Montag, 16. September 2019

Steuerskandal Beraterfirmen halfen Großkonzernen bei Steuertrickserei in Luxemburg

Skype: Datensätze eines Whistleblowers

Die Affäre um Steuervorteile für internationale Großkonzerne in Luxemburg weitet sich aus: Auch Skype und Disney profitierten. Große Beraterfirmen wie PWC, Deloitte, Ernst & Young oder KPMG sind in die Steuerpraktiken verstrickt.

Brüssel/Hamburg - Die Affäre um extrem lukrative Steuervorteile für internationale Großkonzerne in Luxemburg zieht weitere Kreise. Entsprechende Absprachen mit den Finanzbehörden hatten unter anderem auch der Internetkonzern Skype, Disney Börsen-Chart zeigen und der Hygieneartikelhersteller Reckitt Benckiser Börsen-Chart zeigen, wie NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf Datensätze berichteten, die einWhistleblower dem Internationalen Konsortium für Investigative Journalisten (ICIJ) vergangenen Monat zugespielt hat.

Die Dokumente zeigen demnach auch, dass fast alle großen Beraterfirmen mit der Luxemburger Verwaltung zusammengearbeitet haben. Nun tauchten neben Pricewaterhouse-Coopers auch Deloitte, Ernst & Young sowie KPMG in den Daten auf, hieß es.

Erfasst sind dem Bericht zufolge rund 50 sogenannter "Advance Tax Agreements" für 35 Firmen. Darin haben sich die Konzerne zum Teil Steuerraten von weniger als einem Prozent auf die nach Luxemburg verlagerten Gewinne zusichern lassen. Die erwähnten Konzerne und die Beraterfirmen Deloitte, Ernst & Young und KPMG teilten dem NDR dazu mit, sich an die geltenden Gesetze zu halten.

Die Praxis verstößt nicht gegen Luxemburger Gesetze. Die Regierung erklärte dazu, das Land wolle künftig betroffene Länder verstärkt informieren. Berichte über Steuertricks sind vor allem für den neuen Chef der EU-Kommission Jean-Claude Juncker misslich, weil er im Großherzogtum lange Premier und Finanzminister war.

Laut einem Pressebericht erwägt die EU-Kommission, Unternehmen zur Offenlegung von individuellen Absprachen mit dem Fiskus von EU-Staaten zu zwingen. Das Gremium prüfe, ob sich eine entsprechende Berichtspflicht gesetzlich vorschreiben lasse, berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf EU-Kommissionskreise. Konkret denke die Behörde an den jährlichen Geschäftsbericht der Unternehmen.

Juncker hat bereits angekündigt, einen automatischen Informationsaustausch zwischen den Mitgliedstaaten über die steuerlichen Sondervereinbarungen einzuführen. Die Berichtspflicht für die Unternehmen über Steuerdeals komme nun laut der Zeitung als zweite Initiative hinzu.

ts/dpa-afx

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