CO2-Ausstoß bei Neuwagen EU machtlos gegen Spritschlucker

Brüssel will den CO2-Grenzwert bei Neuwagen senken. Doch Umweltschützer kritisieren, weniger Spritschlucker werde es durch die vorgesehene Regelung nicht geben - im Gegenteil. Greenpeace spricht von einer "Subventionierung" durch das System der Supercredits.
Hat Durst: Porsche Cayenne, ein sogenannter SUV

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Brüssel - Vertreter der EU-Staaten, des Europaparlaments und der EU-Kommission wollen schärfere Abgas-Höchstgrenzen für Neuwagen festlegen. So soll der Ausstoß des klimaschädlichen Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) ab dem Jahr 2020 nur noch durchschnittlich 95 Gramm pro Kilometer betragen. Derzeit liegt er bei 130 Gramm.

Umweltschützer begrüßten die CO2-Begrenzung, kritisierten aber die geplanten Anreize ("Supercredits") für die Autobauer. Die Pläne der EU sehen vor, dass sich die Hersteller für jedes Auto, das weniger als 50 Gramm CO2 pro Kilometer ausstößt, zwei klimafreundliche Wagen anrechnen lassen können.

Nach der bisherigen Regel gibt es Supercredits noch bis 2015, danach laufen sie aus. 2020 sollen sie dann wieder eingeführt werden. Danach sollen die Anrechnungsfaktoren sinken auf 1,67 im Jahr 2021, 1,33 im Jahr 2022 und auf den Faktor eins ab 2023.

Greeneace bezeichnete die Supercredits als Verschmutzungsrechte und sprach von einer "Subventionierung deutscher Spritschlucker". Die EU sei auf die "Panikmache" der Autoindustrie reingefallen, insbesondere der deutschen Hersteller, bei denen große Fahrzeuge einen erheblichen Teil der Produktpalette ausmachen.

VDA: "Enorme Herausforderung" für die Autoindustrie

Auch die Chefin der Grünen im Europaparlament, Rebecca Harms, beklagte: "Merkel und Co sehen Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit noch immer fälschlicherweise als Widerspruch. Sie folgen damit der Lobbyarbeit der Automobil-Hersteller."

Die deutschen Autobauer bezeichneten die CO2-Vorgaben als "enorme Herausforderung". Es handele sich um den weltweit schärfsten Grenzwert, sagte Matthias Wissmann, Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA). Ähnlich äußerte sich der CDU-Europaparlamentarier Thomas Ulmer, der das Thema federführend betreut.

Die Einigung steht noch unter Vorbehalt: Als verlässlich kann der Beschluss erst gelten, wenn die Botschafter der 27 EU-Staaten ihn bei einer Ratssitzung am Donnerstag durchwinken. Auch das Europaparlament und die zuständigen EU-Minister müssen noch grünes Licht geben.

Die Verhandlungspartner einigten sich darauf, dass Europa sich für das Jahr 2025 ein neues CO2-Sparziel für Pkw setzen soll - das müsste aber erst noch ausgehandelt werden.

Auch über die Testverfahren zur Bestimmung des Spritverbrauchs gab es eine Einigung: Sie sollen überholt werden, damit sie genauer den wirklichen Verbrauch der Fahrzeuge widerspiegeln.

ts/dpa/afp
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