Nach der Bundestagswahl Bundesbank erwartet neue Hellas-Hilfe

Die Bundesbank erwartet einem SPIEGEL-Bericht zufolge bereits kurz nach der Bundestagswahl ein neues Rettungsprogramm für Griechenland. Daran führe kein Weg vorbei. Damit stellt sich das Institut gegen die Haltung der Bundesregierung.
Weitere Leidensrunde: Protest gegen Sparmaßnahmen in Athen

Weitere Leidensrunde: Protest gegen Sparmaßnahmen in Athen

Foto: YORGOS KARAHALIS/ REUTERS

Hamburg - Wie das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL am Sonntag vorab aus einem internen Dokument der Zentralbank zitierte, müssen die Europäer spätestens Anfang 2014 "wohl in jedem Fall ein neues Kreditprogramm mit Griechenland beschließen". Die Experten kritisierten in ihrer Stellungnahme für das Bundesfinanzministerium und den Internationalen Währungsfonds (IWF) demnach die jüngste Kredittranche und die dafür erfolgte Überprüfung durch die Troika, die "politischen Zwängen geschuldet sein" dürfte.

Zwar bestreitet die Bundesbank den Angaben zufolge, dass die Kritik eine Anspielung auf die Bundesregierung beinhalte, die vor der Wahl eine Diskussion über einen Schuldenschnitt verhindern wolle und deshalb die Fortschritte in Griechenland betone. Die Bank kommentiere den Optimismus der Bundesregierung jedoch zurückhaltend: "Wir nehmen die zustimmende Haltung zur Kenntnis", zitierte das Magazin aus dem Dossier.

Die Zurückhaltung sei auch darin begründet, dass laut Bundesbank die Risiken des Rettungsprogramms "außergewöhnlich hoch" blieben, heißt es laut SPIEGEL in dem Bericht. Auch die Leistung der Athener Regierung sei "kaum zufriedenstellend". Es bestünden "erhebliche Zweifel" an deren Fähigkeit, unabdingbare Reformen umzusetzen.

Im Juli hatten der Euro-Rettungsfonds und der IWF 5,7 Milliarden Euro an Griechenland überwiesen. Insgesamt flossen bislang Hilfen von mehr als 200 Milliarden Euro.

Der frühere EZB-Forschungsdirektor Marcel Fratzscher, der inzwischen das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) leitet, erwartet früheren Worten zufolge eine Umschuldung zur Entlastung Griechenlands. Die Bundesregierung hatte zuletzt ihr Nein zu einem zweiten Schuldenschnitt mehrfach bekräftigt.

ak/afp/rtr
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