Montag, 16. September 2019

Die wahren Folgen der Bargeld-Abschaffung Es wird ernst mit der Enteignung

2. Teil: Enteignung ist das Ziel

Die Zielsetzung der Gegner von Bargeld ist so falsch wie offensichtlich. In der nächsten Phase unserer Depression kann man einen Zusammenbruch des Weltschuldenturms nur durch noch tiefere, also negative Zinsen verhindern. Naheliegend ist da für jeden von uns, aus dem Bankensystem zu fliehen. Dafür spricht ohnehin der marode Zustand, der schon bald eine Beteiligung von Sparern an der Sanierung von überschuldeten Instituten erwarten lässt. Wie lange die Grenze von 100.000 Euro dabei hält, bleibt abzuwarten. Diese Flucht in das Bargeld, welches sich ohne Zinsverlust im Banksafe lagern ließe, muss auf jeden Fall verhindert werden. Denn nur wenn wir gefangen bleiben in dem Schuldensystem, kann man uns zur Sanierungshilfe zwingen. Durch eine faktische Besteuerung unserer Guthaben zugunsten der Banken und Schuldner, die ihren Verpflichtungen nicht nachkommen können.

Gefunden in
"Beyond the obvious"


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theobvious.com
Dabei ist das Bargeldverbot in vielerlei Hinsicht typisch für die Politik der letzten Jahrzehnte. Es würde jene treffen, die nur wenige Möglichkeiten haben in andere Vermögenswerte auszuweichen. Wie schon die Geldpolitik der letzten Jahre mehr die Kapitalmärkte als die Realwirtschaft belebt hat, würde auch diese Maßnahme eher die Mittelschicht treffen.

Hinzu kommt, dass auch das Bargeldverbot nicht genügen wird, um unsere Probleme zu lösen. Selbst wenn es gelänge das Zinsniveau fünf Prozentpunkte unter die nominale Wachstumsrate der Wirtschaft zu treiben, würde es noch Jahrzehnte dauern, bis die Schulden auf einem wieder tragfähigen Niveau wären. Solange werden wir eine Dauerkrise politisch nicht durchhalten.

Wirklich los werden wir die faulen Schulden nur auf radikale Wege: Entweder durch eine Monetarisierung über die Bilanzen der Notenbanken, was erhebliche Inflation zur Folge haben könnte - keiner weiß es - oder über offene Schuldenschnitte, die dann jene am stärksten treffen, die auch die meisten Forderungen haben.

Der Ruf nach dem Bargeldverbot ist damit nichts anderes als der verzweifelte Versuch, dass unabwendbare noch aufzuschieben. Verhindern kann man es nicht.

Wir müssen uns wehren und von der Politik fordern, die Probleme endlich zu lösen, als immer weiter auf Zeit zu spielen.

Diesen Text veröffentlichen wir mit freundlicher Genehmigung von Daniel Stelter, beyond the obvious .

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