Mittwoch, 22. Mai 2019

Trump als Warnung für Führungskräfte Der hässliche Chef

Wie Donald Trump die Marke Amerika zerstört, sollte Führungskräften eine Warnung sein.

Es gibt Führungskräfte, deren Image fast identisch ist mit dem ihres Unternehmens. In diesem Sinne verkörpert Mark Zuckerberg Facebook Börsen-Chart zeigen, Bill Gates Microsoft Börsen-Chart zeigen, Warren Buffett Berkshire Hathaway Börsen-Chart zeigen, Richard Branson Virgin oder Elon Musk Tesla Börsen-Chart zeigen. In Deutschland stehen Unternehmertypen wie Reinhold Würth oder Claus Hipp stellvertretend für die Qualität ihrer Produkte und Betriebe.

So eine Identifikation kann allerdings auch schiefgehen - siehe Dov Charney, dessen sexuelle Übergriffe gegen Mitarbeiter letztlich American Apparel ruinierten, oder Mike Jeffries, dessen elitäre Ansichten - "ich will nur hübsche Kunden" - Abercrombie & Fitch Anfang 2016 laut "American Customer Satisfaction Index" zur von US-Verbrauchern meistgehassten Marke machte.

Heiner Thorborg
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    Michael Dannenmann
    Heiner Thorborg gehört zu den profiliertesten Personalberatern in Deutschland. Nach zehn Jahren als Partner bei Egon Zehnder Int. gründete er die Heiner Thorborg GmbH & Co. KG, die Heiner Thorborg & Co. (Zürich) sowie die Initiative "Generation CEO".

Ähnliche Identifikationsprozesse gibt es auch in der Politik. Nach längerer Regentschaft werden Regierungschefs vor allem im Ausland mit ihrem Land gleichgesetzt. So personifiziert Wladimir Putin mit all seinen Schwächen in vielen Augen das unberechenbare Wesen Russlands. Nach 20 Jahren und mehrfachen Silvio-Berlusconi-Regierungen steht der Zwerg mit den gefärbten Haaren für alles, was an Italien nicht liebenswert ist: Eitelkeit, Großmannssucht und der fehlgeleitete Glaube an die eigene Unwiderstehlichkeit. Angela Merkel hingegen gilt im Ausland als deutsche Mutter Courage: Vielleicht nicht besonders sexy, aber überlegt, souverän und solvent - und damit als Lichtblick der Rationalität in einem immer verrückteren Europa.

Solche Generalisierungen sind natürlich grobe Vereinfachungen - aber weit verbreitet, finden viele Menschen ihre komplexe Umwelt doch leichter verständlich, wenn sie sich das Verhalten anderer mit einfachen Hilfsmitteln erklären können. So kommen Stereotypen zustande und dann heißt es: "Italiener können toll kochen", "Franzosen jagen den Röcken nach", "Iren trinken zu viel", "die Deutschen haben keinen Humor" oder "die Briten sind exzentrisch". Die sind dann keineswegs wahr - aber auch nicht ganz falsch.

Trump als "ugly American": Gedankenlos, uninformiert und selbstverliebt

Amerika beispielsweise war von jeher eine Einladung für Simplifizierung: Nach dem zweiten Weltkrieg verherrlicht als Hort der Freiheit und Rationalität, in den 50er und 60er Jahren gefeiert als Heimat angehimmelter Stars und als Produzent glorreicher Filme und mitreißender Musik. Im Verlauf außenpolitischer Konflikte - nicht zuletzt dem Kampf gegen den Kommunismus in Asien und Lateinamerika - entstand dann das Bild vom "hässlichen Ami" - auch verewigt in einem Roman mit diesem Titel. Buch und Anti-Amerikanismus zeichnen den Nordamerikaner als interkulturell analphabetischen Haudegen, der glaubt, dass sich mit Geld oder Gewalt alles regeln lässt.

Donald Trump und seine Kampagne "Make America Great Again!" erscheint nun als die Reinkarnation dieses "ugly American": gedankenlos, unkultiviert, uninformiert, selbstverliebt. Dass andere Leute anders denken, kochen, sprechen, beten und handeln als Amis, wird weggewischt mit dem Hinweis auf die vermeintliche Überlegenheit des "American Way". Trumps politische Analysen passen in die 141 Anschläge bei Twitter und alles, was ihm nicht passt, wird zur "Fake News" deklariert oder soll hinter Mauern verschwinden.

In den Augen der meisten Beobachter macht dieses "America first" das Land keineswegs "wieder groß", sondern schadet dem Image der ganzen Nation. Dass Amerika immer noch fabelhafte Universitäten hat, eine funktionierende Justiz, eine freie Presse, ein unternehmerisches Geschäftsklima und Immigranten auch heute noch Chancen zur persönlichen und professionellen Entwicklung bietet, die sie anderswo nie hätten, geht dabei unter.

Aus dem hässlichen Amerikaner Trump wird in der Breitenwirkung ein hässliches Amerika.

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