Sonntag, 26. Januar 2020

Neuer Zündstoff im Handelsstreit Chinas Exporte schwächeln - Streit um Weltbank-Kredite

Hafen in der ostchinesischen Provinz Shandong: Der Streit mit den USA belastet den Außenhandel der Volksrepublik.

Der Handelsstreit mit den USA sorgt für deutliche Bremsspuren bei der chinesischen Exportindustrie. Die Ausfuhren gingen im November überraschend zurück und das schon den vierten Monat in Folge. Das Minus betrug zum Vorjahresmonat 1,1 Prozent, wie am Sonntag veröffentlichte Daten der Zollbehörde zeigten. Von Reuters befragte Analysten hatten dagegen einen Anstieg um ein Prozent vorausgesagt. Im Oktober waren die Exporte bereits um 0,9 Prozent gefallen.

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt wächst wegen der Spannungen mit den USA insgesamt so langsam wie seit fast 30 Jahren nicht mehr. US-Präsident Donald Trump stört sich am riesigen Defizit seines Landes im Handel mit China. Im November summierte sich der Überschuss der Volksrepublik zu den USA Reuters-Berechnungen zufolge auf 24,6 Milliarden Dollar. Im Monat zuvor waren es aber noch 26,45 Milliarden Dollar.

Momentan verhandeln die USA und China ein erstes Teilabkommen zur Schlichtung des Konflikts, der die Weltwirtschaft und die Börsen seit fast eineinhalb Jahren in Atem hält. Zuletzt gab es widersprüchliche Signale zu den Verhandlungen und den Chancen, bald eine Einigung zu erzielen.

Die chinesischen Importe stiegen unterdessen im November entgegen der Erwartung von Experten um 0,3 Prozent zum Vorjahr, nachdem sie im Oktober noch um 6,4 Prozent gesunken waren. Es ist das erste Plus seit April und ein Zeichen für eine stärkere Nachfrage der Konsumenten in China.

Trump wettert gegen Weltbank-Kredite an China

Zugleich sorgt der Widerstand der USA gegen günstige Finanzhilfen der Weltbank für China für neue Irritationen zwischen Peking und Washington. US-Präsident Donald Trump will die zweitgrößte Volkswirtschaft von Weltbank-Krediten abschneiden. "Warum leiht die Weltbank China Geld? Wie kann das sein?", schrieb Trump auf Twitter. "China hat eine Menge Geld, und wenn sie keines haben, schaffen sie welches." In Chinas Staatsmedien hieß es dazu am Wochenende, der amerikanische Widerstand sei "absurd". Schließlich sei China weiter ein Entwicklungsland.

Zu den Hauptaufgaben der in Washington ansässigen Weltbank gehört die Bekämpfung der Armut in Entwicklungsländern durch Vergabe günstiger Kredite. Nach einem neuen Plan werden in diesem Jahr rund 1,4 Milliarden Dollar an China fließen - weit weniger als 2017 mit 2,4 Milliarden Dollar. Neben dem wirtschaftlichen Aufschwung Chinas könnte der Rückgang auch mit einem Wechsel an der Spitze der Weltbank zusammenhängen, da deren Präsidenten traditionell von den USA gestellt werden.

Der aktuelle Chef David Malpass - ein Vertrauter von US-Finanzminister Steven Mnuchin - wurde im April von Trump an die Spitze des Instituts befördert. Er gilt als Kritiker Chinas und seiner Strategie, den politischen und wirtschaftlichen Einfluss der Volksrepublik durch Infrastrukturprojekte in Drittländern zu mehren, wie etwa im Fall der umstrittenen "Seidenstraßen-Initiative".

Chinas Staatsmedien zitierten Experten, die den US-Widerstand als Taktik im Handelskrieg abtaten. "Es ist völlig legitim und angemessen, dass China als Entwicklungsland in den Genuss des Kreditprogramms kommt", sagte Bai Ming, Forscher an Chinas Akademie für internationalen Handel und Zusammenarbeit, der "Global Times". Da Trumps Druck in den Handelsgesprächen an seine Grenzen stoße, greife er jetzt zu anderen Mitteln.

cr/rtr/dpa

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