Frankreich - Stichwahl am 7. Mai wird zur Abstimmung über Europa Macron und Le Pen gehen in die Stichwahl - Euro steigt auf Fünfmonatshoch

Wahl in Frankreich: Macron hat den ersten Wahlgang gewonnen und geht mit Marine Le Pen in die Stichwahl

Wahl in Frankreich: Macron hat den ersten Wahlgang gewonnen und geht mit Marine Le Pen in die Stichwahl

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Emmanuel Macron: Dieser Mann ist Favorit auf Frankreichs Präsidentenamt

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22.10 Uhr: Der Euro  hat am Montagmorgen (Ortszeit) mit kräftigen Gewinnen auf den Ausgang der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen reagiert. Die Gemeinschaftswährung stieg im frühen Handel im neuseeländischen Auckland zum US-Dollar auf den höchsten Stand seit fünf Monaten und kostete zuletzt 1,0933 Dollar. Das ist ein Gewinn von 1,9 Prozent im Vergleich zum Freitagabend. Der Sieg des europafreundlichen Emmanuel Macron stützte die Gemeinschaftswährung. Anleger gehen davon aus, dass Macron sich in der Stichwahl am 7. Mai gegen die rechtspopulistische Marine Le Pen durchsetzen wird. Während Le Pen Frankreich aus der EU herausholen möchte, hat Macron ein klares Bekenntnis zur EU abgelegt.

22.00 Uhr: In den jüngsten Umfragen wird Emmanuel Macron eine Mehrheit von mehr als 60 Prozent bei der Stichwahl am 7. Mai zugesprochen. Marine Le Pen kommt laut der Umfrage lediglich auf rund 38 Prozent. "Ich bin sicher, Macron wird der neue französische Präsident. Er war der einzige proeuropäische Kandidat, der sich nicht versteckt hat hinter Vorurteilen gegenüber Europa", sagte Außenminister Sigmar Gabriel am Abend.

21.00 Uhr: Der konservative französische Präsidentschaftskandidat Francois Fillon hat seine Niederlage im ersten Wahlgang eingestanden und dem unabhängigen Bewerber Emmanuel Macron seine Unterstützung zugesagt. Fillon sagte am Wahlabend vor Anhängern in Paris, er werde bei der Stichwahl in zwei Wochen am 7. Mai für Macron stimmen. Den ersten Umfragen zufolge wird der pro-europäisch eingestellte frühere Wirtschaftsminister Macron dann gegen die Kandidatin des rechtsextremen Front National, Marine Le Pen, antreten. Fillon begründete seine Unterstützung für Macron damit, dass Le Pen das Land ins Unglück führen würde. Zugleich rief er seine eigenen Anhänger dazu auf, nun die Parlamentswahl im Juni in den Blick zu nehmen.

20 Uhr: Der Mitte-Links-Politiker Emmanuel Macron und die Rechtspopulistin Marine Le Pen haben die erste Runde der französischen Präsidentschaftswahl nach ersten Hochrechnungen unmittelbar nach Schließung der Wahllokale (20 Uhr) gewonnen. Wie die Sender France 2 und TF1 am Sonntag berichteten, konnten der Ex-Wirtschaftsminister und die Chefin der rechtsextremen Front National (FN) sich für die Stichwahl am 7. Mai qualifizieren.

Macron lag laut France 2 mit 23,7 Prozent vor Le Pen mit 21,7 Prozent. Die Hochrechnung von TF1 sah beide Kandidaten auf Augenhöhe mit 23 Prozent. Die 48-Jährige Le Pen schnitt damit wesentlich besser ab als vor fünf Jahren, als sie im ersten Wahlgang 17,9 Prozent der Stimmen geholt hatte.

Macron mit 23,7 nur knapp vor Le Pen mit 21,7 Prozent

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Das gute Ergebnis Le Pens ist für viele Franzosen und Europäer ein Schock. Denn die FN-Chefin will die Euro-Währung in Frankreich abschaffen und ihre Mitbürger über die EU-Mitgliedschaft abstimmen lassen. Der entscheidende zweite Wahlgang am 7. Mai dürfte damit auch zu einer Abstimmung über Europa werden. Macron, Chef der politischen Bewegung "En Marche!" (Auf dem Weg), ist europafreundlich eingestellt.

