Dienstag, 2. Juni 2020

Erstmals offizielle Daten zur Übersterblichkeit Die wahre Zahl der Corona-Opfer - Deutschland steht noch gut da

Beerdigung von an Covid-19 gestorbenen Menschen in São Paulo, Brasilien
Andre Penner / AP / dpa
Beerdigung von an Covid-19 gestorbenen Menschen in São Paulo, Brasilien

Gestorben wird immer. Durch diese brutale Wahrheit müssen Aussagen gefiltert werden, wie viele Opfer die Covid-19-Pandemie zählt. Die offiziellen Zahlen zu den coronabedingten Todesfällen können einen falschen Eindruck vermitteln - zum Beispiel, weil Menschen an den Folgen des Coronavirus starben, aber nicht zuvor getestet wurden; oder auch, weil schwer Kranke, deren Tod dem Virus zugerechnet wird, auch ohne diese Infektion gestorben wären.

Erst der Vergleich aller Todesfälle während der Epidemie mit der Zahl der sonst zur selben Zeit üblicherweise Gestorbenen erlaubt ein Urteil. Von "Übersterblichkeit" (englisch "Excess Mortality") sprechen die Statistiker. Deutschlandweite Zahlen hat das Statistische Bundesamt an diesem Freitag erstmals in einer Sonderauswertung vorgelegt.

Laut vorläufigen Daten für drei Wochen während der Hochphase der Krise (vom 23. März bis 12. April) liegen die Sterbefallzahlen in Deutschland "über dem Durchschnitt der jeweiligen Kalenderwochen der Jahre 2016 bis 2019", teilt das Amt mit. Allerdings nur leicht.

Wöchentlich wurden jeweils rund 20.000 Gestorbene gezählt, was annähernd im langjährigen Rahmen liegt. Bezogen auf die Kalenderwochen 8 bis 13 (Mitte Februar bis Ende März) ließe sich sogar behaupten, dass das Corona-Jahr 2020 in Deutschland weniger schlimm war als die besonders schwere Grippewelle des Jahres 2018 mit bis zu 26.777 Toten pro Woche.

Nur in der letzten betrachteten Kalenderwoche 15 (vom 6. bis 12. April) starben knapp 2000 Menschen oder 11 Prozent mehr als im Durchschnitt der vier Vorjahre, weil zu dieser Zeit normalerweise die saisonale Influenza schon abgeklungen ist.

"Dies deutet auf eine Übersterblichkeit im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie hin", urteilen die Statistiker - merken zugleich aber an, deren Umfang sei "im europäischen Vergleich bislang gering".

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