Rezession in Frankreich IWF warnt vor Euro-Kernstaatenschmelze

Frankreich droht nach Meinung des Internationalen Währungsfonds die Rezession. Die Kernländer der Euro-Zone könnten so ihre Funktion als Euro-Stabilitätsanker verlieren. Frankreich hat eine Lösung dafür: Deutsche Verbraucher sollen Frankreich aus dem Problem herauskaufen.
Probleme in Paris: Forscher des Internationalen Währungsfonds warnen vor einer Rezession in Deutschlands größtem westlichen Nachbarland

Probleme in Paris: Forscher des Internationalen Währungsfonds warnen vor einer Rezession in Deutschlands größtem westlichen Nachbarland

Foto: Getty Images

Hamburg - Die lodernde Schuldenkrise im Euro-Raum lässt beim Internationalen Währungsfonds (IWF) die Alarmglocken schrillen. Ein Grund dafür ist das drohende Abgleiten Frankreichs in die Rezession, wie der IWF am Dienstag betonte; Frankreich selbst rechnet für 2013 nochmit einer Stagnation. Doch der IWF sagt dem Schwergewicht in der Euro-Zone eine um 0,1 Prozent schrumpfende Wirtschaftsleistung voraus: "Dies könnte Fragen aufwerfen hinsichtlich der Fähigkeit der Kernländer, den Randstaaten bei Bedarf zu helfen - obwohl der Währungsfonds seine Wachstumsprognose für Deutschland als größter Volkswirtschaft Europas minimal angehoben hat

Der IWF schraubte seine Wachstumsprognose für Deutschland für das laufende Jahr leicht um 0,1 Prozentpunkte auf 0,6 Prozent nach oben und rechnet für 2014 mit plus 1,5 Prozent.

Die Regierung in Paris hat mittlerweile Reformbedarf eingeräumt und will sich dabei von den vor zehn Jahren in Deutschland eingeleiteten Arbeitsmarktreformen der Agenda 2010 anregen lassen. Dennoch sieht Industrieminister Arnaud Montebourg zur Überwindung der wirtschaftlichen Ungleichgewichte in Europa primär Deutschland am Zug: Dort müsse es kräftige Lohnerhöhungen geben, forderte der sozialistische Politiker in der "Rheinischen Post". Die deutsche Wirtschaft habe sich über viele Jahre mit Lohnzurückhaltung einen Wettbewerbsvorteil verschafft und heute einen gewaltigen Exportüberschuss gegenüber seinen Partnern.

EZB soll Minizinsen minimieren

Der IWF legt der Europäischen Zentralbank (EZB) nahe, die Zinsen noch weiter zu senken; allerdings sind die schon nahe der Nulllinie. Doch selbst das aktuelle Mininiveau sei für etlichen Krisenländer am Rande der Euro-Zone noch zu hoch.

Der EZB-Rat hatte auf der jüngsten Zinssitzung Anfang April intensiv über eine Senkung gesprochen, aber im Konsens entschieden, die Zinsen vorerst nicht anzufassen. Die Betonung der Abwärtsrisiken für den Konjunkturausblick beim Auftritt Draghis in Straßburg lässt darauf schließen, dass das Thema Zinssenkung für die EZB weiter aktuell ist.

Sie wird auf ihrer nächsten Sitzung am 2. Mai darüber entscheiden müssen, ob sie den Leitzins bei 0,75 Prozent belässt oder zum Ankurbeln der Konjunktur weiter senkt. Die Ruhe an der Preisfront bietet zumindest Spielraum dafür: Die Inflation in der Euro-Zone ist wegen sinkender Benzinpreise auf dem Rückmarsch. Die Jahresteuerung fiel im März auf 1,7 Prozent und damit auf den tiefsten Stand seit August 2010. Damit herrscht weitgehend Preisstabilität, die die EZB bei Werten von knapp unter 2 Prozent gewährleistet sieht.

Laut IWF führt der Weg in Italien und Spanien dieses Jahr noch tiefer in die Rezession. Die Anleger halten Spanien trotz der düsteren Konjunkturaussichten jedoch weiter die Stange: Das Land kam so günstig an frisches Geld wie seit drei Jahren nicht mehr. Die Renditen für Geldmarktpapiere mit einer Laufzeit von sechs Monaten sowie einem Jahr sanken auf 0,53 Prozent beziehungsweise 1,235 Prozent und damit auf den niedrigsten Stand seit Frühjahr 2010.

kst/rtr
Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.