Mittwoch, 18. September 2019

Nach Troika-Rauswurf Athen heuert Investmentbank für zweiten Schuldenschnitt an

Völlig konsterniert: Euro-Gruppenchef Jeroen Dijsselbloem (l.) muss gerade anhören wie Griechenlands neuer Finanzminister vor der Presse die Zusammenarbeit mit Athens Geldgebern aufkündigt

In Rambo-Manier kündigte Griechenlands Finanzminister die Gespräche mit der Troika auf. Nun sollen die Gläubiger erneut per Schuldenschnitt bluten. Dafür holt Athen eine französische Investmentbank ins Boot.

Athen - Weil Athens neue Regierung die Sparauflagen von EU, EZB und IWF ablehnt, hat sie die Zusammenarbeit mit der Troika Ende dieser Woche aufgekündigt. Athen verzichte auf die letzte Tranche des laufenden Hilfsprogramms und lehne jede weitere Kooperation mit der Troika ab, hatte Finanzminister Yanis Varoufakis am Freitag erklärt. Damit steuert Griechenland auf die Pleite zu.

Zugleich will Griechenland seine Gläubiger offenbar dazu zwingen, erneut auf Schulden zu verzichten. Denn Athen hat zur Vorbereitung eines weiteren Schuldenschnitts eine Investmentbank als Berater engagiert.

Es handelt sich um das in Frankreich ansässige Finanzberatungsinstitut Lazard, teilte das Büro des griechischen Finanzministers Gianis Varoufakis mit.

Es ist die gleiche Bank, die Griechenland beim ersten Schuldenschnitt für private Gläubiger 2012 beraten hatte, hieß es aus Kreisen des Ministeriums am Sonntag. Damals wurden Griechenlands Schulden um mehr als 100 Milliarden Euro reduziert.

Der größte Teil des griechischen Schuldenberges - rund 200 Milliarden Euro - ist nun in den Händen öffentlicher Gläubiger, die einen Schuldennachlass gegenüber den übrigen Steuerzahlern in der Euro-Zone rechtfertigen müssten.

Bundesregierung lehnt weiteren Schuldenerlass strikt ab

Die neue Regierung in Athen strebt dennoch einen weiteren Schuldenschnitt an, um langfristig mehr finanziellen Spielraum für das Land zu schaffen. Brüssel lehnt dies jedoch bisher ab. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) hatten am Wochenende erneut betont, ein zweiter Schuldenerlass für Athen stehe nicht an.

Varoufakis hatte am Freitagabend in einer gemeinsamen Pressekonferenz Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem gegenüber öffentlich erklärt, Athen werde nicht mehr mit der Troika der Geldgeber-Kontrolleure zusammenarbeiten.

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz hat daraufhin Griechenlands neuen Regierungschef Alexis Tsipras ausdrücklich gewarnt. Griechenland brauche die Hilfe der Bundesregierung. Wenn Tsipras aber glaube, er könne die Troika nach Hause schicken und die Europäer finanzierten ihm seine Wahlversprechen, habe er sich getäuscht, sagte Schulz der "Welt am Sonntag".

Er riet ihm zudem, seine Angriffe auf Bundeskanzlerin Angela Merkel zu beenden. "Es mag bei manchen vielleicht gut ankommen, auf die Deutschen einzuprügeln, aber es ist auch kurzsichtig und bringt uns nicht weiter."

Finanzminister Yanis Varoufakis wird am Sonntag mit seinem französischen Kollegen Michel Sapin in Paris zu Beratungen zusammentreffen. Der Eklat vom Freitag zieht indes unter griechischen Zeitungskommentatoren am Sonntag zahlreiche Warnungen und Ratschläge an die neue Links-Rechts-Regierung nach sich. Eine Auswahl:

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