Freitag, 13. Dezember 2019

Bundesverfassungsgericht Studienplatzvergabe für Medizin teils verfassungswidrig

Nach Auffassung der Bundesverfassungsrichter (hier der 1. Senat des BVG, Bild Archiv) müssen Bund und Länder die Auswahlkriterien für die Medizin-Studienplatzvergabe neu regeln

Das Auswahlverfahren zum Medizinstudium verletzt die Chancengleichheit der Studierenden und ist in einigen Bereichen mit dem Grundgesetz unvereinbar. Bund und Länder müssen deshalb bis Ende 2019 die Auswahlkriterien neu regeln, die es neben der Abiturnote gibt, wie das Bundesverfassungsgericht in einem am Dienstag in Karlsruhe verkündeten Urteil entschied. (Az. 1 BvL 2/14 und 1 BvL 4/14)

Demnach muss unter anderem sichergestellt werden, dass Eignungsgespräche an Universitäten bundesweit in "standardisierter und strukturierte Form" stattfinden, um die Chancengleichheit der Studierenden zu wahren.

Die Chancen für Abiturienten, in Deutschland einen Studienplatz in Medizin zu bekommen, verschlechtern sich von Jahr zu Jahr. Grund ist, dass die Zahl der Bewerber deutlich stärker ansteigt als das Angebot an Studienplätzen.

Aktuell gibt es im Fach Humanmedizin 62.000 Bewerber für knapp 11.000 Studienplätze. Deshalb gilt ein sogenannter Numerus Clausus: 20 Prozent der Studienplätze werden zentral über die Abiturnote vergeben, 20 Prozent über Wartezeiten und 60 Prozent über unterschiedliche Kriterien der jeweiligen Hochschulen.

35 Hochschulen nehmen daran teil. Hierbei wählen drei Hochschulen ausschließlich nach der Durchschnittsnote aus und zwar Aachen, Bonn und Düsseldorf. 20 Universitäten legen neben der Durchschnittsnote mindestens zwei weitere Auswahlkriterien zugrunde. 24 Hochschulen wenden Vorauswahlkriterien an. Davon legen zwei Hochschulen ausschließlich die Durchschnittsnote im Abitur zugrunde.

Zwei Bewerber für das Studienfach Humanmedizin hatten vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen geklagt. Die Auswahlverfahren sei ungerecht, denn es mache von vorneherein die freie Berufsauswahl unmöglich. Auch die Richter in Gelsenkirchen hielten die Regelungen in Teilen für verfassungswidrig und legten die Verfahren den Verfassungsrichtern zur Entscheidung vor.

Zur Klärung hatte das Bundesverfassungsgericht im Oktober nicht nur die Stiftung für Hochschulzulassung (SfH) geladen, die die zentrale Vergabe von Medizin-Studienplätzen organisiert, sondern auch Vertreter der Bundesländer, Sprecher der Medizinstudenten und verschiedener Ärzteverbände, sowie Experten, die von ihren Erfahrungen mit alternativen Zugangstests berichteten.

Rei/koe/dpa/afp

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung