Montag, 22. April 2019

Chinesen sollen länger arbeiten China fehlen künftig Billionen in der Rentenkasse

Künftig später in Rente: Frauen können in der Volksrepublik China teilweise schon mit 50 Jahren in Rente gehen, Peking will das Rentenalter nun anheben

Nicht nur in den westlichen Industrie- und Dienstleistungsgesellschaften haben die Regierungen mit der demographischen Entwicklung zu kämpfen - also mit einem stetig steigenden Durchschnittsalter der Bevölkerung.

Das kann auf lange Sicht Renten- und Sozialkassen belasten, zugleich fehlen dem Arbeitsmarkt jüngere, qualifizierte Arbeitskräfte. In Deutschland und anderen europäischen Staaten haben die Regierungen das Problem mit zahlreichen Arbeitsmarkt- und Rentenreformen zu entschärfen versucht - sprich das Renteneintrittsalter angehoben und zugleich die kapitalgedeckte private Altersversorgung ins Leben gerufen.

Auch China steht jetzt womöglich vor einer einschneidenden Rentenreform. So erwägt Riesenreich wegen der alternden Bevölkerung eine schrittweise Anhebung des Rentenalters.

"Die Rentenversicherung sieht sich enormem Druck ausgesetzt, in Zukunft die Kosten zu decken", begründete Arbeitsminister Yin Weimin am Dienstag in Peking das Vorhaben. Einen konkreten Zeitpunkt für eine Anhebung nannte er nicht.

Bis 2035 fehlen 10.000 Milliarden Euro in Chinas Rentenkassen

Frauen können in der Volksrepublik teilweise schon mit 50 Jahren in Rente gehen. Derzeit sind nur 15 Prozent der Bevölkerung älter als 60 Jahre. Aber bereits in wenigen Jahren steige ihr Anteil auf 39 Prozent, warnte Yin.

Die Rentenversicherung nahm 2014 rund 2,3 Billionen Yuan (310 Milliarden Euro) ein. Die Ausgaben lagen um zwei Billionen Yuan niedriger, sagte Yin. Einige Analysten sagen prognostizieren aber, dass ohne Änderungen am aktuellen System in den kommenden 20 Jahren umgerechnet bis zu zehn Billionen Euro in den Kassen fehlenden dürften.

Der Arbeitsmarkt stehe ohnehin unter Druck, sagte der Minister unter Hinweis auf das geringere Wirtschaftswachstum. Die nach den USA zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt wird nach Prognose der Regierung in diesem Jahr nur 7 Prozent wachsen - so langsam wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr. Er sei dennoch optimistisch, dass in 2015 mehr als zehn Millionen Arbeitsplätze entstehen können.

rei mit Nachrichtenagenturen

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