Samstag, 21. September 2019

Bundestag kippt Verbot RWE entdeckt den Nachtspeicherofen

Wohin mit dem überschüssigen Strom? Kohlekraftwerke aber auch Windräder produzieren mehr Strom als wir verbrauchen.

Nachtspeicherheizungen sollten als Energiefresser eigentlich verboten werden. Jetzt dürfen sie laut Bundestag doch über über das Jahr 2019 hinaus laufen. Das ruft scharfe Kritik der Umweltschützer hervor. RWE lobt den Beschluss - nicht ganz uneigennützig.

Berlin - Die rund 1,5 Millionen Nachtspeicherheizungen in Deutschland können auch über das Jahr 2019 hinaus betrieben werden. Der Bundestag kippte am Freitag ein entsprechendes Verbot aus den Zeiten der großen Koalition mit den Stimmen von CDU/CSU und FDP.

Die einst massenhaft installierten Nachtspeicheröfen waren lange Zeit als teure Stromfresser verpönt. Die große Koalition hatte 2009 aus Energiespar- und Klimaschutzgründen verfügt, dass alle vor 1990 installierten Nachtspeicher nur noch bis 2019 erlaubt sind und nach 1990 angeschlossene Geräte maximal 30 Jahre laufen dürfen.

Neuerdings werden die Geräte als flexible Stromspeicher entdeckt, die besser auf das je nach Wetter stark schwankende Ökostromangebot reagieren und überschüssigen Strom aufnehmen sollen. Unter anderem der Energiekonzern RWE hat sich stark gemacht für eine Umrüstung der Nachspeicheröfen zu intelligenten, flexiblen Speichern - in Zeiten der Energiewende gibt es oft ein Überangebot.

Aber gerade in Nordrhein-Westfalen ist dies oft weniger Wind- oder Solarstrom, sondern Kohlestrom, den besonders RWE produziert. Deutschland steuert auf einen Rekordüberschuss an Strom in diesem Jahr zu - auch weil Braun- und Steinkohlekraftwerke nicht flexibel genug auf das schwankende Ökostromangebot reagieren können.

RWE für Umrüstung der Nachtspeicheröfen zu "intelligenten Speichern"

Umweltschützer sprechen daher von einem Lobbygeschenk, da die Aufhebung des Verbots das Energiesparen behindere statt fördere. Der derzeitige Bestand an Nachspeicherheizungen in Deutschland sei verantwortlich "für eine gewaltige Stromverschwendung von 10 bis 15 Terawattstunden (TWh), das entspricht rund 2 bis 3 Prozent des nationalen Strombedarfs", argumentiert die Deutsche Umwelthilfe. Die Nachtspeicherheizungen bräuchten vor allem im Winter Strom, wenn oft kaum Wind wehe und die Sonne nicht scheine.

Die Unions-Politiker Joachim Pfeiffer und Thomas Bareiß betonten hingegen: "Stromspeicherheizungen können eine tragende Rolle übernehmen, um überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energiequellen einer sinnvollen Nutzung zuzuführen. Dies ist bisher aufgrund der geringen Speicherkapazitäten in Deutschland kaum möglich."

In den 70er Jahren konnte überschüssiger Strom aus Tag und Nacht durchlaufenden Atomkraftwerken von den Öfen nachts in Wärme umgewandelt und so weiter genutzt werden. Im Vergleich zu anderen Heizungsarten gilt dies als besonders ineffizient - und heute als enorm teuer.

RWE hatte vorgeschlagen, solche Stromheizungen mit moderner Regeltechnik auszustatten, damit sie überschüssigen, billigen Strom aus Windparks aufnehmen. Auch beim Karlsruher Energieversorger Enbw läuft ein solches Ökostrom-Speicherprojekt.

rei/dpa

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