Mittwoch, 16. Oktober 2019

Unbezahlte Strafen Das leichte Leben der verurteilten Finanzbetrüger

Jordan Belfort: Der echte "Wolf of Wall Street" hat von 110 Millionen Dollar Strafe bislang nur 11,8 Millionen gezahlt - und kassiert neben Redehonoraren auch Geld für die Filmrechte an seinem Buch

Das US-Justizministerium sitzt auf einem gewaltigen Schatz: fast 100 Milliarden Dollar an Forderungen gegen verurteilte Anlagebetrüger, so viel wie noch nie. Nur leider lässt sich das Geld nicht eintreiben. Mitunter ist die Ermittlung teurer als die tatsächlich gezahlte Strafe.

Hamburg - Jordan Belfort hat allen Grund dazu, gegen Geld Motivationsreden zu halten. Die Botschaft: Du kannst es schaffen! Wer könnte das glaubwürdiger vermitteln als der echte "Wolf of Wall Street", der im Hollywood-Streifen von Leonardo DiCaprio gespielt wird? Nicht nur DiCaprio hat Belfort zu einem "leuchtenden Beispiel" geadelt, das zeige, wie man mit harter Arbeit wieder seinen Weg finde. Happy End, zehn Jahre nach dem Urteil wegen massenhaften Anlagebetrugs können die Taten der Vergangenheit auch mal verziehen werden.

Tatsächlich hat Belfort von 110 Millionen Dollar Strafe bislang nur 11,8 Millionen gezahlt und von vier Jahren Gefängnis weniger als die Hälfte abgesessen. Neben den Redehonoraren bezieht er Einkommen aus dem Buch über seine Lebensgeschichte, für das er auch die Filmrechte verkauft hat. Zugleich hat das US-Justizministerium Probleme, zumindest einen Teil der ausstehenden Strafe einzutreiben.

Das "Wall Street Journal" zitiert eine Opferanwältin, ihre Mandanten seien "empört, dass Mr Jordan so gut lebt, ohne ihnen eine Entschädigung gezahlt zu haben". Das "Journal" hat ermittelt, wie stark die Kluft zwischen verhängter und geleisteter Strafe klafft. Der Fall Jordan ist durchaus repräsentativ.

Nur ein Promille der verhängten Strafen für geschädigte Anleger

Der Zeitung zufolge haben sich die offenen Forderungen des Justizministeriums aus Strafen gegen Anlagebetrüger in zehn Jahren auf 97 Milliarden Dollar verdreifacht. Die Behörde hält es noch für möglich, zehn Milliarden davon tatsächlich einzutreiben. Dank spektakulärer Erfolge wie beispielsweise im Fall Madoff kann sie sich immerhin rühmen, mehr als ein Fünftel der verhängten Strafen auch einzukassieren.

Andere Behörden stehen nicht viel besser da. Die Börsenaufsicht SEC rühmt sich "unübertroffener Erfolge" mit aggressivem Eintreiben der Strafen, "wenn Vermögenswerte verfügbar sind" - und kommt so auf eine Quote von 42 Prozent. Die für Derivate zuständige CFTC erreicht 51 Prozent, aber nur ein Promille der verhängten Strafen kommt tatsächlich den geschädigten Anlegern zugute.

Manche der verurteilten Betrüger haben schlicht alles Geld verprasst. Andere haben es geschickt in Sicherheit gebracht, so wie der schon 1989 verurteilte "Firmenjäger" Paul Bilzerian, der Verwandte und Bekannte als Eigentümer in einem komplizierten Geflecht aus Trusts und Stiftungen in exotischen Steueroasen einsetzte, selbst Privatinsolvenz beantragte, zugleich aber noch jahrzehntelang in einer luxuriösen Villa wohnen konnte.

Laut "Wall Street Journal" hat die SEC in all den Jahren 3,7 Millionen Dollar von Bilzerian eintreiben können. Verurteilt wurde er einmal zu 62 Millionen Strafe. Jetzt gibt die SEC auf. Die Ermittlungen waren mit 8,6 Millionen Dollar schon zu teuer, weitermachen lohnt sich nicht.

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