Mehrheit gegen große Scheine und kleine Münzen Die Deutschen lieben Bargeld? Stimmt nicht so ganz

Der 500-Euro-Schein, alias "Bin Laden": Schon mal in echt gesehen?

Der 500-Euro-Schein, alias "Bin Laden": Schon mal in echt gesehen?

Foto: DPA

Lila ist der Schein, 160 mal 82 Millimeter groß, vorn zeigt er einen modernen Stahl-Glas-Bau und hinten eine Schrägseilbrücke. Das muss man wissen, denn neuerdings gilt der 500-Euro-Schein als Symbol der Freiheit, weil die Europäische Zentralbank ihn abschaffen will. Andererseits haben die meisten Bürger der Euro-Zone die große Banknote noch nie selbst gesehen, obwohl sie rund 30 Prozent der umlaufenden Bargeldsumme ausmacht.

Die Zielgruppe, für die Europas Gelddruckereien mit dem lila Schein arbeiten, ist vor allem das organisierte Verbrechen, wie eine aktuelle Harvard-Studie  belegt. Mehrheitlich landen die deutschen Noten nach Auffassung der Bundesbank ohnehin schnell in Russland. Der legitimste Einsatz scheint noch zu sein, griechische Matratzen zu stopfen  (als Reaktion auf die im vergangenen Jahr auf Druck der Euro-Partner eingeführten Kapitalkontrollen und die Grexit-Angst).

Wozu also noch der Aufwand? Das stärkste Argument dafür scheint noch die öffentliche Meinung zu sein, vor allem im monetär konservativ eingestellten Deutschland.

Fotostrecke

Mobile Payment: Wer im Milliardenmarkt das Sagen hat

Foto: Justin Sullivan/ Getty Images

Aber auch dieses Argument wackelt. Denn eine neue repräsentative Umfrage der Marktforschungsgesellschaft GfK im Auftrag des Bankenverbands zeigt, dass die Bargeldliebe der Deutschen durchaus Grenzen kennt.

"Mehrheit der Deutschen ist gegen eine Begrenzung von Bargeldzahlungen", hat der Verband zwar ganz konservativ seine Pressemitteilung betitelt. Wirklich interessant wird die Umfrage  aber in Details, die dieser Aussage widersprechen.

So unbeliebt sind die Glücks-Cents wirklich

Denn vom derzeit in der Diskussion stehenden 500-Euro-Schein würde sich eine relative Mehrheit von 45 Prozent (gegen 34 Prozent, die das "schlecht" oder "nicht so gut" fänden) gern trennen.

Schwindende Bedeutung: Bares im Vergleich zu elektronischem Geldumlauf

Schwindende Bedeutung: Bares im Vergleich zu elektronischem Geldumlauf

Foto: manager magazin online

Noch deutlicher ist die Ablehnung gegenüber 1- und 2-Cent-Münzen mit 61 zu 33 Prozent. Sie belasten Geldbeutel und Taschen mit ihrem Gewicht oder lagern vergessen in Einmachgläsern und nützen vor allem Händlern mit psychologisch tückischen 99-Cent-Preisen.

Auch über dieses Kleingeld, dessen Produktionskosten den Nennwert deutlich übersteigen, hatte die EZB in den vergangenen Jahren diskutiert. Da intervenierte jedoch der für Bargeld zuständige Bundesbankvorstand Carl-Ludwig Thiele (FDP), man dürfe den Deutschen nicht ihre Glücks-Cents nehmen.

Die Mehrheit gegen eine Bargeldobergrenze von 58 zu 37 Prozent ist zwar deutlich, stützt sich aber auf eine fiktive Grenze von 1000 Euro. Solche Limits werden zwar in anderen Ländern wie Griechenland durchaus gesetzt, der Vorschlag aus dem Berliner Bundesfinanzministerium aber nennt stattdessen 5000 Euro. Gut möglich also, dass die Frage mit einer realistischen Bezugsgröße auf eine andere Antwort gestoßen wäre.

Eine Welt völlig ohne Münzen und Scheine - die wirtschaftlich längst untergeordnete Bedeutung haben - mögen sich zwar nur 8 Prozent vorstellen. Diese Perspektive steht allerdings kaum ernsthaft zur Debatte, einen Verfechter müsste der Bankenverband schon in den eigenen Reihen suchen: Deutsche-Bank-Chef John Cryan hatte im Januar geäußert, dass es in zehn Jahren wohl so weit sein werde. Das war aber wohl mehr Prognose als Willensbekundung.


Alle relevanten News des Tages gratis auf Ihr Smartphone. Sichern Sie sich jetzt die neue kostenlose App von manager-magazin.de. Für Apple-Geräte hier  und für Android-Geräte hier . Viel Vergnügen bei der Lektüre!