Südkoreanische Regierung Nordkorea bereitet womöglich neuen Atomtest vor

Südkorea in Alarmbereitschaft: Die Regierung in Seoul hat erhöhte Aktivitäten auf dem nordkoreanischen Atomtestgelände beobachtet und fürchtet nun einen weiteren Raketenstart. Auch die ungewöhnlich scharfe Kritik aus Peking kann Diktator Kim Jong Un offenbar nicht stoppen.
Nordkoreas Diktator Kim Jong Un: Offenbar noch gefährlicher als sein Vater

Nordkoreas Diktator Kim Jong Un: Offenbar noch gefährlicher als sein Vater

Foto: Ed Jones/ AFP

Seoul - In Nordkorea gibt es nach Angaben der südkoreanischen Regierung Anzeichen für einen bevorstehenden weiteren Atomtest. Das sagte Vereinigungsminister Ryoo Kihl-jae am Montag bei einem Treffen mit Parlamentsabgeordneten in Seoul, wie die Nachrichtenagentur Yonhap berichtete.

Ein Abgeordneter hatte den Minister demnach auf Medienberichte angesprochen, wonach auf dem nordkoreanischen Atomtestgelände in Punggye-ri erhöhte Aktivitäten zu beobachten seien. Man wisse von Hinweisen, dass ein weiterer Test in Planung ist, sagte Ryoo. Einzelheiten nannte er nicht.

Die südkoreanische Zeitung "JoongAng Ilbo" hatte zuvor unter Berufung auf einen hochrangigen Regierungsbeamten in Seoul berichtet, dass in Punggye-ri erhöhte Aktivitäten von Personen und Fahrzeugen beobachtet worden seien. Ähnliche Aktivitäten habe es auch vor dem dritten nordkoreanischen Atomtest im Februar gegeben.

Unklar sei, ob die Aktivitäten tatsächlich Vorbereitungen zu einem neuen Nukleartest seien oder dazu dienten, die USA bewusst in die Irre zu leiten, um dadurch den Druck auf Washington und Seoul zu erhöhen. Militärs in Südkorea bestätigten laut der Zeitung zudem, dass Nordkorea wahrscheinlich den Start einer Mittelstreckenrakete von einer mobilen Raketenstartrampe an der Ostküste vorbereite.

China warnt Nordkorea

Gestern noch hatte China die nordkoreanische Führung in ungewöhnlich scharfer Form vor einer weiteren Eskalation der Spannungen auf der koreanischen Halbinsel gewarnt. Keinem Land dürfe erlaubt werden, eine Region oder gar die ganze Welt aus selbstsüchtigen Motiven ins Chaos zu stürzen, sagte Chinas Präsident Xi Jinping bei einer Versammlung auf der südchinesischen Insel Hainan, ohne Nordkorea direkt beim Namen zu nennen.

Diplomaten, wie der frühere US-Botschafter in China, Jon Huntsman, nannten die Aussagen Xis beispiellos. China verliere offenbar die Geduld mit seinem Verbündeten, sagte der Diplomat.

USA verschieben Raketentest

Um mögliche Missverständnisse zu vermeiden, hat die US-Regierung am Wochenende einen für diesen Dienstag geplanten Test einer Interkontinentalrakete verschoben. Der lange geplante Start der Rakete vom Typ Minuteman III habe nichts mit Korea zu tun, aber die USA hätten sich wegen der jüngsten Spannungen auf der koreanischen Halbinsel für die Verschiebung entschieden, sagte ein hoher Beamter des US-Verteidigungsministeriums nach Angaben des US-Senders CNN.

Südkorea drohte dem kommunistischen Regime in Pjöngjang im Falle eines Angriffs mit schwerer Vergeltung. "Wenn ein lokaler Krieg ausbricht, muss Nordkorea mit schwerer Vergeltung rechnen", sagte der Chef des Nationalen Sicherheitsrates, Kim Jang Soo, am Sonntag.

Die Lage auf der koreanischen Halbinsel hatte sich seit dem letzten Atomtest im Februar zugespitzt. Pjöngjang hatte angesichts der Ausweitung von UN-Sanktionen und südkoreanisch-amerikanischer Militärmanöver den Waffenstillstandsvertrag von 1953 aufgekündigt und den "Kriegszustand" im Verhältnis zu Südkorea ausgerufen. Seit den 1950er Jahren befinden sich die Nachbarn formell weiter im Krieg. Die USA haben mit der Verlegung von Kampfflugzeugen und Kriegsschiffen in die Region reagiert.

mg/dpa/rtr
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