Kampf gegen Separatisten 49 Soldaten sterben bei Flugzeug-Abschuss in der Ost-Ukraine

In der Ost-Ukraine haben nach Regierungsangaben prorussische Aktivisten eine Militärmaschine abgeschossen, 49 Soldaten starben. Bis heute will Kiew die Grenze zwischen der Ukraine und Russland wieder unter Kontrolle haben - und entschlossen sichern.
Iljuschin IL-76 (Archivbild): Angriff mit Boden-Luft-Raketen und großkalibrigen Maschinengewehren

Iljuschin IL-76 (Archivbild): Angriff mit Boden-Luft-Raketen und großkalibrigen Maschinengewehren

Foto: REUTERS/ Richard Wainwright

Lugansk - Beim Abschuss eines Militärflugzeugs in der Ukraine sind nach Angaben eines Armeesprechers vermutlich 49 Soldaten ums Leben gekommen. Die Transportmaschine vom Typ Iljuschin IL-76 sei beim Anflug auf einen Flughafen der Großstadt Lugansk von Aufständischen mit Raketen und Maschinengewehren angegriffen worden, sagte Wladislaw Selesnjow der Agentur Interfax zufolge.

"Zur Zeit werden die Listen geprüft. Die genauen Daten liefern die Such- und Rettungsmannschaften. Derzeit kann man nach vorläufigen Angaben von 49 Toten sprechen", sagte Selesnjow.

Das Flugzeug wurde in der Nacht attackiert, wie das Verteidigungsministerium mitteilte. "Terroristen" hätten die Maschine mit Boden-Luft-Raketen und großkalibrigen Maschinengewehren beschossen. Die militanten Aufständischen hatten den Abschuss zunächst weder bestätigt noch dementiert.

In Lugansk und Umgebung gehen Regierungstruppen der Ex-Sowjetrepublik seit Wochen gegen prorussische Separatisten vor, die dort eine "Volksrepublik" ausgerufen haben. Ziel sei es, ab Samstag wieder die gesamte Grenze zu Russland unter Kontrolle zu haben. Einheiten mit gepanzerten Fahrzeugen würden an allen Grenzstraßen Präsenz zeigen und bewaffnete Eindringlinge angreifen, kündigte ein Sprecher des Innenministeriums in Kiew nach Interfax-Angaben an.

Angeblich rollen russische Panzer über die Grenze

Die russisch-ukrainische Landgrenze ist mit knapp 2000 Kilometern die längste in Europa. Sie verläuft zumeist durch dünn besiedelte Gebiete. Zuletzt hatten ukrainische Regierungseinheiten nach eigenen Angaben einen rund 120 Kilometer langen Gebietsstreifen unter ihre Kontrolle gebracht, den die Grenztruppen zuvor aufgegeben hatten. Jedoch sei ein rund 184 Kilometer langer Abschnitt noch in der Gewalt der Separatisten, räumten die ukrainischen Grenztruppen ein.

Experten in Kiew schließen nicht aus, dass über diesen Grenzbereich aus Russland Waffen an die Aufständischen geliefert werden könnten. Der neue ukrainische Präsident Petro Poroschenko hatte sich bei einem Telefonat mit Kremlchef Wladimir Putin über das angebliche Eindringen russischer Panzer auf ukrainisches Staatsgebiet beschwert.

Die Sprecherin der US-Außenministeriums, Marie Harf, sagte, es gebe "überzeugende Beweise" dafür, dass sich die Separatisten schwere Waffen und andere Ausrüstung aus Russland beschafft haben, darunter auch Panzer. Letztere seien "irgendwie aus russischen Legerhäusern" geholt worden. Jemand habe den Separatisten beigebracht, sie zu benutzen, "und sie wurden aus Russland in die Ukraine geschickt". Berichte, nach denen es sich um ukrainische Panzer handele, die von Separatisten gestohlen worden seien, träfen nicht zu, sagte die Sprecherin.

Grenzsicherung mit Elektrozaun und Minen

Der Gouverneur von Dnjepropetrowsk, der Milliardär Igor Kolomoiski, schlug den Bau eines 1920 Kilometer langen Elektrozauns mit Stacheldraht und Minen an der gemeinsamen Grenze zu Russland vor. Das rund 100 Millionen Euro teure Projekt sei nötig, um die "aggressive Politik gegenüber der Ukraine" zu stoppen, sagte Kolomoiski.

Im milliardenschweren Gasstreit mit Russland bereitet die ukrainische Führung derweil die eigene Bevölkerung auf einen bevorstehenden Lieferstopp vor. Ab Montag sei mit einer Unterbrechung der russischen Exporte zu rechnen, teilte der ukrainische Regierungschef Arseni Jazenjuk mit. Dann läuft eine Frist Moskaus aus. Die Fronten sind verhärtet.

Bereits in den vergangenen Jahren war es im Streit um offene Rechnungen zu Unterbrechungen der Gaslieferungen an die Ukraine gekommen. Das bekamen auch Abnehmer in der Europäischen Union zu spüren. Die Ukraine ist das wichtigste Transitland für den Energiefluss in den Westen. Kiew hat nach eigenen Angaben nicht ausreichend Mittel im Staatsbudget, um die Milliarden-Schulden bei Russland zu begleichen.

Bei schweren Gefechten vertrieben Regierungseinheiten nach eigenen Angaben die prorussischen Separatisten aus dem Zentrum der Großstadt Mariupol am Asowschen Meer. Die Armee setzte demnach Granatwerfer und gepanzerte Fahrzeuge ein. Mindestens fünf Aufständische seien getötet und vier Soldaten verletzt worden, teilte Innenminister Arseni Awakow mit. "Über dem Rathaus weht wieder die ukrainische Flagge."

Bei Kämpfen im Gebiet Donezk erlitten die militanten Gruppen dem Verteidigungsministerium zufolge bedeutende Verluste. So seien bei der Ortschaft Stepanowka bereits am Donnerstag mehr als 40 Separatisten getötet worden.

ts/dpa
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