Sonntag, 31. Mai 2020

Chloroquin und Hydroxychloroquin USA lassen Nutzung von Malariamittel gegen Coronavirus für den Notfall zu

Donald Trump warb vor einer Wochen mit Nachdruck für den Einsatz eines Malaria-Medikaments bei der Behandlung von Corona-Erkrankten. Der Wirkstoff Chloroquin könne in Kombination mit dem Antibiotikum Azithromycin «einer der größten Durchbrüche der Geschichte der Medizin sein», warb Trump. Kritiker warnten jedoch, dass der Einsatz eines Medikaments für einen neuen Zweck nie ohne Risiken sei.
Foto: Patrick Semansky/AP/dpa
Donald Trump warb vor einer Wochen mit Nachdruck für den Einsatz eines Malaria-Medikaments bei der Behandlung von Corona-Erkrankten. Der Wirkstoff Chloroquin könne in Kombination mit dem Antibiotikum Azithromycin «einer der größten Durchbrüche der Geschichte der Medizin sein», warb Trump. Kritiker warnten jedoch, dass der Einsatz eines Medikaments für einen neuen Zweck nie ohne Risiken sei.

Die US-Arzneimittelbehörde hat im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie die Nutzung von zwei Malaria-Medikamenten in Notfällen erlaubt. Die US-Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde (FDA) habe die Herausgabe oder Verschreibung von Chloroquin und Hydroxychloroquin "durch Ärzte an im Krankenhaus liegende jugendliche und erwachsene Patienten mit Covid-19" genehmigt, teilte das US-Gesundheitsministerium bereits am Sonntag (Ortszeit) mit. Dies sei angebracht, wenn kein klinischer Test verfügbar oder machbar sei.

Demnach wurde kürzlich der nationale Medikamentenvorrat um die beiden Mittel Chloroquin und Hydroxychloroquin aufgestockt. Sie gelten als mögliche Mittel gegen die vom neuartigen Coronavirus ausgelöste Lungenkrankheit Covid-19.

Das US- Gesundheitsministerium (HHS) hatte am Sonntag Medikamentenspenden von Novartis und der Bayer AG akzeptziert. Novartis hat laut Agenturberichten 30 Millionen Einheiten des Mittels Hydroxychloroquin, Bayer eine Millionen Einheiten seines Arzneistoffes Chloroquin zur Verfügung gestellt, hatte die Behörde erklärt.

manager magazin hatte bereits vor gut 10 Tagen darüber berichtet, dass Bayer sein Malariamittel den Regierungen in den USA und Deutschland zur Bekämpfung des Coronavirus zur Verfügung stelle werde. Zudem hatte Biotech-Investor Christian Angermayer im Interview mit manager magazin den Einsatz des nicht unumstrittenen Malariamittels im Kampf gegen das Coronavirus befürwortet.

US-Präsident Donald Trump hatte das Malaria-Medikament Cloroquin als mögliches "Geschenk Gottes" bezeichnet, obwohl Wissenschaftler vor den Gefahren nicht ausreichend geprüfter Behandlungen warnten. Viele Forscher hingegen, unter ihnen auch Trumps Berater Anthony Fauci, der führende US-Experte für Infektionskranheiten, mahnen zur Vorsicht, solange kleine Studien nicht durch größere klinische Tests bestätigt seien.


Lesen Sie auch: Bayer, Gilead, Regeneron - der Wettlauf um das Corona-Mittel


Zwei US-Einrichtungen, das Nationale Gesundheitsinstitut und die Behörde für Biomedizinische Forschung und Entwicklung, arbeiten derzeit an der Entwicklung solcher Tests. Einige Experten befürchten, dass die Werbung des US-Präsidenten für die Malariamittel zu Versorgungsengpässen bei Patienten führen könnte, für deren Krankheiten sie bereits zugelassen sind, wie Lupus oder rheumatoide Arthritis.

rei mit Nachrichtenagenturen

© manager magazin 2020
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung