Schlussplädoyer Ankläger fordern harte Strafe für Bo Xilai

Bo Xilai hat sich eloquent verteidigt und auch mal wüst geschimpft: Ob dem einstigen chinesischen Spitzenfunktionär seine Taktik genützt hat, wird sich in Kürze zeigen. Die Ankläger sprechen jedenfalls von "äußerst schwerwiegenden" Verbrechen und fordern eine harte Strafe.
Ex-Politstar Bo Xilai: Staatsanwälte fordern ein hartes Urteil - und sehen keine mildernden Umstände

Ex-Politstar Bo Xilai: Staatsanwälte fordern ein hartes Urteil - und sehen keine mildernden Umstände

Foto: AFP/CCTV

Peking - Im Korruptionsprozess gegen den früheren chinesischen Politstar Bo Xilai hat die Staatsanwaltschaft die ihm zur Last gelegten Verbrechen am Montag als "äußerst schwerwiegend" bezeichnet. Es seien zudem "keine mildernden Umstände, die eine Strafmilderung rechtfertigen würden", erkennbar, hieß es in Mitschriften des Gerichts in der ostchinesischen Stadt Jinan. Zudem hieß es, Bo habe sich weiterhin nicht voll schuldig bekannt.

Wenn vor chinesischen Gerichten von besonders schweren Vergehen die Rede ist, sind damit nicht selten Todesurteile verbunden. Wann in dem mit Spannung verfolgten Prozess ein Urteil fällt, ist aber noch unklar. Eigentlich hätte das von Justizexperten als Schauprozess bewertete Verfahren nach nur zwei Tagen schon am Freitag enden sollen. Bo verteidigte sich aber so vehement, dass die Verhandlung sich hinzog.

Bo war Parteichef und Bürgermeister der Millionenmetropole Chongqing und galt als Anwärter auf einen Posten im einflussreichen Politbüro der Koommunistischen Partei. Wegen Korruptionsvorwürfen musste er seine Ämter im vergangenen Jahr aber aufgeben. Anfang November wurde er aus der Partei ausgeschlossen. Insgesamt geht es in dem Prozess um Bestechungsgelder in Höhe von umgerechnet 3,3 Millionen Euro.

In der Affäre spielte auch Bos Ehefrau Gu Kailai eine zentrale Rolle. Sie wurde im August wegen der Vergiftung des britischen Geschäftsmanns Neil Heywood zum Tod verurteilt. Das Strafmaß dürfte jedoch in eine lange Haftstrafe umgewandelt werden.

Bo bezeichnet Kronzeugen als "abscheulichen Lügner"

Während seines Prozesses nannte Bo seine Frau, die ihn in einer vorab aufgezeichneten Videoaufnahme belastete, eine "geistesgestörte" Lügnerin, ihre Aussagen "lächerlich".

Auch mit wüsten Beschimpfungen hat sich der gestürzte chinesische Spitzenfunktionär vor Gericht gegen Anschuldigungen verteidigt. Sein ehemals enger Vertrauter sei ein "abscheulicher Lügner", dessen Vorwürfe seien aus der Luft gegriffen, sagte Bo gestern laut Protokollen des Volksgerichts im ostchinesischen Jinan. "Seinen Aussagen darf überhaupt kein Vertrauen geschenkt werden", forderte der 64-Jährige am vierten Verhandlungstag.

Wang Lijun spielte eine Schlüsselrolle in dem Skandal um Bo Xilai und dessen Frau Gu Kailai. Als Polizeichef der 30-Millionen-Metropole Chongqing hatte Wang seinem Chef Bo Anfang 2012 vom Mordverdacht gegen dessen Frau erzählt. Als Bo ihn nicht ernst nahm, flüchtete er in ein US-Konsulat und packte aus.

Soweit hätte es nicht kommen dürfen, gestand Bo Xilai, ehemals Parteichef von Chongqing, vor Gericht ein. "Ich schäme mich." Das Ansehen der Partei und das Land hätten Schaden genommen. Entgegen dem Vorwurf von Wang habe er aber nicht geholfen, den Mord zu vertuschen. Wang sei als Zeugen nicht zu trauen. Er trete nicht als Unbeteiligter auf, sondern wolle Bo bewusst schaden.

Der "Super-Bulle" Wang Lijun war vergangenes Jahr wegen Korruption, Fahnenflucht und Amtsmissbrauchs zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Gu Kailai bekam wegen Mordes im August 2012 eine Todesstrafe auf Bewährung.

wed/afp/dpa
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