Wolfgang Hirn

China auf dem Weg zur High-Tech-Nation Kommt das nächste Facebook oder Samsung aus China?

Foto: Stephan Scheuer/ picture alliance / dpa

Walt Mossberg ist ein Guru in der amerikanischen Technologie-Szene. Der 68-Jährige schrieb bis vor kurzem im Wall Street Journal seine wöchentliche Kolumne "Personal Technology". Mossberg, der einer der bestbezahltesten Redakteure des Wirtschaftsblattes war, kennt im Silicon Valley alles, was Rang und Namen hat. Und jeder kennt ihn.

Kürzlich reiste dieser Tech-Trendforscher durch China, besuchte dort kleine und große High-Tech-Unternehmen. Kaum zurück in den USA schrieb er auf seiner Website re/code einen Kommentar mit der Überschrift "The Next Samsung Will Come From China" . Dahinter setzte er kein Fragezeichen, sondern für ihn ist klar: Die nächsten großen Technologiefirmen werden aus China kommen.

Wolfgang Hirn
Foto: Christian O. Bruch

Wolfgang Hirn ist Reporter beim manager magazin. Er reist seit 1986 regelmäßig nach China. Er schreibt seitdem über die Entwicklung des Landes. Er ist Autor des Bestsellers "Herausforderung China" . Sein aktuelles Buch hat den Titel "Der nächste Kalte Krieg - China gegen den Westen"  (erschienen bei S. Fischer).

Wie bitte? Aus dem Land der Billigprodukte und Kopierer? Das werden sich jetzt viele fragen. Aber dieses Klischee stimmt längst nicht mehr. China ist auf dem Weg zu einer High-Tech-Nation. Doch noch fehlen die großen Unternehmensnamen, an denen man den Trend festmachen kann. Noch fällt einem nur Huawei ein, jener gigantische Telekom-Ausrüster, gegen den sich soeben aus Furcht die westlichen Wettbewerber Nokia  und Alcatel-Lucent zusammengeschlossen haben.

Und sonst? Es gibt noch den eher leisen Huawei-Konkurrenten ZTE und den Elektronik-Multi Lenovo  (aber wie chinesisch ist Lenovo, das einst die Hardware von IBM  übernommen hat, noch?) sowie die Internet-Giganten Alibaba  und Tencent, die sich aber vorerst auf ihren riesigen Heimatmarkt beschränken.

Aber was kommt danach, wer sind die Stars von morgen? Mossberg hat vier chinesische Hoffnungsträger ausgemacht: DJI, der Weltmarktführer bei privat benutzten Drohnen; die beiden Smartphone-Hersteller Xiaomi und OnePlus; sowie Cheetah Mobile, ein Softwareproduzent für Smartphones.

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Das sind nur ein paar wenige Namen, aber daneben gibt es noch Dutzende junger Unternehmen, die das Samsung von morgen sein könnten. Sie profitieren alle von der Venture-Capital-Szene, die sich in den vergangenen Jahren in China rapide entwickelt hat. Darin tummeln sich chinesische VC-Firmen, aber auch die führenden US-Geldgeber aus dem Silicon Valley wie Sequioa Capital (mit der sehr erfolgreichen Spürnase Neil Shen an der Spitze) und Kleiner Perkins Caufield & Byers.

Deshalb verwundert nicht, dass sich inzwischen unter den Startups, die weltweit am höchsten bewertet werden, mehrere chinesische Unternehmen befinden: Neben dem schon erwähnten Handyhersteller Xiaomi (Wert: 46 Milliarden Dollar!) sind das die - meist im E-Commerce-Business tätigen - Firmen wie Didi Dache-Kuaidi Dache, Meituan, Dianping, VANCL, Trendy Group, Koudai Shopping, Mogujie und Beibei (siehe auch The Billion Dollar Startup Club ).

Interessanter Nebenaspekt: Mogujie und Beibei haben ihren Sitz in Hangzhou. Dort hat auch Alibaba sein Hauptquartier. Viele Mitarbeiter sind durch Alibabas Börsengang reich geworden, stiegen danach aus und gründeten ihre eigenen Firmen. So hat sich in Hangzhou binnen kurzer Zeit ein neues chinesisches Silicon Valley entwickelt - das vierte nach Beijing, Shanghai und Shenzhen.

Michael Moritz sitzt in Menlo Park im "richtigen" Silicon Valley. Der legendäre Venture-Capitalist und Chairman von Sequoia Capital reist regelmäßig nach China. Ende März war er wieder mal dort und kam mit einer überraschenden Erkenntnis zurück: Statt im Silicon Valley sollte man besser in China investieren. Dort befinde sich "die spannendste Umgebung für Start-Ups in der Welt."

Moritz und Mossberg kommen also zum gleichen Ergebnis: China ist auf dem Weg zur High-Tech-Nation. Können zwei Gurus irren?

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