Montag, 23. September 2019

Der Brexit und die Folgen Der Anfang vom Ende des Euro

Ein Nettozahler weniger: Der Riss in der Eurozone wird sich vertiefen. Der Abschied des Nicht-Euro-Landes Großbritannien dürfte langfristig dazu führen, dass die Eurozone auseinanderbricht

Der Brexit ist keine neue Weltwirtschaftskrise. Dennoch: Die langfristigen Folgen des Votums werden gravierend sein.

Der für alle Akteure an den Finanzmärkten überraschende Austritt Großbritanniens sorgt an den Märkten für große Verunsicherung. In einer ersten Reaktion fiel der Dax Börsen-Chart zeigen um mehr 1000 Punkte, die US-Rendite für 10 Jahre laufende Staatsanleihen sank auf ein historisches Tief und der Euro Börsen-Chart zeigen fiel gegenüber dem US-Dollar unter die Marke von 1,10.

Zwar relativierten sich einige der Entwicklungen wieder, aber die Reaktionen an den Finanzmärkten zeigten die Dramatik sehr deutlich. Dabei hat sich nur ein international - insbesondere ohne den dort dominierenden Finanz- und Immobiliensektor - wirtschaftlich mäßig bedeutendes Land entschieden, einen gemeinsamen Wirtschaftsraum zu verlassen.

Die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft dürften überschaubar sein, da Großbritannien seine historische Bedeutung schon lange nicht mehr hat. Deswegen hat es im Zuge der recht schnell einsetzenden Markterholung nicht lange gedauert, bis erste Stimmen aufkamen, dass der Brexit nicht so schlimm sei. Schließlich könne Großbritannien - ähnlich wie Norwegen - ein Teil der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft bleiben.

Die Fliehkräfte werden zunehmen

Markus Schön
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    Markus Schön
    Markus Schön ist Vermögensverwalter und Autor mehrerer Bücher. Daneben engagiert er sich ehrenamtlich für die gemeinnützige GIVING TREE Stiftung, die benachteiligte Kinder und Jugendliche unterstützt.

Diese Einschätzung ist ebenso falsch wie gefährlich. Der Austritt Großbritanniens ist in einer in weiten Teilen auf Freihandel setzenden Weltwirtschaft in erster Linie kein wirtschaftliches Problem.

Hier kann man sich an bestehende Abkommen anlehnen, ohne allerdings das Signal auszusenden, dass ein Austritt aus der EU ohne Folgen bliebe. Deswegen ist der Vergleich mit Norwegen und einer Zugehörigkeit zur EWG äußerst kritisch. So werden die ohnehin schon großen Fliehkräfte in Europa noch weiter an Kraft gewinnen und noch schneller als erwartet die Eurozone unmittelbar erfassen.

Dabei darf man nicht vergessen, dass der Weg heraus aus dem Euro am ehesten durch einen Austritt aus der EU möglich wird. Im Zuge der Griechenland-Rettung wurde dies intensiv diskutiert. Nun würde aber nach einem Referendum in den Niederlanden oder Finnland nicht der Austritt eines wirtschaftlich und finanziell schwachen Partners drohen, sondern es wäre dann der Austritt eines (bonitäts-)starken Landes aus dem gemeinsamen Währungsraum.

In der Vergangenheit sind Währungsgemeinschaften stets am Austritt eines starken Partners gescheitert. Dies ist für die Eurozone nach dem Referendum in Großbritannien wesentlich wahrscheinlicher geworden.

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