Donnerstag, 22. August 2019

Deutscher Profigolfer im US-Politchaos Trump nennt Bernhard Langer als Kronzeugen für Wahlbetrug

Bernhard Langer

Drei bis fünf Millionen Wählerstimmen sind aus der Sicht von Donald Trump unrechtmäßig abgegeben worden. Diese stammten von illegalen Einwanderern und seien an seine demokratische Konkurrentin Hillary Clinton gegangen. Damit hatte Clinton das sogenannte popular vote gewonnen. Sie erhielt knapp 2,9 Millionen Wählerstimmen mehr als Trump, der dank des US-Wahlsystems mit Wahlmännerkollegium trotzdem ins Weiße Haus einzog. Der Republikaner kann das offenbar nicht akzeptieren, er wittert Wahlbetrug - und will nun einen triftigen Beweis gefunden haben.

Denn als ein Demokrat die Darstellung Trumps bei einem Treffen im Weißen Haus anzweifelt, berichtet Trump von der Geschichte seines "berühmten Freundes", dem deutschen Golfer Bernhard Langer. Das berichtet die "New York Times", die sich auf die Aussagen von Mitarbeitern bezieht, die demnach vor Ort waren.

Bernhard Langer, so soll Trump erzählt haben, sei an einem Wahllokal in Florida abgewiesen worden. Mit ihm hätten aber Personen in der Schlange gestanden, die nicht aussahen, als sollten sie wählen dürfen. Die angeblich unrechtmäßigen Wähler stammten Trump zufolge vermutlich aus lateinamerikanischen Ländern.

Das Problem an der Geschichte: Bernard Langer lebt zwar in Florida und hat eine permanente Aufenthaltserlaubnis. Allerdings ist er kein US-Bürger und darf gar nicht an den Wahlen teilnehmen. Das erklärte Langers Tochter Christina auf Nachfrage der "New York Times". "Er ist kein Freund von Präsident Trump, und ich weiß nicht, warum er über ihn reden würde."

Ein Mitarbeiter des Weißen Haus, der bei dem Treffen im Weißen Haus nicht anwesend war, meint laut der Zeitung dagegen, dass der US-Präsident den Golfer am Thanksgiving-Wochenende in Florida gesehen habe. Langer habe ihm da die Geschichte eines Freundes erzählt, dem es verwehrt worden sei, seine Stimme abzugeben.

Langer selbst teilte am Donnerstag mit, es handle sich um eine Falschdarstellung der Medien. Er selbst habe eine ähnliche Geschichte von einem Freund gehört und einem anderen Freund weitererzählt, der wiederum Verbindungen ins Weiße Haus habe. Dort sei sie möglicherweise missverstanden worden. "Stille Post" - mit Folgen für die große Politik.

Die "Times" sieht sogar einen Zusammenhang zwischen der zweifelhaften Anekdote und Trumps Entschluss, mit dem Mauerbau an der mexikanischen Grenze Ernst zu machen.

ak/mho/dpa

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