Vor möglichem Atomtest Nordkorea schließt Industriepark Kaesong

Nordkorea hat die Einstellung des Betriebs im Industriepark Kaesong an der Grenze zu Südkorea angekündigt. Russlands Präsident Wladimir Putin warnte derweil das Regime in Pjöngjang eindringlich vor einem weiteren Atomtest.
Sperre: Ein südkoreanischer Wachmann hindert Lkws an der Fahrt nach Kaesong

Sperre: Ein südkoreanischer Wachmann hindert Lkws an der Fahrt nach Kaesong

Foto: KIM HONG-JI/ REUTERS

Seoul/Hannover - Alle nordkoreanischen Arbeiter sollen aus dem Komplex zurück gezogen werden, sagte ein Sekretär der in Nordkorea herrschenden Arbeiterpartei. Es werde überprüft, ob der auf nordkoreanischem Gebiet liegende Komplex künftig weiter betrieben werden soll, wurde er von den Staatsmedien zitiert. In dem Industriepark arbeiten über 50.000 nordkoreanische Arbeiter für Unternehmen aus Südkorea.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Russlands Präsident Wladimir Putin forderten unterdessen Pjöngjang zur Einstellung seiner militärischen Provokationen auf. Sie sei sich mit Putin sehr einig, dass die internationale Staatengemeinschaft im Zusammenhang mit der Entwicklung um Nordkorea beruhigend einwirken müsse, sagte Merkel nach einem gemeinsamen Rundgang mit Putin über die Hannover Messe. Es müsse aber auch darauf hingewirkt werden, dass Nordkorea die "Provokationen" einstelle.

Putin lobte die US-Regierung dafür, dass sie den Test einer ballistischen Rakete zunächst verschoben hat, um keine neuen Spannungen auszulösen. "Wir müssen den USA für diesen Schritt danken", sagte er. Alle sollten zur Mäßigung aufrufen.

China erhöht Druck auf Pjöngjang

Russland sei wegen der Spannungen in der Nachbarregion besonders besorgt und für eine Demilitarisierung der ganzen koreanischen Halbinsel. Wenn wirklich ein Atomkrieg stattfinde, seien die Folgen schrecklich: "Dann könnte Tschernobyl wie ein Kindermärchen erscheinen", sagte er mit Blick auf die Katastrophe in dem Atomkraftwerk. Nach Einschätzung der südkoreanischen Regierung bereit Nordkorea möglicherweise einen vierten Atomtest vor.

Kurz zuvor hatte Nordkoreas Verbündeter Peking den Druck auf Pjöngjang erhöht. Indirekt übte Staats- und Parteichef Xi Jinping scharfe Kritik an Nordkorea, ohne den störrischen Nachbarn aber beim Namen zu nennen. "Niemandem darf erlaubt werden, eine Region oder sogar die ganze Welt für selbstsüchtige Zwecke ins Chaos zu stürzen", sagte der Präsident in Äußerungen, die nach Einschätzung von Diplomaten auf das Regime in Pjöngjang abzielten.

Einen Ausweg aus der Krise sieht China vor allem in direkten Gesprächen zwischen den USA und Nordkorea, wie ein hoher chinesischer Außenpolitiker der Nachrichtenagentur dpa in Peking sagte. Alle blickten immer auf China, doch liege der Schlüssel bei den USA.

ts/dpa/rtr
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