der Deutschen Bank wird - auch wenn Amtsinhaber Achleitner bei den meisten Investoren inzwischen unten durch ist.

Dafür hat Gabriel aus Sicht der Deutschen Bank mindestens zwei Vorzüge: Er hat international gute Kontakte aus seiner Zeit als Außenminister. Das ist wichtig, weil Finanzkonzerne heutzutage mehr denn je auf gute Beziehungen zu Aufsichtsbehörden und Politik angewiesen sind. In dieser Disziplin hat die Deutsche Bank noch immer Nachholbedarf.

Guter Draht zu Frank Bsirske

Der zweite Vorzug ist Gabriels Parteibuch. Als früherer SPD-Vorsitzender kennt er nämlich Frank Bsirske bestens. Der Ex-Chef der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di ist seit vielen Jahren Mitglied im Aufsichtsrat der Deutschen Bank und hat bislang noch bei jeder grundlegenden Entscheidung des Konzerns mitgewirkt - im Positiven wie Negativen.

So gilt er als treibende Kraft im Aufsichtsrat gegen eine Fusion mit der Commerzbank, über die die beiden Institute Anfang 2019 gesprochen hatten. Der absehbare Abbau von zehntausenden Arbeitsplätzen war mit Bsirske nicht zu machen. Nun kann die Führung der Deutschen Bank darauf hoffen, dass es Gabriel beim nächsten Mal schafft, Bsirske und die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat einzuhegen.

Zwar kann theoretisch auch das Gegenteil passieren, sofern Gabriel mit den Arbeitnehmern die Kapitalseite überstimmt. Als Vertreter des größten Aktionärs ist die Chance freilich gering, dass Gabriel im Aufsichtsrat der Deutschen Bank plötzlich sein Herz für die Arbeitnehmer wiederentdeckt. Wer die Kataris kennt, der weiß, dass sie Gefolgschaft verlangen. Gabriel wird sie ab sofort liefern müssen.

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