Ein Sieg Le Pens in der Stichwahl in zwei Wochen wäre nach dem Brexit-Votum und dem Triumph von Donald Trump in den USA der dritte große Erfolg von nationalistischen Populisten.

Wahlbeteiligung durchschnittlich

Etwa 47 Millionen Franzosen waren zur Wahl des Nachfolgers von Präsident François Hollande aufgerufen. Insgesamt wollten elf Kandidaten den Sozialisten beerben. Hollande hatte sich nicht mehr für eine weitere Amtszeit beworben. Der französische Staatschef hat weitreichende Machtbefugnisse und amtiert fünf Jahre.

In Frankreich läuft die europaweit mit Spannung erwartete Präsidentenwahl. In einer ersten Runde entscheiden die Bürger am Sonntag darüber, welche beiden der elf Kandidaten am 7. Mai in die Stichwahl einziehen. In Umfragen lagen vier Kandidaten bis zuletzt eng beieinander.

Favoriten sind der sozialliberale Ex-Wirtschaftsminister Emmanuel Macron und die rechtsextreme Euro-Gegnerin Marine Le Pen. Der Linkskandidat Jean-Luc Melenchon, der ebenfalls EU-skeptische Positionen vertritt, und der konservative Ex-Ministerpräsident Francois Fillon lagen in letzten Umfragen rund vier Punkte hinter dem Führungsduo.

Bis Sonntagmittag war die Wahlbeteiligung mit gut 28 Prozent in etwa so hoch wie vor fünf Jahren. Insgesamt sind 47 Millionen Bürger zur Stimmabgabe aufgerufen, die unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen stattfindet. Mit ersten Prognosen wird um 20.00 Uhr gerechnet.

Erste Prognosen ab 20 Uhr - Wahlbeteiligung bislang durchschnittlich

Die vier führenden Kandidaten gaben ihre Stimme bis zum Mittag ab. Macron rief seine Landsleute auf, auf jeden Fall von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. "Angesichts der Zeiten, in denen wir leben, ist es entscheidend, seine Stimme abzugeben, egal für wen." 2012 lag die Wahlbeteiligung bei knapp 80 Prozent. Die Zahlen von 12.00 Uhr deutete darauf hin, dass es eine ähnlich hohe Beteiligung geben könnte. In Umfragen war mit einer niedrigeren Zahl gerechnet worden.

Auch bei den Auslandsfranzosen in der EU war das Interesse groß: In Berlin und London bildeten sich vor den französischen Botschaften lange Schlangen. Als erste waren die Bewohner der französischen Überseegebiete bereits am Samstag zur Stimmabgabe aufgerufen.

Den Umfragen zufolge hat Macron die besten Chancen, in zwei Wochen zum Präsidenten gewählt zu werden, unabhängig davon, wer gegen ihn antritt.

Doch Meinungsforscher mahnen zur Vorsicht. Noch hätte jeder der vier Führenden die Chance, in die zweite Runde einzuziehen. So holte zuletzt Ex-Ministerpräsident Fillon trotz der Scheinbeschäftigungsaffäre um seine Frau in den Umfragen leicht auf. "Es ist gibt nicht mehr die klassische Trennung zwischen links und rechts", sagte Jerome Fourquet vom Meinungsforschungsinstitut Ifop. "Macron präsentiert sich als Progressiver gegen Konservative, Le Pen als Patriotin gegen die Globalisierer."

Rund ein Drittel der Wähler kurz vor der Wahl noch unentschlossen

Für Unsicherheit sorgt auch die große Zahl der Unentschlossenen: Knapp ein Drittel der Wähler wusste Umfragen zufolge bis zuletzt nicht, wie sie abstimmen würden. "Ich habe keine Ahnung, für wen ich stimmen werde", sagte die 60-jährige Pierrette Prevot in Paris. "Es ist eine Katastrophe. Ich gehe wählen, aber nur weil es meine Pflicht ist."

