Montag, 30. März 2020

China setzt auf Gesundheitsüberwachung Wie China mit Apps und Big Data das Coronavirus in Schach halten will

Reisende an einem Bahnhof in Peking

Um der chinesischen Regierung bei der Ausbreitung des Coronavirus Covid-19 zu helfen, haben Technologiekonzerne wie Alibaba und Tencent Apps entwickelt, mit denen der Staat seine Bürger in Gefährdungsgruppen einsortiert. Laut übereinstimmenden Medienberichten veröffentlichte Alipay, eine Tochter von Alibabas Finanz-Arm Ant Financial, in Zusammenarbeit mit der chinesischen Regierung eine App, die Nutzer über einen farbigen QR-Code in Gesundheitsgruppierungen einordnet.

Bei der App füllen Bürger unter Angabe ihrer Ausweisnummer einen Online-Fragebogen aus, in dem sie ihren Gesundheitszustand und etwaige Symptome schildern. Außerdem wird offenbar abgefragt, ob sie in den vergangenen zwei Wochen gereist sind. Und ob sie Kontakt zu Personen hatten, bei denen eine Infektion bestätigt wurde oder die unter dem Verdacht stehen, sich infiziert zu haben.

Auf Basis dieser Angaben, die von öffentlichen Stellen nach eigenen Angaben mithilfe von Big Data überprüft werden, erhalten diese dann einen farbigen QR-Code auf ihr Smartphone.

Ampel-System zum Gesundheitsassessment

Nutzer, die aufgrund ihrer Symptome einen roten QR-Code erhalten, sind demnach angehalten, für eine Quarantänezeit von 14 Tagen zuhause zu bleiben und sich über eine Chat-App von Alibaba regelmäßig zu melden. Nutzer, denen ein gelber QR-Code zugewiesen wird, werden angehalten sieben Tage das Haus zu hüten. Empfänger eines grünen Codes wiederum dürften sich frei bewegen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Aus Angst, in ihrer Bewegungsfreiheit begrenzt zu werden, machen allerdings offenbar viele Menschen falsche Angaben. Fliegen sie auf, wird ihnen nach Angaben offizieller Stellen in Hangzhou als Konsequenz ein roter Code zugeordnet, was ihre Bewegungsfreiheit massiv einschränkt.

Wer lügt, muss zu Hause bleiben

Wie die Nachrichtenagentur weiter berichtet, soll das System angeblich an Checkpoints benutzt werden. Auch Wohnkomplexe und Läden fragen offenbar am Eingang bereits die QR-Codes ab.

Wie Alibaba ankündigte, soll das zunächst am Konzernsitz Hangzhou gestartete System chinaweit ausgerollt werden. Ebenso wie eine ähnliche App des Alibaba-Konkurrenten Tencent, die aktuell in Shenzhen erprobt wird. Auch sie soll den Angaben zufolge chinaweit Anwendung finden.

Während einige Betroffene das System begrüßten, weil es ihnen bei Erhalt eines grünes Codes die Möglichkeit gibt, sich frei zu bewegen, gibt es auch Berichte von Betroffenen, die über falsche Eingruppierungen klagen und in ihrer Bewegungsfreiheit nun massiv eingeschränkt sind.

Das "Wall Street Journal" berichtetet beispielsweise von dem Fall eines Mannes, der keinerlei Grundlage für seine Einstufung mit einem roten Code sah und sich nun bei dem Betreiber der App beschwert hat. Von der chinesischen Regierung gab es dazu zunächst keine Reaktion.

mit Material von Reuters

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