Euro-Zone Draghi will Zinsen notfalls weiter senken

Draghi beruhigt die Anleger: Bei Engpässen an den Geldmärkten könnte die Europäische Zentralbank nochmals mit frischem Geld aushelfen. Die Banken könnten sich dann noch großzügiger mit Notenbankgeld eindecken. Auch eine Leitzinssenkung ist möglich.
Mario Draghi: "Anzeichen für eine Erholung auf niedrigem Niveau"

Mario Draghi: "Anzeichen für eine Erholung auf niedrigem Niveau"

Foto: Arne Dedert/ dpa

Frankfurt am Main - Die Europäische Zentralbank (EZB) bleibt trotz wirtschaftlicher Erholung bei ihrem Kurs des billigen Geldes. "Die Geldpolitik wird so lange wie nötig locker bleiben", sagte Notenbankchef Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt. Er bekräftigte das Versprechen, die Zinsen "über einen längeren Zeitraum" niedrig zu halten. Zuvor hatte die EZB den Leitzins auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent bestätigt.

Die Währungshüter befinden sich in einer Zwickmühle: Erst im Juli hatten sie den Finanzmärkten dauerhaft billiges Geld versprochen. Trotzdem haben die Kreditkosten im Währungsraum zuletzt zugelegt und drohen so, die wirtschaftliche Erholung abzuwürgen. Grund ist die nahende geldpolitische Wende in den USA. Da die US-Notenbank Fed bald auf einen etwas weniger expansiven Kurs umschwenken dürfte, treibt sie die Zinsen an den Anleihemärkten - auch im Euro-Raum - nach oben.

Notfalls weitere Zinssenkung

EZB-Präsident Draghi versucht sich mit der Ankündigung langfristig niedriger Zinsen gegen den Anstieg der Geldmarktraten zu stemmen und stellt sogar weitere Lockerungen in Aussicht: "Die Wirtschaft ist zu schwach, um Zinsdiskussionen auszuschließen." Falls die Marktzinsen unangebracht erschienen, könne eine Zinssenkung, die im Rat auch diskutiert worden sei, erwogen werden. Die Notenbanker beobachteten den Geldmarkt genau, betonte Draghi.

Zugleich nimmt der oberste Währungshüter Europas die Aufhellung der konjunkturellen Perspektiven zur Kenntnis: "Es gibt Anzeichen für eine wirtschaftliche Erholung auf niedrigem Niveau", so Draghi. Diese Einschätzung kommt auch in den aktualisierten Prognosen der EZB zum Ausdruck: Die Projektionen für Wachstum und Inflation wurden für das laufende Jahr leicht nach oben angepasst.

EZB korrigiert Wachstumsprognose nach oben

Für 2013 erwartet die Notenbank nun einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,4 Prozent nach zuletzt 0,6 Prozent. Die Wachstumsvorhersage für 2014 wurde von 1,1 auf 1,0 Prozent gesenkt. Die Teuerungsrate sieht die EZB 2013 etwas höher als bislang (1,4 Prozent) bei 1,5 Prozent. Im nächsten Jahr dürfte sie unverändert bei lediglich 1,3 Prozent liegen. Das eröffnet Spielraum bei der Geldpolitik, weil der Wert deutlich unter den von der Notenbank angepeilten knapp zwei Prozent liegt.

"Der schwache Inflationsausblick sowie die moderate Geldmengenentwicklung sprechen aber für eine fortgesetzt lockere Geldpolitik", kommentiert Experte Ralf Umlauf von der Landesbank Hessen-Thüringen. Zinserhöhungserwartungen seien nicht angebracht. "Draghi versucht unsere Erachtens, dem Druck zu höheren Renditen entgegenzuwirken."

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.