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Börsenjahr 2016: Die Gewinner und Verlierer im Dax

Foto: Boris Roessler/ dpa

Ausverkauf an der Börse Verkaufspanik - wie tief fällt der Aktienmarkt noch?

Um 11 Prozent ist der Dax 2016 bereits gefallen, die Gewinne des Vorjahres sind mehr als aufgebraucht. Börsianer stellen sich jetzt vor allem eine Frage: Wie weit geht es noch runter?

Rund 11 Prozent Minus nach zwei Handelswochen - noch nie ist der deutsche Aktienmarkt so katastrophal in ein Jahr gestartet wie 2016. Wie die Übersicht zeigt, hat im Leitindex Dax  bereits jeder zweite Wert zweistellig an Wert verloren, darunter auch die drei großen deutschen Autobauer BMW , Daimler  und Volkswagen . Bei BMW  betragen die Verluste 2016 sogar 20 Prozent.

Die Kursgewinne aus dem Vorjahr haben sich in den meisten Fällen binnen zehn Handelstagen in Luft aufgelöst. Und schlimmer noch: Gegenüber seinem bisherigen Rekordstand aus dem April 2015 hat der Dax inzwischen mehr als 20 Prozent verloren. Nach der gängigen Definition befindet sich der Markt damit offiziell in einer "Bären-Phase", sprich: in einem echten Abwärtstrend, der vom Pessimismus institutioneller Anleger geprägt ist. Deshalb beschäftigt Börsianer derzeit vor allem: Wie weit geht es noch runter? Kommt jetzt der komplette Ausverkauf?

So viel vorweg: Wer darauf die Antwort kennt, kann sich in etwa so glücklich schätzen, wie die Gewinner des 1,5-Milliarden-Dollar-Lotterie-Jackpots in dieser Woche in den USA. Denn so viel wert wäre auch eine präzise Vorabkenntnis der Kursverläufe an der Börse - mindestens. Doch diese Kenntnis hat niemand, im Gegenteil: Die meisten Prognosen zum Aktienmarkt gehen regelmäßig daneben.

Wenig hilfreich ist auch der Blick in die Vergangenheit, ein ohnehin zweifelhafter Weg, um zu Erkenntnissen über die Zukunft zu gelangen. In Bezug auf die aktuelle Marktlage lässt sich zudem feststellen: Eine vergleichbare Situation ist in der jüngeren Börsengeschichte nur schwer zu finden.

Starke Abschwünge gab es zuletzt von 2000 bis 2003 und von 2007 bis 2009. Im letzteren Fall rauschten die Kurse letztlich um mehr als 50 Prozent in den Keller, bevor die Wende einsetzte. Nach dem Platzen der Dot-Com-Blase Anfang des Jahrtausends kam es sogar noch heftiger. Der Dax stürzte von mehr als 7600 Punkten auf etwa 2400 Punkte ab - etwa zwei Drittel des Marktvolumens lösten sich dabei in Luft auf.

Indizes rauschen abwärts - auch ohne Bankenpleiten und andere externe Schocks

Im Unterschied zu heute gab es in den genannten Fällen für die Kursverluste allerdings damals sehr konkrete Auslöser. Von 1999 bis 2000 hatte sich nach einhelliger Meinung eine veritable Spekulationsblase am Aktienmarkt gebildet. Und 2007 löste der Zusammenbruch des US-Hypothekenmarktes die große Finanz- und Weltwirtschaftskrise aus.

Externe Schocks dieses Kalibers sind derzeit kaum auszumachen. Zwar platzt auch gegenwärtig eine Spekulationsblase am chinesischen Aktienmarkt. Obwohl es deshalb auch in Frankfurt, New York und anderswo in der Welt schon zu Erschütterungen kam, gilt jedoch: Der Einfluss von Shanghai und Shenzhen auf das Börsengeschehen weltweit dürfte kaum so groß sein, dass sich die Verluste eins zu eins im Ausland fortsetzen.

Auch andere Störfaktoren, die Anleger zurzeit nervös machen können, wiegen für sich genommen nicht so schwer. Die Zinswende in den USA, die schwächelnde Konjunktur in China sowie die wachsenden politischen Spannungen weltweit sorgen zwar für Unruhe, sind aber kein Anlass für eine Börsenpanik.

Crash am Ölmarkt als Anlass für weitere Verkäufe

In dieser Woche wurde vor allem der weitere Sturz des Ölpreises von vielen Investoren zum Anlass genommen, sich auch von Aktien zu trennen. Ob der Ölpreis-Sturz wirklich als Zeichen für eine weltweite Konjunkturschwäche zu sehen ist oder schlicht eine Folge des Überangebots am Ölmarkt, bleibt umstritten.

Schließlich gibt es auf der anderen Seite auch Argumente, die eher für steigende oder wenigstens stabile Kurse sprechen. "Die Europäische Zentralbank verteilt nach wie vor große Mengen an Liquidität. Auch die Aktienbewertungen, gemessen etwa am Kurs-Buchwert-Verhältnis, erscheinen noch moderat", sagt beispielsweise Martin Utschneider, Analyst bei der Privatbank Donner & Reuschel.

Was bleibt, ist ein diffuses Fazit: Die Kurse fallen, aber es ist kaum deutlich zu erkennen, warum das so ist. Möglicherweise herrscht unter Investoren nach sechs Jahren stetigen Aufwärtstrends schlicht die Stimmung vor, dass es wieder mal an der Zeit ist für eine Marktbereinigung der gründlicheren Art.

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manager-magazin.de / Wochit
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