"Eiserne Lady" gestorben Merkel nennt Thatcher "beispielhaft"

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die verstorbene britische Ex-Premierministerin Margaret Thatcher als "überragende Führungspersönlichkeit" gewürdigt. Merkel sagte, als Frau im höchsten Amt habe Thatcher "vielen ein Beispiel gegeben".
Margaret Thatcher: Die frühere Premierministerin war als "Eiserne Lady" bekannt

Margaret Thatcher: Die frühere Premierministerin war als "Eiserne Lady" bekannt

Foto: ? Suzanne Plunkett / Reuters/ REUTERS

London - Merkel nannte Thatcher "eine der überragenden Führungspersönlichkeiten der Weltpolitik ihrer Zeit". Thatcher habe früh die Kraft der Freiheitsbewegungen Osteuropas erkannt und sich für sie eingesetzt, sagte die Bundeskanzlerin nach Angaben der Regierung in Berlin.

"Ihren Anteil an der Überwindung der Teilung Europas und am Ende des Kalten Krieges werde ich nicht vergessen", sagte Merkel weiter. Die Kanzlerin betonte: "Indem sie sich zu Zeiten, als dies noch nicht selbstverständlich war, als Frau im höchsten demokratischen Amt behauptete, hat sie vielen nach ihr ein Beispiel gegeben."

Thatcher war am Montag im Alter von 87 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben. "Mit großer Betroffenheit haben (ihre Kinder) Mark und Carol Thatcher bekannt gegeben, dass ihre Mutter, Baronin Thatcher heute Morgen an den Folgen eines Schlaganfalls friedlich verstorben ist", sagte ein Sprecher der Familie in London.

Die als "Eiserne Lady" bekannt gewordene konservative Politikerin hatte bereits mehrere Schlaganfälle erlitten. Nach Angaben ihrer Tochter war sie seit Jahren dement. Sie hatte sich nur noch selten in der Öffentlichkeit gezeigt. Thatcher regierte Großbritannien über drei Amtsperioden von 1979 bis 1990 und damit länger als jeder andere Premierminister im 20. Jahrhundert.

Thatcher hatte die britische Politik und Teile der Weltpolitik in den 1980er-Jahren geprägt. Innenpolitisch hatte vor allem ihr extrem harter Kurs gegen die in Großbritannien bis dahin traditionell starken Gewerkschaften, das Kürzen von Sozialleistungen und eine von ihrer Regierung in Gang gesetzte Welle von Privatisierungen für Furore gesorgt. Kritiker ihrer Politik sehen dies als schwere Fehler an, Befürworter halten die Reformen nach wie vor für wichtige strukturpolitische Weichenstellungen.

Skepsis gegen deutsche Wiedervereinigung

Außenpolitisch gab sich Thatcher ebenso kompromisslos. Mit US-Präsident Ronald Reagan wurde ihr ein innige politische Freundschaft nachgesagt, das Verhältnis zum damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) galt dagegen als gespalten. Nach dem Fall des Eisernes Vorhanges hatte sich Thatcher zunächst skeptisch gegenüber einer Wiedervereinigung Deutschlands gezeigt.

Königin Elizabeth II. erklärte ihrer Trauer über den Tod Thatchers. Die Königin sei "traurig, diese Nachricht zu hören", und werde im Laufe des Tages eine private Nachricht der Anteilnahme an die Familie Thatcher senden, sagte ein Palastsprecher.

Der britische Premierminister David Cameron verkürzte seinen Besuch in Spanien. Wie aus spanischen Regierungskreisen verlautete, wurde eine gemeinsame Pressekonferenz mit Ministerpräsident Mariano Rajoy gestrichen. Cameron werde in Madrid vor der Presse nur eine kurze Erklärung abgeben, hieß es.

Cameron ließ erklären, er habe die Nachricht von Thatchers Tod "mit großer Traurigkeit" aufgenommen. "Wir haben eine großartige Führerpersönlichkeit verloren, eine großartige Premierministerin und eine große Britin."

Thatcher wird nach Informationen aus der Downing Street mit einer große Trauerfeier die letzte Ehre erwiesen. Ihr Leichnam solle aber nicht öffentlich aufgebahrt werden, hieß es.

ts/dpa-afx/afp
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