Freitag, 6. Dezember 2019

Hayat Boumeddiene Frankreich jagt die Terror-Komplizin

Fahndungsfoto: Hayat Boumeddiene, Lebensgefährtin des getöteten Geiselnehmers Amedy Coulibaly

Drei Terroristen sind tot - doch ihre mutmaßliche Komplizin ist noch auf der Flucht: Hayat Boumeddiene, die Freundin des Supermarkt-Geiselnehmers, wird von Tausenden Polizisten gejagt. Sie soll bewaffnet sein.

Paris - Nach dem Tod der drei Terroristen in Frankreich sucht die Polizei nach mutmaßlichen Komplizen. Im Zentrum steht dabei Hayat Boumeddiene, die Lebensgefährtin des getöteten Amedy Coulibaly.

Coulibaly hatte am Freitag einen jüdischen Supermarkt im Osten von Paris überfallen und mehrere Geiseln genommen. Vier davon soll er nach Angaben der Pariser Staatsanwaltschaft wahrscheinlich erschossen haben. Auch hinter dem Mord an einer Polizistin am Donnerstag soll Coulibaly stecken. Womöglich war Boumeddiene dabei seine Komplizin.

Die Polizei hat Boumeddiene zur Fahndung ausgeschrieben und warnt: Die 26-Jährige sei möglicherweise "bewaffnet und gefährlich".

Coulibaly und Boumeddiene sollen mit den beiden Terroristen Chérif und Said Kouachi in Verbindung gestanden haben. Die beiden Brüder waren am Mittwoch in das Redaktionsgebäude des Satirmagazins "Charlie Hebdo" in Paris eingedrungen und hatten insgesamt zwölf Menschen erschossen. Am Freitag wurden sie von der Polizei getötet, nachdem sie sich in einer Druckerei in der Gemeinde Dammartin-en-Goële nahe dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle verschanzt hatten.

Armbrustschießen in Südfrankreich

In einem Interview, das Coulibaly kurz vor seinem Tod dem Fernsehsender BFMTV gegeben hatte, sagte der Terrorist, er habe mit den Kouachi-Brüdern zusammengearbeitet: "Wir haben uns für den Anfang dieser Operationen abgestimmt. Sie 'Charlie Hebdo', ich die Polizisten." Auf die Frage, ob Boumeddiene bei ihm sei, antwortete er: "Nein, ich bin alleine. Meine Frau ist nicht da."

Coulibaly soll Chérif Kouachi im Gefängnis kennengelernt haben. Seine Lebensgefährtin Boumeddiene stand offenbar in engem Kontakt mit der Freundin von einem der beiden Brüder. Laut Staatsanwaltschaft haben sie rund 500-mal miteinander telefoniert.

Wie mehrere Medien berichten, kennen sich Coulibaly und Boumeddiene schon lange. 2010 sollen sie einen mutmaßlichen al-Qaida-Terroristen Djamel Beghal in Südfrankreich besucht haben, wo dieser unter Hausarrest stand. Die Zeitung "Le Monde" veröffentlichte am Samstag Fotos von dem Besuch. Darauf ist Boumeddiene nicht nur mit einer Armbrust sondern auch mit einem Niqab zu sehen - einem Schleier, der nur einen schmalen Schlitz für die Augen offen lässt und in Frankreich verboten ist.

Von der Polizei später auf den Besuch bei Beghal angesprochen soll Boumeddiene gesagt haben, sie sei dort gewesen, um "Armbrustschießen zu üben".

Beghal könnte ein weiteres Verbindungsglied zwischen den Terroristen sein. Auch Chérif Kouachi kannte radikalen Islamisten. Fotos zeigen die beiden beim gemeinsamen Fußballspiel.

ts/stk/ap/rtr/afp

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