Bundestagswahl Merkels Schlappe stoppt Euro-Rally

Angela Merkel und Horst Seehofer: Die CSU will vor irgendwelchen Koalitionsverhandlungen zunächst einmal den gemeinsamen Kurs von CDU und CSU neu bestimmen

Angela Merkel und Horst Seehofer: Die CSU will vor irgendwelchen Koalitionsverhandlungen zunächst einmal den gemeinsamen Kurs von CDU und CSU neu bestimmen

Foto: Michaela Rehle/ REUTERS
Euro gibt nach: Sorgen in Europa nach der Bundestagswahl

Euro gibt nach: Sorgen in Europa nach der Bundestagswahl

Foto: PHILIPPE HUGUEN/ AFP

16.30 Uhr: Deutschland hat gewählt - und der Euro hat seinen Aufwärtstrend vorerst gestoppt. Der Euro rutschte am Tag zwei nach der Bundestagswahl zeitweise unter die Marke von 1,18 Dollar ab, nachdem er in der vergangenen Woche noch bei 1,20 US-Dollar notiert hatte. Die Wahl in Deutschland ist nicht nur ein Dämpfer für Angela Merkel, sondern auch für Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der im Tagesverlauf an der Pariser Sorbonne-Universität seine Reformpläne für die EU und die Euro-Zone vorstellen will. "Wie realistisch seine Pläne sind, hängt nach dem Wochenende nicht unerheblich davon ab, wie sich die Regierungsbildung in Deutschland gestaltet", sagte Commerzbank-Analystin Esther Maria Reichelt.

14.06 Uhr: Trotz der historischen Wahlniederlage der Sozialdemokraten bleibt Hubertus Heil SPD-Generalsekretär. Das teilte SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann am Dienstag in Berlin mit. Heil wollte eigentlich Parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion werden. Dieser Schlüsselposten geht nun aber an den Vertreter des konservativen SPD-Flügels, den Thüringer Finanzexperten Carsten Schneider. Der rechte Flügel hatte mit Widerstand gegen die Wahl von Andrea Nahles an die Fraktionsspitze gedroht, wenn niemand aus dem konservativen "Seeheimer Kreis" der SPD in der künftigen Fraktionsführung präsent ist. Ob Heil dauerhaft Generalsekretär bleibt, wird sich beim SPD-Parteitag im Dezember zeigen.

13.30 Uhr: Vor Gesprächen über eine Koalitionsbildung fordert die CSU zunächst eine gemeinsame Kursbestimmung mit der CDU. "Es braucht eine klare Richtungsbestimmung innerhalb der Union", sagt CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer. Nach dem enttäuschenden Ergebnis der Union bei der Bundestagswahl und besonders der CSU in Bayern verlangt die CSU angesichts des starken Abschneidens der AfD eine inhaltliche Neubesinnung der Unionsparteien. Scheuer nannte die Themen Zuwanderungsbegrenzung, Integration, Sicherheit sowie Sozialpolitik.

12 Uhr: Die AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry wird aus ihrer Partei austreten. "Klar ist, dass dieser Schritt erfolgen wird", sagte sie am Dienstag in Dresden, allerdings ohne einen genauen Zeitpunkt zu nennen.

Emmanuel Macron: Seine Rede zur Zukunft Europas wird getrübt durch das deutsche Wahlergebnis

Emmanuel Macron: Seine Rede zur Zukunft Europas wird getrübt durch das deutsche Wahlergebnis

Foto: GONZALO FUENTES/ REUTERS

11 Uhr: Die französische Tageszeitung "Le Monde" kommentiert am Dienstag das Ergebnis der Bundestagswahl: "Für Europa, und insbesondere für das Frankreich von Emmanuel Macron, ist diese Wahl eine schlechte Neuigkeit. Zunächst weil Deutschland in einen langen Tunnel der Verhandlungen eintreten wird, die es wahrscheinlich mehrere Monate auf abwesend schalten. Wie 2013 wird die Europäische Union im Leerlauf sein. Das wird umso mehr zutreffen, als die Fragen im Herzen der Verhandlungen - Migranten, Fiskalität, Energiepolitik - auf nationaler und nicht europäischer Basis behandelt werden dürften. Vor allem ist es wahrscheinlich, dass die Deutschen sich am Ende dieser Verhandlungen auf dem Rücken der anderen Europäer einigen. Wegen des Ergebnisses der AfD, aber auch dem der Liberalen, scheint es ausgeschlossen, dass Deutschland stärker bereit sein wird, sich mit den anderen Europäern solidarischer zu zeigen als heute. Mit ihrem Votum vom 24. September haben die Deutschen gezeigt, dass sie sicherlich wollen, dass Frau Merkel weiter das Land führt, aber dass sie ihr auch keinen Blankoscheck geben wollen - weder bei der Aufnahme der Flüchtlinge, noch bei europäischen Fragen."

Alexander Gauland: "Dolchstoß" durch Petry

Alexander Gauland: "Dolchstoß" durch Petry

Foto: REUTERS

10.00 Uhr: Einen Tag nach der Absage der AfD-Vorsitzenden Frauke Petry an eine Beteiligung an der künftigen Bundestagsfraktion wollen die neuen Abgeordneten der Rechtspopulisten zu ihrer ersten Sitzung zusammenkommen. Dabei wird an diesem Dienstag auch eine erste Klärung erwartet, ob es unter den 94 AfD-Parlamentariern weitere gibt, die sich abspalten wollen. Spitzenkandidat Alexander Gauland sagte am Montagabend in der ARD, er könne nicht abschließend beurteilen, ob sich andere AfD-Abgeordnete Petry anschließen wollten. Aber auch bisherige Unterstützer Petrys im Vorstand hätten ihre Entscheidung nicht verstanden. Petry hatte ihr Bundestagsmandat als Direktkandidatin in Sachsen gewonnen, war also nicht über die Parteiliste ins Parlament eingezogen. Am Montag kündigte sie an, sich nicht der Bundestagsfraktion anzuschließen, sondern fraktionslos zu bleiben. Zugleich kritisierte sie - offenbar in Anspielung auf rechtsnationale Töne - "abseitige Positionen" einiger Parteifreunde.

Immer noch da: Jürgen Trittin

Immer noch da: Jürgen Trittin

Foto: Getty Images

9.00 Uhr: Die Grünen stellen sich für Sondierungsgespräche mit Union und FDP breit auf und setzen dabei auch auf Jürgen Trittin. Der Parteilinke und Ex-Bundesminister soll Teil eines 14-köpfigen Teams werden, das die Möglichkeiten für eine Jamaika-Koalition auslotet. Auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist dafür vorgesehen. Ein kleiner Parteitag am kommenden Samstag muss noch zustimmen. Die Leitung der Gespräche liegt bei den Spitzenkandidaten Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir. Der Parteivorstand wolle den Delegierten des Länderrats ein starkes Team vorschlagen, das die Breite der Partei abdecke und neben Fachexpertise auch alle Generationen berücksichtige, sagte Göring-Eckardt.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.