Insbesondere an den Finanzmärkten wird gefürchtet, dass es zu einer Stichwahl zwischen Le Pen und dem Linkspolitiker Melenchon kommen könnte. Le Pen lehnt den Euro ab und befürwortet die Rückkehr zu nationalen Währungen. Melenchon will ein Referendum über einen EU-Austritt abhalten lassen, sollten Bundeskanzlerin Angela Merkel und andere EU-Regierungschefs sich einem radikalen Kurswechsel weg von der Sparpolitik widersetzen. Außerdem befürwortet er einen Austritt aus der Nato.

EZB gibt sich gelassen - "Sind auf alles vorbereitet"

Die EZB zeigte sich für alle Eventualitäten gerüstet. Ratsmitglied und Bundesbankpräsident Jens Weidmann sagte, man könne grundsätzlich davon ausgehen, "dass wir immer auf alles vorbereitet sind." Die Ratsmitglieder Ewald Nowotny und Ignazio Visco erklärten, die europäische Zentralbank könne bei Bedarf nach der ersten Runde französische Banken stützen. Er gehe aber nicht davon aus, dass dies notwendig sein werde, sagte Nowotny.

Auch der französische EU-Währungskommissar Pierre Moscovici gab sich gelassen. "Ich verstehe, dass das Szenario einer zweiten Runde zwischen Marine Le Pen und Jean-Luc Melenchon das Ausland sehr beunruhigt. Aber es ist unwahrscheinlich, dass einer von beiden Präsident wird", sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Nach dem tödlichen Anschlag auf Polizisten in Paris am Donnerstagabend findet die Abstimmung unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen statt. 50.000 Sicherheitskräfte sind im Einsatz, um die Wahl zu schützen. In den vergangenen beiden Jahren kamen in Frankreich mehr als 230 Menschen bei Anschlägen ums Leben. Erst in dieser Woche wurden in Marseille zwei Männer festgenommen, die den Ermittlungen zufolge einen Anschlag vor der Wahl geplant hatten.

Warum die Franzosen schon auf die nächsten Wahlen schauen

Die Wahl des französischen Präsidenten gilt als Schicksalswahl für Europa. Doch welchen Kurs das Land in den kommenden fünf Jahren fährt, hängt auch von der Parlamentswahl am 11. und 18. Juni ab. Denn obwohl der französische Staatschef sehr viel Macht hat, schrumpft sein Einfluss ohne eine Parlamentsmehrheit zusammen. Dann wäre er nämlich gezwungen, eine Regierung aus Politikern eines anderen politischen Lagers zu ernennen.

Eine solche Zweiteilung der Exekutive wird als "Kohabitation" bezeichnet, der Premierminister wird dann deutlich wichtiger. Es könnte sogar eine Blockade des Landes drohen. Um das zu verhindern, wählt Frankreich Präsident und Parlament beide im Fünf-Jahres-Rhythmus und kurz nacheinander. Das erhöht die Chancen, dass der Staatschef auch eine Mehrheit im Parlament bekommt.

Doch diesmal ist alles etwas anders. Konkretes Beispiel: Der Sozialliberale Emmanuel Macron tritt unabhängig von den traditionellen Parteien an. Ob die Parlamentskandidaten seiner erst vor gut einem Jahr gegründeten Bewegung "En Marche!" selbst nach einem Erfolg Macrons genug Wahlkreise gewinnen könnten, ist fraglich. Auch im Fall eines Siegs der EU-Feindin Le Pen erscheint eine Parlamentsmehrheit für ihre Front National eher unwahrscheinlich.

Das französische Mehrheitswahlrecht macht den Ausgang schwer kalkulierbar: Da alle 577 Abgeordneten direkt gewählt werden, zählen nur die Kräfteverhältnisse in den einzelnen Wahlkreisen. Meist entscheiden Stichwahlen - und da kommt es dann auf die Konstellationen und mögliche Bündnisse vor Ort an.

von Ingrid Melander, Reuters

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