Donnerstag, 22. August 2019

Beitritt 2014 EZB erklärt Lettland für Euro-reif

Hauptstadt Riga: Die Landeswährung Lats ist ohnehin an den Euro gebunden

Die Euro-Zone dürfte im kommenden Jahr auf 18 Mitgliedstaaten anwachsen. Beitrittskandidat Lettland erhielt einen positiven Bericht der EZB. Allerdings äußern die Experten auch Bedenken wegen der vielen ausländischen Einlagen - ähnlich wie in Zypern.

Frankfurt am Main - Die Europäische Zentralbank (EZB) gibt Lettland grünes Licht für die Euro-Einführung. In ihrem am Mittwoch veröffentlichten Konvergenzreport zur Euro-Fähigkeit Lettlands schreibt die Notenbank, dass das osteuropäische Land alle Kriterien für den Beitritt in die Währungsunion erfüllt. Nach Veröffentlichung des Berichts empfahl auch die EU-Kommission, Lettland zum 1. Januar 2014 in die Währungsunion aufzunehmen. Das letzte Wort hat nun der EU-Ministerrat, in dem die Mitgliedstaaten vertreten sind.

Bedenken hat die Notenbank allerdings wegen des hohen Anteils ausländischer Spareinlagen, die auf den Konten lettischer Banken liegen - sie summieren sich laut EZB auf etwa 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Diese seien ein "wichtiges Risiko für die Finanzstabilität" des Landes, erklärte die EZB. Vor allem bei russischen Investoren ist Lettland beliebt - besonders seit die Einlagen in der bisherigen Fluchtburg Zypern angegriffen wurden.

Zudem hat die EZB ähnlich wie bereits bei dem zuletzt der Euro-Zone beigetretenen Estland Bedenken, dass Lettland auf mittlere Sicht nicht in der Lage ist, eine niedrige Teuerung zu halten. Wegen des Aufholprozesses zu den anderen Euro-Ländern seien in den kommenden Jahren steigende Inflationsraten zu befürchten. "In den letzten zehn Jahren schwankte die jährliche Teuerung sehr stark von minus 1,2 Prozent bis plus 15,3 Prozent", schreiben die Währungshüter.

Harter Kurs der lettischen Regierung bestätigt

Im vergangenen Jahr allerdings lag die Teuerungsrate Lettlands bei 1,3 Prozent - einen geringeren Preisauftrieb hatte in Europa nur noch Schweden mit 0,8 Prozent.

Der Euro-Beitritt galt stets als das Ziel der radikalen Krisenpolitik der verschiedenen lettischen Regierungen. Die Bindung der Landeswährung Lats an den Euro wurde seit Beginn der Währungsunion gehalten - teils unter großen Mühen. Wegen der massiven Kapitalflucht aus Lettland in der Finanzkrise 2008 kürzte die Regierung den Staatshaushalt und die Gehälter. Die Wirtschaftsleistung brach zeitweise um ein Viertel ein, die Arbeitslosenquote wurde nur von starker Auswanderung wieder gesenkt. Ein Notkredit des Internationalen Währungsfonds verhinderte den Staatsbankrott.

Auch die Staatsschuldenquote stieg zeitweise stark an - allerdings von sehr niedrigem Niveau. Bis heute blieb sie mit 40,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts deutlich unter der im Maastrichter Vertrag festgelegten Obergrenze von 60 Prozent. Das Defizit betrug 1,2 Prozent vom BIP, erlaubt sind 3,0 Prozent.

ak/rtr/dpa-afx

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