Dienstag, 25. Juni 2019

Schiefergas Oettinger kündigt EU-Regeln für Fracking an

Proteste gegen Erdgasprobebohrungen in Lünne (Kreis Emsland): Fracking ist stark umstritten

EU-Energiekommissar Oettinger kündigt noch in diesem Jahr einen Vorstoß aus Brüssel zu europaweiten Regeln für die umstrittene Erdgasförderung an. Dem Ingenieurland Deutschland rät er "dringend" zu Probebohrungen.

Berlin - Für die umstrittene Schiefergasförderung (Fracking) könnte es noch in diesem Jahr EU-weite Regeln geben. Zumindest hat EU-Energiekommissar Günther Oettinger das in Aussicht gestellt. "Der Schutz von Gebieten, wo Trink- und Grundwasser vorkommt, wie im Falle des Bodensees, ist absolut richtig. Auch auf EU-Ebene wird man sich das Thema Fracking und Umweltschutz in diesem Jahr genauer anschauen", sagte er der Zeitung "Die Welt". Oettinger warnte vor einer zu hohen Furcht vor den Risiken.

Deutschland dürfe sich die Möglichkeiten nicht entgehen lassen, die Gasvorkommen unter dem eigenen Boden bedeuteten. Es sollte die nötige Rechtsgrundlage für Demonstrationsprojekte und für die praktische Erprobung geschaffen werden, sagte er. "Wenn wir Probebohrungen zulassen, werden wir in einigen Jahren weit klüger sein und auch über die Kosten besser Bescheid wissen. Das muss man einem Ingenieurland wie Deutschland dringend raten."

Auch der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sprach sich für einen offenen Umgang mit der Technik aus. "Es wäre falsch, Fracking in Deutschland komplett zu verbieten", sagte er der Zeitung. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sagte, er sei dafür, "dass wir diese Technologie nach allen Seiten hin ernsthaft ausleuchten". Beide Politiker plädierten dafür, Entscheidungen erst nach der Bundestagswahl und den Landtagswahlen in ihren Ländern im Herbst zu treffen.

Entscheidung vor Bundestagswahl unwahrscheinlich

Fracking ist hierzulande stark umstritten. Während Förderer der Technik eine neue Energiequelle sehen, sehen Umweltschützer wegen des Einsatzes von Chemikalien das Grundwasser in Gefahr. In der Koalition hatte es zuletzt Streit über eine gesetzliche Regelung für die Gasförderung gegeben. Mitte Mai wurde ein Gesetzentwurf wegen des Widerstands in der Union wieder von der Kabinetts-Tagesordnung genommen. Damit wird eine Entscheidung vor der Bundestagswahl immer unwahrscheinlicher.

In den USA wird die Technologie bereits stark eingesetzt und führte dort zu einem neuen Gasboom. Die US-Regierung will bei Gas und Öl unabhängig von Importen werden - das Fracking ist ein wichtiger Baustein dafür. Nach Einschätzung vieler Experten sind die Vereinigten Staaten wegen der neuen Möglichkeiten auf dem Weg zum größten Gas- und Ölförderer der Welt. Kritiker fürchten jedoch ein jähes Ende des Schifergas-Booms. In Europa stößt die Technik nicht nur in Deutschland auf Widerstand. So ist Fracking zum Beispiel in Frankreich, wo es ebenfalls große Vorkommen an Schiefergas geben soll, verboten.

mahi/dpa-afx/afp

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